Deutsch-französische Anekdoten - Fechter und Schüler Sommerkurs für „unter 20 Mark“

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Die liebevoll geschmückte Turnhalle in Toulon als Unterkunft. © Gabriele Weigel

Zwei weitere Leserbeiträge zu unserer Reihe „Deutsch-französische Anekdoten“:

Christoph Kaupat, Aachen

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Als der französische Fechtmeister Eric Mayer in den 1980er-Jahren als Trainer zum TSV 1846 Mannheim kam, wo er noch heute unterrichtet, war ich einer seiner Schützlinge. Ich habe viel bei ihm gelernt und bin für die Zeit sehr dankbar. Einmal wurde ein Sommerkurs angeboten. Mit seinem Akzent kündigte er an, der Kurs koste „hundertzwanzig Mark“. Wir Kinder verstanden „unter zwanzig Mark“. In der nächsten Fechtstunde fragten wir ihn wieder, was der Kurs koste. Erneut verstanden wir unter zwanzig Mark. Als wir ein drittes Mal fragten, wurde er ungehalten, weil er dachte, wir Schüler wollten ihn necken. Doch dann stellte sich das Missverständnis heraus. Alle mussten sehr lachen.

Gabriele Weigel, Ludwigshafen

Begeistert von der ersten Begegnung in Toulon, war ich (18) glücklich, auch 1963 beim Austausch dabei sein zu können. Allerdings wohnte ich dann nicht in der liebevoll hergerichteten Turnhalle der Ecole L. Carnot, sondern bei meiner Freundin Michèle. Ihre Mutter verwöhnte uns morgens, noch im Bett, mit Kaffee und Schokoladencroissants – paradiesisch! Im Dorf der Großeltern war ein Fest angesagt. Bei der Frage nach der Toilette führten sie mich in die Scheune, wo ein Eimer mit Deckel stand. Das Fest war beeindruckend. Ich erlebte zum ersten Mal, dass Frauen miteinander tanzten. Natürlich war ich eine „Exotin“ und musste immer wieder etwas Deutsches sagen. Ich selbst habe mich schnell dem dortigen Dialekt angepasst und damit meine Französischlehrerin in Mannheim geschockt. Gerne bin ich übrigens nicht nach Hause gefahren – trotz Eimer.