AdUnit Billboard
Geistliches Wort

Schöne Schuhe und Gedanken

Lesedauer: 

Letzte Woche war ich seit längerem Mal wieder im Café Lauri. Dort gibt es nicht nur eine sensationelle Kaffeemaschine, sondern auch einen sensationellen Barista: Was der auf den – oder besser gesagt – in den Milchschaum zaubern kann – ich bin gleich dahingeschmolzen. Espresso, Milch, Temperatur und dann der richtige Dreh im Handgelenk – fertig ist ein kleines Kunstwerk. Was für ein schönes Zusammenspiel.

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

Zu Hause wartet ein Päckchen mit schönen neuen Schuhe. Ich brauche sie natürlich nicht. Aber irgendwie schon. Trotz Inflation. Und obwohl es vernünftig wäre, zu sparen. Jetzt, wo kaum noch jemand verschweigen kann, dass dürre Jahre bevorstehen. Ich brauche sie. Nicht nur, weil sie zu meinem neuen Kleid gut passen, sondern einfach, weil sie schön sind. Ich brauche Schönes.

Am 3. Juni habe ich in der Süddeutschen Zeitung die Geschichte von Denis und seinen beiden Freunden gelesen. Alle drei haben sich kurz vor ihrem 18. Geburtstag entschieden, nicht in der Ukraine zu bleiben. „Wer Denis und seine Freunde in diesem Frühsommer ein paar Wochen begleitet,“ schreibt der Journalist Jan Stremmel, „versteht, dass Mut für den Einzelnen auch anders aussehen kann, als zur Waffe zu greifen.“ Sie wollen nicht kämpfen und womöglich sterben, sondern leben und frei sein. Ob es die richtige Entscheidung war, wissen sie im Moment noch nicht. Aber sie ist mutig. Und schön.

Mehr zum Thema

Schuldenbremse

Zinslasten steigen stark: Lindner will Projekte priorisieren

Veröffentlicht
Von
dpa
Mehr erfahren
G7-Gipfel

Bidens Lobeshymne auf Scholz

Veröffentlicht
Von
Christian Kerl
Mehr erfahren

Wir brauchen Schönes zum Leben: den Gedanken, dass Kranke Trost erfahren, die Geschichte vom barmherzigen Samariter, die Blume, die zart und sanft im Wind weht, den kleinen Jungen, der sich an seinem Eis freut. Was für ein Glück, dass die Bibel eine ganze Reihe schöner Gedanken hervorgebracht hat: Der, der uns jüngst an Pfingsten wieder ins Gedächtnis gerufen wurde, ist ebenso schön wie zur Zeit auch unpopulär: „Es soll nicht durch Heer oder Kraft geschehen, sondern durch meinen Geist, spricht der Herr Zebaoth.“ (Sacharja 4,6). Grob geschätzt dürfte dieser Satz 2500 Jahre alt sein. Schön ist er.

„Und Gott sah an alles, was er geschaffen hatte und siehe, es war sehr gut.“ (1.Mose 1,31) Noch so ein schöner Satz. Den haben wir im Rücken, da kommen wir her. Und darauf gehen wir zu. Dazwischen gibt es schöne Schuhe, einen sensationellen Barista, Krieg, Corona, Inflation und vieles andere. Manches verstörend gleichzeitig, manches berührend und manches beängstigend.

Die Suche nach dem X, so nennt Ronja von Wurmb-Seibel, Autorin des Buches „Wie wir die Welt sehen. Was negative Nachrichten mit unserem Denken machen und wie wir uns davon befreien.“ (zweite Auflage, erschienen 2022 im Kösel-Verlag), das, was mich an der Schönheit beschäftigt: Wir brauchen Geschichten, die Mut machen. Schönes, das wirken darf – auch wenn gleichzeitig Schreckliches geschieht. Ich denke dabei nicht an eine rosarote Brille – Gott bewahre – aber an Geschichten, die uns helfen, bei den bedrückenden und düsteren Nachrichten nicht stehenzubleiben und uns der Welt und dem Schrecklichen nicht gänzlich zu verschließen. Ob es der Barista ist, der leidenschaftlich Blumen in den Milchschaum zaubert, die schönen Schuhe, oder die mutigen Teenager aus der Ukraine: Die Geschichten gibt es. Wir müssen sie nicht erfinden. Es lohnt sich, sie zu suchen. In der Bibel. Im Alltag. Überall.

Maibritt Gustrau, Pfarrerin der Evangelischen ChristusFriedenGemeinde

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1