Sehnsucht nach Gott

Von 
Schriesheim und Altenbach
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Sehnsucht nach Sonne, nach Frühling, nach Ende von Corona, Sehnsucht nach dem Ende der Unterrichtsstunde oder auch dem Ende der Wartezeit beim Arzt. Sehnsucht nach einem (Lebens-) Partner oder einer (Lebens-) Partnerin. Wonach sehnen Sie sich?

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Was ist das eigentlich, Sehnsucht? Eine Krankheit? Eine Sucht? Laut Wikipedia ist Sehnsucht eine „Krankheit schmerzlichen Verlangens, verbunden mit dem Gefühl, den Gegenstand der Sehnsucht nicht erreichen zu können.“ Es liegt also ein gewisser Schmerz hinter einer Sehnsucht, etwas, was man sich so sehr wünscht, aber doch irgendwie nicht erreicht – eine Grundstimmung, die gerade aus gutem Grund weit verbreitet ist. Und so manche fragen sich gegenwärtig: Wann ändert sich unsere Lage endlich? Wann können wir endlich wieder unbeschwert miteinander Feste feiern, miteinander singen und lachen?

Mehr Kirchenaustritte

Mit vergangenem Mittwoch hat erst einmal die Fastenzeit begonnen. „Sieben Wochen ohne Blockaden“ – so lautet der Titel der diesjährigen Fastenaktion. Blockaden gibt es viele in unserer Welt: Man kann eine Blockade im Kreuz haben und fürchterliche Schmerzen, eine Blockade im Kopf und irgendetwas fällt einem einfach nicht mehr ein. Man kann auch eine Blockade auf einer Straße erleben und es geht nicht mehr weiter. Und noch etwas beobachte ich: Immer mehr Menschen treten aus der Kirche aus. Immer mehr Menschen behaupten von sich, sie seien areligiös. Ich frage mich: Ist das nicht auch eine gewisse Blockade? Steckt da nicht eine Sehnsucht dahinter, dass sich jemand für mich interessiert? Dass jemand auf mich zukommt? Dass ich erlebe, dass ich nicht alleine auf der Welt bin?

Homo desiderium dei

Von Friedrich Schleiermacher, einem Theologen aus dem 18. Jahrhundert, stammt der Ausspruch: „Die Sehnsucht ist der Ursprung aller Religion.“ Der Kirchenvater Augustin ging viele Jahrhunderte noch wesentlich weiter, wenn er sagte „Homo desiderium Dei“, was auf zweierlei Weise auf Deutsch übersetzt werden kann. Einerseits: „Der Mensch ist Sehnsucht nach Gott“ und andererseits: „Der Mensch ist die Sehnsucht Gottes.“

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Wenn man diesen beiden Theologen Glauben schenken möchte, ist die Sehnsucht die Brücke vom Menschen zu Gott und von Gott zu dem Menschen. Gott sehnt sich nach uns Menschen und – wenn der Mensch es sich zugesteht – der Mensch nach Gott. Nicht immer ist das so offensichtlich. Ganz oft versuchen Menschen solchen Begegnungen auszuweichen. So auch die Frau, von der die Bibel im Johannesevangelium erzählt, dass sie mittags um 12 Uhr bei größter Hitze zum Brunnen geht, um Wasser zu schöpfen. Sie wollte niemandem begegnen. Sie wollte den Menschen aus dem Weg gehen. Sie hatte schon viele schlechte Erfahrungen gemacht. Jesus spricht sie an und sagt ihr auf den Kopf zu, was sie am liebsten sogar vor sich selbst verheimlicht hätte. Sie lässt es sich sagen. Ihre Sehnsucht wandelt sich in Erfahrung. Ein Liedtext singt: „Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu seh’n, dir nah zu sein. Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie du nur sie gibst. Dass du Gott, das Sehnen, den Durst stillst, bitten wir. Wir hoffen auf dich, sei da, sei uns nahe Gott!“

Suse Best

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Pfarrerin der Evangelischen

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