Haus Miteinander: Umbau von Personalwohnung schafft Platz für drei neue Appartements / Am Freitag findet Lesung mit regionalen Krimiautoren statt Selbstständigkeit wird groß geschrieben

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Ute Hahnenberger

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"Wie bin ich doch so froh, dass ich hier wohne": Sven Trier (35) ist Rollstuhlfahrer und ein Bewohner der ersten Stunde im Haus Miteinander auf der Schönau. Die Freude darüber ist ihm bei der Rundtour durch das helle, großzügig gestaltete Haus anzumerken. Finanziert haben es die Eltern der Bewohner - vor knapp sechs Jahren hat das betreute Wohnhaus für Körperbehinderte geöffnet, und für Sven Trier war klar: "Das ist meine Zukunft." Quasi über die Baustellendielen sei er in seine Selbstständigkeit gerollt.

Davor lebte er bei seinen Eltern - in ein Behindertenwohnheim wollte er nicht. "Ein Mitarbeiter in der Werkstatt hat mir erzählt, wenn er abends vom Schwimmen mal später in sein Wohnheim zurückkommt, ist das Abendessen schon abgeräumt: Aber hier kann einfach jeder machen, was er will und heimkommen, wann er will", erklärt der Sportler und leidenschaftliche Pokerspieler die Vorzüge des Wohnangebots.

Denn keiner ist verpflichtet, Termine dort einzuhalten oder etwas gemeinsam zu machen. Sharon Pah (39) kocht sich gern ihr eigenes Essen und isst auf dem Zimmer. Wer möchte, kann sich aber auch im Gemeinschaftsraum mit den anderen treffen - eben wie in einer großen WG. Das Angebot ist da - wer will, nimmt es an, die anderen ziehen sich zurück und gestalten den Abend nach der Arbeit und das Wochenende nach eigenem Gusto - fernsehen, lesen, PC spielen oder ausruhen.

Bald drei neue Wohnungen

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Insgesamt 17 Körperbehinderte zwischen 25 und 42 Jahren leben im Haus Miteinander in individuell eingerichteten Appartements mit Balkon und speziell eingerichteten Bädern: Damit haben sie ein beachtliches Stück Selbstständigkeit erlangt. Das Betreuungsangebot wird von den Bewohnern extra "gekauft" - je nach Bedürfnis. Und dann kann jeder noch private Leistungen wie den Wäschedienst, das Essen oder die Reinigung der Wohnung dazu buchen. Auch vier hausinterne Arbeitsplätze gibt es in der Hauswirtschaft - die anderen Bewohner arbeiten meist in Werkstätten.

Mehrmals die Woche gibt es Sportangebote. Tischkicker, Tischtennis und Boccia stehen auf dem Programm. Die Bocciaspieler üben derzeit eifrig: Momentan mit dem Heilpädagogen Thomas Hehn im Keller, ab März in einer Schulsporthalle - schließlich wollen sie bei den Landesmeisterschaften im Hallenboccia einen vorderen Platz belegen.

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Und das Abnabeln von zu Hause oder der Auszug aus einem Wohnheim könnte bald für drei weitere Körperbehinderte wahr werden. Denn die ehemalige Personalwohnung wird derzeit für über 10 000 Euro in drei neue behindertengerechte Wohnungen umgestaltet. Interessenten können dann Probewohnen: Denn Neuling und Alteingesessene müssen zueinanderpassen. Schließlich gab es bisher nur einen Auszug - die 17 Bewohner sind eine eingeschworene Truppe.

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Auch Monika Stockert, mit 42 Jahren die älteste Bewohnerin, liebt die eigene Wohnung und das Haus: "Ich kann mir nicht vorstellen, hier noch mal auszuziehen." Und falls es mehr Interessenten gibt, könnte noch ein weiterer Trakt angebaut werden, erklärt der Vorsitzende des Vereins, Rolf Schwarzwälder - der Platz ist da, nur müssten sich auch die Eltern finanziell am Bau beteiligen.