Südzucker - Unternehmen setzt sich für Artenvielfalt ein / Felder sollen der Nachhaltigkeit dienen Rübenfeld mit bunten Blühstreifen

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Dieter Leder
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Eine Besuchergruppe auf dem landwirtschaftlichen Versuchsgut von Südzucker in Kirschgartshausen. Im Hintergrund ist der Blühstreifen zu sehen. © Leder

Vor der Hauptverwaltung der Südzucker AG in der Maximilianstraße in der Oststadt blüht es. Nicht zufällig, sondern ganz bewusst: Es ist ein angelegter Blühstreifen, der mit seiner Artenvielfalt nicht nur das Landschaftsbild bereichert und dem Insektenschutz dient. Auf einer Radtour, die das Unternehmen für interessierte Bürger anbietet, erfahren die Teilnehmer, wie Nachhaltigkeit bei der Südzucker AG funktioniert. Ein Abstecher auf den Acker in Kirschgartshausen bietet einen Blick hinter die Kulissen. Es geht der Südzucker AG um Unkrautbekämpfung, Digitalisierung und Biodiversität. Ein Ausdruck der Innovation und der Nachhaltigkeit im Zuckerrübenanbau, dem Hauptgeschäftsfeld von Südzucker. Der Blühstreifen vor der Geschäftsstelle soll auch zeigen, was Südzucker im Norden von Mannheim zwischen Sandhofen und Lampertheim vor hat.

Südzucker und seine Versuchsanstalt

  • Die Staatsdomäne Kirschgartshausen ist 317 Hektar groß.
  • Seit 1862 pachtet Südzucker das Gebiet vom Land Baden-Württemberg. Seither dient es als Versuchanstalt im Zuckerrübenanbau.
  • Parzellenversuche, Unkrautbekämpfung und Biodiversität sind die Hauptthemen der Versuchsanstalt, die im Norden von Mannheim liegt.
  • Südzucker ist nach eigener Beschreibung eine international agierende Unternehmensgruppe, die in den Bereichen Zucker, Spezialitäten und Früchten agiert. CropEnergies gehört ebenfalls zum Konzern und ist führender Hersteller von Bioethanol in der Europäischen Union.
  • Im Zuckerbereich betreibt die Gruppe derzeit 29 Zuckerfabriken und zwei Raffinerien in Europa.
  • Laut Homepage beschäftigt das Unternehmen 19 200 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 6,8 Milliarden Euro.
  • Pro Jahr werden etwa 4,7 Millionen Tonnen Zucker produziert.

„Da ist Leben drin“

Südzucker-Versuchsacker in Kirschgartshausen Ein Rübenfeld mit bunten Blühstreifen

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Dort betreibt das Unternehmen ein Versuchsfeld, und zwar bereits seit 157 Jahren: Seit 1862 existiert die Südzucker-Versuchsanstalt auf dem Hofgut Kirschgartshausen. Und auch dort blüht es. „Wir wollen die Nützlinge ins Feld bringen“, fasst Peter Risser die Ziele zusammen. Der Leiter der Versuchsanstalt Kirschgartshausen spricht von der „Strahlkraft der Fläche“, die im krassen Gegensatz zu der Monokultur des Zuckerrübenanbaus stehe.

Zuckerrüben soweit das Auge reicht. Es könnte ein Feld irgendwo in Europa sein, doch in Kirschgartshausen sieht es anders aus: Zwischen tausenden gleich aussehenden Zuckerrüben blüht es. Und es bewegt sich etwas. „Es summt ganz kräftig, da ist Leben drin“, sagt Risser. Hier stehen nicht nur grünblättrige Zuckerrüben in Reih und Glied, dazwischen gedeihen bunte Blumen. Vor dem ehemaligen Hofgut befindet sich ein öffentlich zugängliches Versuchsfeld, in dem die Anbaufolge eines Zuckerrübenfeldes simuliert wird, gleich daneben werden auch die diversen Schädlingsbekämpfungsmöglichkeiten im Zuckerrübenanbau getestet, und in einem weiteren Feld wird die Biodiversität angepflanzt.

Hier wird getestet, welche Blühpflanzen sich am besten in einem Zuckerrübenfeld entwickeln und den besten Nutzen für Zuckerrüben und Bauern erbringen. „Was Südzucker macht, ist Forschung, wie Biodiversität und Anbau gesteigert werden können“, sagt Georg Vierling. Er leitet den Geschäftsbereich Zucker und Rüben. Zu seiner Aufgabe gehört es, seinen Zuckerrübenbauern kostenlose Saatgutmischungen zur Verfügung zu stellen. „Wir sind überrascht von den positiven Ergebnissen“, wie er sagt.

Expertin prüft Tierbestand

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Von ganz anderen positiven Ergebnissen dieser Blühstreifen spricht Sonja Pfister, die die ökologischen Begleituntersuchungen und Aufwertungsmaßnahmen von Südzucker in Kirschgartshausen für das Institut für Agrarökologie und Biodiversität wissenschaftlich begleitet. „Vögel, so viele habe ich noch nicht gesehen“, schwärmt sie. Dabei sind Vögel nur ein Teil des Monitorings – der Biologin entgeht nichts. Dafür hat sie Insektenfallen im Feld aufgestellt. Sie beobachtet Hasen, Vögel, Rehe und Wildschweine und wirbellose Insekten ebenfalls. „Wir können viele positive Effekte beobachten“, so die Expertin.

Doch noch passt nicht alles zusammen: „Wir müssen noch viel lernen.“ Die Aussaat der Saatgutmischungen müsse noch optimiert werden, denn die Vögel brüten schon, während die Blühstreifen noch nicht blühen. Auch der Winter rückt in den Focus und damit die Frage, wie es dann weitergeht. „Wichtig ist, das Blühfeld stehenzulassen wegen der Samen. Gerade im Winter wird es damit sehr attraktiv bleiben.“ Das ist nur eine von vielen Erkenntnissen.

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Die Biologin beobachtet Tiere, Südzucker hat Nachhaltigkeit und Ertrag im Blick. Das Ergebnis interessiert auch bei der Radtour teilnehmende Kommunalpolitiker. „Mannheim ist nicht nur Industriestadt, sondern auch Agrarstadt“, stellt Stadtrat Thomas Hornung (CDU) fest. „Das muss in das Bewusstsein der Menschen zurück.“ Er spricht von Landwirtschaft und Naherholung und der Möglichkeit, Mannheim mit regionalen Produkten zu versorgen: „Dieser Zucker ist noch nicht um die halbe Welt geflogen.“ Biologin Sonja Pfister freut sich: „Wir sind gespannt auf die Ergebnisse des Monitorings von 2017 und 2018.“ Und Risser will wissen: „Wie viel können wir uns davon leisten, wie viel ist sinnvoll.“ Einige Ergebnisse sind in Kirschgartshausen zu beobachten – live, mitten in der Natur.

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