Spielerische Grundstückskämpfe

Lesedauer: 

Auch dieses Jahr zog das vom Künstlerhaus zeitraumexit ausgerichtete Festival "Wunder der Prärie" mit vielen Aktionen in den Mannheimer Stadtraum. Von der Feudenheimer Au bis zum Schlossplatz zog sich die Spur der eingeladenen Aktionen und Interventionen im öffentlichen Raum. Auch das Berliner Künstler- und Spielemacherkollektiv Invisible Playground reihte sich ein in die bunte Liste von Freiluftakteuren und machte die Innenstadt in ihrer Performance "The Mannheim Games Tour" kurzerhand zur abenteuerlichen Spielpiste.

AdUnit urban-intext1

Ausgangspunkt für die knapp zweieinhalbstündige Mitmachperformance war der Paradeplatz am Freitagnachmittag. Mit Herbstsonne und Passanten bestens ausgestattet ging es hier dann auch gleich los mit dem Kampf um die besten Grundstücke am Platz. Drei Teams kämpften um kleine Kreidequadrate und Kreise, die mit verschiedenen Zahlenwerten versehen waren und über den ganzen Platz verteilt zu suchen waren. "Unwanted Entities", so der Titel der ersten Spielrunde, der in bester Monopoly-Manier von den Teilnehmern die blanke Gewinnsucht forderte und dabei selbst die Umsiedelung von anderen Spielfiguren als probates Mittel zum Erfolg anbot.

In der Hinterhand hielten die Organisatoren von Invisible Playground allerdings die Auflösung der Spielideen und zogen einem damit hinterher noch einmal kurz den Boden unter den Füße weg. "Beim ersten Spiel ging es um Obdachlose, die man bei seinen Grundstücksspekulationen einfach beiseiteschiebt", erklärte Daniel Boy beim Abschluss des Nachmittags am Wasserturm. Und das saß dann noch mal gut, nach dem spaßigen Gerangel um Punkte rund um den Springbrunnen vorm Stadthaus. Und den zwei anderen Etappen, die den Weg zum Wasserturm zur famosen Spielsafaristrecke umbauten.

Sebastian Quack gründete Invisible Playground im Jahr 2009, das als Kollektiv von Spielentwicklern, Theatermachern, Künstlern, Musikern und Wissenschaftlern arbeitet, die genau daran interessiert sind, die Stadt als Spielfläche zu nutzen und im spielerischen Neuentdecken von Räumen ihre Geschichte und Gedanken zu verpacken.

AdUnit urban-intext2

So zeigt der zweite Teil mit dem Spiel "Schafe & Wölfe" wie schnell das Individuum in der Stadt in der Überforderung landet und wie sich das auf sein ganzes Umfeld auswirken kann. Und für Außenstehende wohl nach ein paar verrückten Erwachsenen ausgesehen haben muss, die hier auf der Fußgängerzone Fangen spielen. Sei es drum, wer mitmacht bekommt hier ja auch so einiges zurück. Mit "Love at first sight" geht es um die Suche nach der wahren Liebe und den Umwegen dorthin. Mit gebrochenen Herzen und vielen Affären spielt man sich hier durch den Liebesdschungel und lernt am Ende, dass es hierbei nicht um Großstadtsingles ging, sondern eigentlich ausbeuterische Prostitution. Mit dem doppelten Boden schicken die Macher von "The Mannheim Games Tour" einen durch die eigene Stadt und bringen einen geschickt und gut gelaunt zum Nachdenken. bema