Bildung - Mutiertes Virus durchkreuzt Öffnungspläne der Landesregierung für Kitas und Grundschulen Rektorinnen in Mannheim zufrieden mit Fern-Unterricht

Von 
Bertram Bähr
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Viele Klassenzimmer werden vermutlich auch am Montag und in den Tagen danach leer bleiben. © dpa

Hin- und hergerissen: Das ist die aktuelle Stimmungslage bei den Rektorinnen in Mannheim. Grundschulen für den Präsenzunterricht öffnen – weil die Kinder den Kontakt untereinander und zu den Lehrkräften brauchen und ersehnen? Oder weiter mit dem Fernlernen, aus Angst vor dem heimtückischen Virus?

Entscheidung vertagt

Eigentlich hätte es eine Formsache sein sollen: Am Mittwoch wollten Ministerpräsident Kretschmann (Grüne) und Kultusministerin Eisenmann (CDU) die schrittweise Öffnung von Grundschulen und Kitas ab 1. Februar bekanntgeben.

Kretschmann hatte das schon tags zuvor in Aussicht gestellt – mit einer Einschränkung. Sollte sich eine neue, aggressivere Virusvariante verbreiten, gebe es eine neue Lage.

Genau die ist am Mittwoch eingetreten. In einer Freiburger Kita hätten sich zwei Kinder mit einem mutierten Virus infiziert. Kretschmann sagte nicht definitiv, dass die Öffnung am Montag damit hinfällig sei. Die Entscheidung sei zunächst vertagt. bhr

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Zu entscheiden haben das die Betroffenen ohnehin nicht – das ist Sache der Landesregierung. Und die musste am Mittwoch ihre Ankündigung vom Vortag kassieren, dass man wohl die Grundschulen und Kitas ab 1. Februar schrittweise öffnen könne. Grund: Unter anderem in einer Freiburger Kita ist eine aggressive Corona-Mutante aufgetaucht, wie sie seit Wochen auch ganz Großbritannien in Schach hält.

Die Planungen für einen geteilten Unterricht in den ersten und zweiten Klassen ab Montag seien bereits angelaufen, berichtet Johannes-Kepler-Rektorin Angela Speicher, zugleich geschäftsführende Leiterin der Mannheimer Grundschulen. Der Ansatz, mit den unteren Klassen und halber Besetzung zu beginnen, „hat mir total eingeleuchtet, ich hätte mich gerne darauf eingelassen“.

Dennoch kann Angela Speicher gar nicht so genau beantworten, ob sie auf Präsenzunterricht gehofft habe. Eigentlich „wäre es zu kurzfristig gewesen“, findet sie. Und angesichts der Bedrohung durch das Virus ist sie im Grunde „froh, wenn wir erst einmal so weitermachen wie bisher“. Denn so wichtig der Präsenzunterricht auch sei: Das Fernlernen laufe inzwischen eigentlich ganz gut – und deutlich besser als noch im vergangenen Frühjahr.

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Die Keplerschule in K 5 hat ein Materialzimmer eingerichtet, die Eltern holen die Unterlagen für die jeweilige Woche montags – aufgeteilt in verschiedene Zeitfenster – ab. Wenn Eltern das versäumen würden, könnte man das leicht feststellen und nachhaken. Aber das sei bisher noch nicht vorgekommen.

Notbetreuung läuft parallel

Unter der Woche bearbeiten die Kinder zuhause – oder in der Notbetreuung – die Aufgaben. Die Klassenlehrerinnen laden ergänzend zu Videokonferenzen ein, um Aufgaben zu besprechen und Rückmeldung zu geben. „Damit erreichen wir zwar nicht alle, aber sehr viele“, berichtet Speicher. Wem technische Voraussetzungen fehlten, den rufe man an.

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Eine Herausforderung sei es aber, Notbetreuung und Fernlernen unter einen Hut zu bringen. An der Keplerschule klappe das ganz gut, mit derzeit 21 Kindern sei die Aufgabe überschaubar. Aber an anderen Schulen nutzten deutlich mehr die Notbetreuung. An der Vogelstangschule zum Beispiel sind es fast 80, so Rektorin Martina Schmidt. Aber gemessen an der Gesamtzahl der Schüler sei das auch nur ein Fünftel – und man komme mit dem Personal gut hin. Außerdem seien die Eltern „sehr vernünftig und besonnen“. Die Organisation des Fernlernunterrichts läuft auf der Vogelstang ähnlich gut ab wie in der Innenstadt. Und mit den Eltern sei man ständig im Gespräch, was gut gelaufen ist und wo es Nachbesserungsbedarf gibt.

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Dass es erst einmal so weitergeht: Das kann Martina Schmidt akzeptieren. Für sie wäre es schlimmer, jetzt zu öffnen, „und nach vier Wochen merken wir, dass dadurch die Infektionszahlen wieder hochgehen“. Als Pädagogin allerdings sehe sie, wie sehr den Kindern der direkte Kontakt fehle. „Aber wir sind in einer Krisenzeit“, da brauche es eben „außergewöhnliche Maßnahmen“.

Nach dem Auftauchen der Virus-Mutante in Freiburg rechnet Thorsten Papendick damit, dass Schulen und Kitas „frühestens nach den Fasnachtsferien öffnen werden“. Damit kann der Vorsitzende des Mannheimer Gesamtelternbeirats leben. Aber ein „wirklich ganz schlechtes Gefühl“ hat er bei den Abschlussklassen. Durch die fehlende Präsenz gehe viel Unterrichtsstoff verloren. „Und ich sehe nirgendwo irgendwelche Aktivitäten, um für diese Schüler Nachhilfe anzubieten.“

Monika Stein, die Chefin der Bildungsgewerkschaft GEW, sieht in der vertagten Öffnung eine Chance – um „gute Konzepte für Wechselunterricht und einen besseren Schutz in Kitas und Schulen“ vorzubereiten. Sie meint: „Angesichts der schwer einzuschätzenden Gefahr durch Virusmutationen sollten Kitas und Schulen frühestens nach der Fasnetpause am 22. Februar öffnen.“

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