Kriminalität - Obwohl Zahlen noch nicht veröffentlicht wurden, ist die Straßenkriminalität angeblich in der City deutlich angestiegen Polizeistatistik löst Ärger aus

Von 
Anke Philipp
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Wer weiß was? Angeblich ist in der Innenstadt die Straßenkriminalität im Vergleich zu anderen Stadtteilen extrem angestiegen.

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Hält die Landesregierung die polizeiliche Kriminalitätsstatistik 2015 bewusst bis nach der Landtagswahl zurück? Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist jedenfalls bekannt. Die Verkehrsunfallstatistik bereits veröffentlicht. Einzig die Frage, wie sich die Kriminalität entwickelt hat, ist noch offen. Jetzt wurden dennoch Zahlen für Mannheim und seine rund 311 000 Einwohner bekannt - ein Aufreger, der gestern Wellen schlug.

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Es war diese Woche im Sicherheitsausschuss des Gemeinderates: In der Sitzung war von einem deutlichen Anstieg der Straßenkriminalität im vergangenen Jahr um 12,7 Prozent, 1000 Fällen mehr und einer 17-fach höheren Belastung der Innenstadt bei den Delikten gegenüber anderen Stadtteilen die Rede. Die Videoüberwachung soll in den Quadraten (wie berichtet) wieder eingeführt werden. Da müssen entsprechende Zahlen nachgewiesen werden. Auf Nachfragen der verwunderten Gemeinderäte wollte die Polizei aber nicht viel mehr sagen: Schließlich müsse man damit abwarten, bis zur Landespressekonferenz des Innenministeriums, stellte Roswitha Götzmann, Sprecherin des Präsidiums gestern klar. Meist lägen die Zahlen bereits Ende Februar, Anfang März vor. "Doch dieses Jahr ist das leider anders", bedauerte sie.

"So was habe ich jedenfalls noch nicht erlebt", sagte FDP-Stadtrat Volker Beisel. Die Stadtspitze habe über einen schweren Eingriff in die Grundrechte (Videoüberwachung) diskutieren wollen und sich dabei auf die neuesten Daten zur Kriminalität berufen. Doch diese Zahlen seien ja noch gar nicht veröffentlicht. "Wie kann man, ohne die Hintergründe zu kennen, eine Meinung abgeben", ärgert er sich. Noch dazu werde in der Info-Vorlage der Kommune behauptet, die Kriminalitätszahlen in Mannheim seien in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Beisel: "Davon haben wir so noch nichts gehört".

"Ein durchsichtiges Manöver"

"Die aktuellen Zahlen liegen vor, aber werden nicht veröffentlicht", ärgert sich Thomas Blenke, innenpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion: Demnach sei die Zahl der Straftaten im Land um vier Prozent, im Bereich des Mannheimer Polizeipräsidiums um 8,6 Prozent gegenüber 2014 angestiegen (im Bereich Raub um 17, bei Körperverletzung und Diebstahl um neun, bei Taschendiebstählen um 40 Prozent). Auch die Aufklärungsquote ist laut Blenke gestiegen - um zehn Prozent. Dies nicht zu veröffentlichen und bewusst zu verschweigen, nennt Blenke "ein durchsichtiges Manöver" so kurz vor der Wahl. Das habe es noch nie gegeben. Im Innenministerium weist man die Vorwürfe zurück: Der 200 Seiten umfassende Bericht sei noch nicht erstellt, heißt es auf Anfrage. Ende März sollen die Zahlen dann vorliegen. Bis dahin müsse alles genau analysiert und bewertet werden. "Das braucht Zeit", so die Sprecherin von Innenminister Reinhold Gall (SPD). Und: "Alles andere wäre unseriös".

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Die Stadt wollte gestern zu den Vorgängen nichts sagen, bestätigte aber, dass gemeinsam mit der Polizei Videokameras in der Innenstadt wieder eingeführt würden. Daran habe sich auch nach der Ausschusssitzung nichts geändert.

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Redaktion Mitglied der Lokalredation, seit 1991 zuständig für den Bereich Mannheim-Mitte mit den Stadtteilen Innenstadt, Jungbusch, Neckarstadt-West und-Ost, Schwetzingerstadt, Oststadt, Neuostheim und Neuhermsheim.