Sandhofen - Stadt weiß nichts über Nutzung und Zukunft der einzigen noch von der US-Armee genutzten Fläche in Mannheim / Großes Lager von Panzern für Einsatz in Osteuropa Rätsel rund um die Coleman-Barracks

Von 
Peter W. Ragge
Lesedauer: 
US-Panzer in Wüstentarnfarbe auf Coleman, fotografiert 2015 © Markus Proßwitz

Mannheim. Keiner weiß etwas Genaues. Um ihre letzte Präsenz in Mannheim, die Coleman-Barracks in Sandhofen, machen die Amerikaner ein Geheimnis. Nicht einmal im Rathaus ist bekannt, was genau dort passiert, wie ein Sprecher von Oberbürgermeister Peter Kurz einräumt.

AdUnit urban-intext1

Viele Jahrzehnte war Mannheim eine der wichtigsten Garnisonen der Amerikaner in Europa mit über 20 000 Soldaten sowie dazu zahlreichen, auch deutschen, Zivilangestellten. Der Kontakt zur Stadtverwaltung war eng. Bis zu einer halben Milliarde D-Mark flossen jährlich in die Wirtschaft der Region, bis 2011 der Abzug begann.

Die Amerikaner kündigten an, alle Kasernen zu räumen. Nach und nach leerten sich die Flächen und Wohnblocks. Eine Ausnahme bildeten die Coleman Barracks. Die wollten die Amerikaner zwar ebenso freigeben – buchstäblich wenige Tage vor der geplanten Übergabe im Januar 2015 – und damit kurz nach der Ukraine-Krise – blieb die US-Army doch und ordnete das 220 Hektar große Areal der Garnison Rheinland-Pfalz zu. Die Armee reagierte allerdings auf eine „MM“-Anfrage nicht.

Der Stadt ist nicht bekannt, wie viel und welches Gerät dort lagert. Auch über die Anzahl der Zivilbeschäftigten weiß man nichts. „Nach unserer Kenntnis sind dort keine Angehörigen der Streitkräfte tätig“, heißt es zumindest im Rathaus. Wie lange die US Army das Gelände noch nutzt, hat sie bisher nicht kommuniziert. 2015 war von einer „Zwischenlösung“ die Rede, „bis wir geeignete Einrichtungen mit unseren östlichen Nato-Partnern gefunden haben“, so die US Army. 2017 wurde es plötzlich ein dauerhafter, „strategischer Standort“. Bei der Stadt heißt es: „Ursprünglich war die Verlängerung mit der Rückführung von Material nach Europa und Aufbereitung begründet worden, was nach wenigen Jahren abgeschlossen wäre“, so der Sprecher der Stadt. Seither habe es keine neue Aussage gegeben. Alle Planungen zur Konversion ruhen aber derzeit.

AdUnit urban-intext2

„MM“-Informationen vom Jahresbeginn zufolge lagern hier 1000 Lastwagen, dazu 250 M1-Abrams-Kampfpanzer, M2-Bradley-Schützenpanzer, Haubitzen und Räumpanzer. Sie werden in Sandhofen von bis zu 500 Beschäftigten gewartet, ab und zu getestet und bewegt. Es gibt einen direkten Bahnanschluss mit 5,5 Kilometer Gleisen auf Coleman. Ob auch Munition dort bereitgehalten wird, ist nicht bekannt – angeblich nicht.

Gefängnis geschlossen

Das Gerät soll amerikanischen Kampfbrigaden dienen, die im Ernstfall von Amerika per Luftbrücke nach Ramstein geflogen und dann hier für den Kampf in Osteuropa ausgerüstet würden. „European Activity Set“ nennt sich das – die Antwort der Amerikaner auf den Krim-Krieg. Teilweise handelt es sich um Material, das in anderen Teilen der Welt im Einsatz war und dann hierher kam – weshalb viele Fahrzeuge anfangs helle Wüstentarnfarbe trugen und nicht die übliche mitteleuropäische grün-braune Farbe.

AdUnit urban-intext3

Im Frühjahr waren auf Coleman zeitweise auch bis zu 80 Soldaten der Bundeswehr tätig, um die Verladung des US-Materials für das große Manöver „Defender Europe 2020“ vorzubereiten, doch das Manöver fand wegen Corona dann nicht so umfangreich wie geplant statt.

AdUnit urban-intext4

Nicht mehr in Betrieb sind indes der alte Wehrmachtsflugplatz, den die Amerikaner schon gleich nach dem Krieg, ab 31. März, übernommen und zur größten Hubschrauberwerft außerhalb der USA mit riesigem Tanklager ausgebaut haben. Auch das einzige Militärgefängnis der Army in Europa gab es hier. Es steht seit 2015 leer.

Redaktion Chefreporter