Corona-Vorgaben und Handicaps - Mundschutzpflicht stellt Gehörlose vor Herausforderungen Sichtfenster zum Lippenlesen

Von 
Julia Brinkmann
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„Ich habe Probleme, wenn ein Kunde mit Mundschutz mich anspricht“, schreibt Pascal Stephan im Whatsapp-Interview mit dem „MM“. Stephan arbeitet seit 2013 bei Fairkauf in Mannheim-Waldhof im Transport-Team.

Das Whatsapp-Interview mit Pascal Stephan. © Julia Brinkmann
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Stephan ist zur Kommunikation darauf angewiesen, die Lippen seines Gegenübers zu sehen. Auch bei der Gebärdensprache ist das Mundbild ein wichtiger Bestandteil, gemeinsam mit der Handstellung, Handbewegungen und der Mimik. Auch für den Gesprächspartner erschwert der Mundschutz die Konversation: „Wenn ich mit Mundschutz spreche, verstehen mich die Leute manchmal nicht“, sagt der 36-Jährige. Zwar war Fairkauf aufgrund der Corona-Verordnungen zwischenzeitlich geschlossen, Stephans Arbeit jedoch – Möbel zu Kunden bringen und abholen – ging die ganze Zeit weiter.

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Seit dem 6. Mai ist das Second Hand-Geschäft wieder regulär geöffnet. „Als Inklusionsbetrieb brauchten wir ein paar Tage mehr Vorbereitung, um die Hygienevorgaben einhalten zu können“, sagt Dominik Kobel, Betriebsleiter von Fairkauf. Zu den Hygienevorgaben gehört auch die Maskenpflicht – und um Stephan das Lippenlesen zu erleichtern, tragen seine Kollegen Sascha Kaufman und Andreas Traub Masken mit Sichtfenster. Hergestellt werden diese von Bärbel Steegmüller, Kostümschneiderin an der Mannheimer Freilichtbühne.

Information in Gebärdensprache

Die Kooperation kam zufällig zustande: Kobel hatte den Bericht im „MM“ über die besonderen Mund-NasenMasken, die Steegmüller gemeinsam mit Sonderpädagogin Johanna Giese entwickelt hat und näht, gelesen. Da er Steegmüller persönlich über die Freilichtbühne kennt, hat er sie angeschrieben. „Dann hab ich ihr Stoffe eingepackt, davon haben wir hier genug“, schmunzelt Kobel. „Ein paar Tage später hat sie die fertigen Masken gebracht.“ Die perfekte Lösung für das Fairkauf Transport-Team sind die Sichtfenster-Masken jedoch nicht, berichtet Stephan: „Ich kann mit dem Mundschutz nicht gut Luft bekommen, wenn ich Möbel trage. Mit Plastik ist es mit der Atmung noch schlechter.“Auch die Stadt Mannheim setzt auf Masken mit Sichtfenstern, um Gehörlosen zu helfen. Sie lässt sie nach einem Schnittmuster vom Beck & Becker Creative Patternmaking Studio anfertigen. „Die Maske mit Sichtfenster ist eher eine Maske für konkrete Gesprächssituationen und weniger eine, um sich damit viel körperlich zu bewegen“, erklärt eine Stadtsprecherin.

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Fairkauf will nun Gesichtsvisiere testen. Wer, wie Stephan, in jungen Jahren gehörlos geworden ist, hat nicht über die Lautsprache lesen gelernt, und kann so nicht jeden Text barrierefrei lesen. Um sich über das Coronavirus informieren zu können, fordert Stephan mehr Medienangebote in Gebärdensprache. Auch wünscht er sich, dass hörende Menschen Gehörlose fair behandeln. „Sie können kurz den Mundschutz ablegen, um mit mir zu sprechen“, schreibt er.

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