„Erkennen Sie Mannheim?“ – Auflösung Folge 179 - Gesucht waren die Hoepfner Stuben in S4, 17-22 Rouladen, Torten und Proteste

Von 
Roger Scholl
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Die Hoepfner Stuben in S4, 17-22 in einer historischen Aufnahme aus den 1960er Jahren (oben). Die gleiche Lokalität sieht heute noch ganz ähnlich aus (unten). © Marchivum/Thomas Tröster

Dass unsere historische Aufnahme aus den 1960er Jahren gerade jetzt, da Kneipen, Restaurants und Bars geschlossen bleiben und man allenfalls seinen Sauerbraten „to go“ bestellen kann, Sehnsüchte und Erinnerungen weckt, hatten wir uns schon gedacht. Dass freilich die Resonanz so riesig ist wie bei der Rätselfrage 179, hat uns dann doch erstaunt. Aber schließlich waren die Hoepfner Stuben in S4,17-22 gesucht – und die gehörten offenbar zu den viel frequentierten Lokalitäten der Innenstadt. Hier wurden Feste gefeiert, bei denen schon mal eine Torte abhanden kam, hier lud der Chef die Belegschaft ein, selbst wenn sich Teile davon nicht an unausgesprochene Regeln hielten – und es konnte sogar vorkommen, dass an sich schöne Feierlichkeiten plötzlich in Proteste umschlugen. Das jedenfalls haben wir von unseren Lesern gelernt – aber am besten, Sie lassen sich selbst, wie wir, überraschen.

Gewinner Folge 179

Der „Mannheimer Morgen“ und das Marchivum arbeiten bei der Serie „Erkennen Sie Mannheim?“ Hand in Hand.

In jeder Serienfolge werden unter den richtigen Einsendungen Bildbände, DVDs oder historische Schriften und Bücher vom Marchivum verlost.

Bei der Folge 179 unserer Rätsel-Serie haben gewonnen: Andreas Spether, Helmut Haas und Gabriele R. Sommer.

Folge 180 unserer Rätsel-Serie „Erkennen Sie Mannheim?“ erscheint am Mittwoch, 3. März.

Gut eine Woche später, am Donnerstag, 11. März, werden dann die Auflösung und die Gewinner veröffentlicht. scho

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Tja, wo anfangen bei der Fülle guter Geschichten? Vielleicht beim Wichtigsten im Leben – der Liebe: Marliese Palme beispielsweise erinnert sich gerne an die Örtlichkeit, schließlich „gab es da einen großen Tanzsaal“, wie sie uns schreibt, und „in dem war ich mit meinem jetzigen Mann das erste Mal tanzen“. Kennengelernt habe man sich „bei der damals sehr bekannten Heiratsvermittlerin Marianne Kunze“, die dort ihre Tanzveranstaltungen zum „Beschnuppern“ für die neuen Pärchen abgehalten habe. Mit Erfolg, wie man lesen darf: „Bei uns hat’s geklappt, wir haben dann am 27.05.1977 im Marktplatz-Standesamt geheiratet.“ Monika Weiss kann ähnlich Schönes berichten: „Am Anfang der Filmfestspiele Ende der 80er fand nach den Filmen immer eine Podiumsdiskussion im Saal der Hoepfner Stuben statt. Es war ein geselliges Beisammensein. Dort hat meine Freundin ihren späteren Mann kennengelernt.“

Bestellt – oder nur geguckt?

Liebe geht ja bekanntermaßen auch durch den Magen, das allerdings nur, wenn man tatsächlich etwas isst. Soweit ist Klaus Hinkel als kleiner Bub nie gekommen, jedenfalls nicht in S4,17-22: Dort hat er auf dem Schulweg häufig die draußen aufgehängte Speisekarte studiert – „und mir ist anlässlich des einschlägigen Angebotes das Wasser im Munde zusammengelaufen“.

Genauso ging es Andreas Spether, der hat allerdings tatsächlich bestellt, und zwar auf Kosten des Chefs. Er war damals Lehrling im Betrieb, und es gehörte zu den ungeschriebenen Gesetzen bei dieser Tafelrunde, dass man menü-technisch stets hinter der Wahl des Firmeninhabers zurückblieb. Nichts so Andreas und sein Mit-Stift Erwin: „Mir esse was Gscheits“, war die ebenso hungrige wie selbstbewusste Devise, und so orderten die Beiden „Rindsroulade, zuvor eine Rindfleischsuppe, und zum Nachtisch gab es drei Kugeln Eis“. Die Blicke der Abteilungsleiter seien dann eindeutig gewesen, erinnert sich Andreas Spether: „Der Griff in die Portokasse wäre vermutlich harmloser gewesen als der ’Regelverstoß’ beim gemeinsamen Mittagessen. Etwas beruhigender war aber das Schmunzeln unseres Chefs, der sich offensichtlich über uns amüsierte und uns nach dem Essen ausdrücklich fragte, ob es ’den Herren’ gut geschmeckt hat.“ Die Bestellung hat den beiden übrigens nicht geschadet: „Wir beide haben bis zum Rentenalter in dieser Firma gearbeitet.“

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Elmar Weigel weiß von einem ähnlichen gelagerten Regelverstoß zu berichten: „Gerne erinnere ich mich an die Abi-Feier 1963, die wir Schüler des WG (damals in R 2,2) gemeinsam mit den Lehrern in dem großen Saal der Hoepfner Stuben veranstalteten. Eine im Prinzip schöne Feier, die wir Schüler einer Klasse aus Protest allerdings vorzeitig verließen, da einer unserer Mitschüler unserer Meinung nach ungerechtfertigter Weise das Abi nicht bestanden hat.“ Und so sei man, folgert Weigel, „Vorreiter der späteren Studentenproteste“ gewesen.

Bei Elmar Fiederlein kamen die Proteste mutmaßlich von anderer Seite: „1978 fiel mir eine wunderschöne Schwarzwälder Kirschtorte beim Ausladen aus dem Pkw auf die Straße. Da war es vorbei mit der im Lokal geplanten Geburtstagsfeier bzw. dem leckeren und süßen Genuss der Torte“, schreibt er. Seither trägt seine Frau übrigens jeden Kuchen selbst. . .

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Info: Alle Teile morgenweb.de/erkennen-sie-mannheim

Redaktion Lokalredaktion, Koordinator Stadtteilseiten