Sicherheit - Kampagne soll für Trick-Anrufe sensibilisieren / Impfzentren als Schlüsselorte / Häufig Corona-Erkrankung als Vorwand Plakate warnen vor Betrügern

Von 
Anika Pfisterer
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„Wissen Sie wirklich WER dran ist?“ In den Warteräumen der Impfzentren in der Region werden Plakate Besucherinnen und Besucher mit genau dieser Frage konfrontieren. Sie soll auf eine neue Betrugsmasche am Telefon aufmerksam machen.

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Das Leitmotiv des Enkeltricks gibt es seit mehr als 20 Jahren: Angebliche Angehörige gaukeln vor, in Not zu sein. Die Anliegen am Telefon aber wandeln sich. Mal sind es falsche Polizisten, dann wieder geht es um schwere Unfälle. Auch die Krise nutzen die Kriminellen auf kreative Art. Der Enkel in der Leitung ist neuerdings schwer an Covid-19 erkrankt. Oder aber es ist nicht der Enkel, sondern das Gesundheitsamt, das zu einem ungewöhnlich teuren Corona-Test auffordert.

Die Plakataktion soll über diese neuen Betrugsarten aufklären. Dahinter steht der Präventionsverein Sicherheit in Mannheim (SiMA), das Landeskriminalamt Baden-Württemberg, die Vereine Sicheres Heidelberg und Kriminalprävention Rhein-Neckar sowie das Polizeipräsidium Mannheim.

Laut einer Stadtsprecherin werden die Plakate aktuell aufgehängt. Die Impfzentren wurden bewusst als Orte ausgewählt. Über sie hofft man, einen Großteil der Zielgruppe der Betrüger zu erreichen: Senioren und Seniorinnen. „Außerdem machen wir dort auch Begleitpersonen, darunter häufig Angehörige, auf die Thematik aufmerksam“, so Sicherheitsdezernent Christian Specht. So könne für das Thema sensibilisiert und zum Gespräch anregt werden.

Mehr Fälle registriert

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Der Bedarf nach Aufklärung scheint groß: Auch Leserinnen und Leser betonten die Bedeutung der Präventionskampagne. Gleichzeitig äußerten sie gegenüber dem „MM“ den Wunsch, die Botschaft einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. So schlug ein Leser vor, die Plakate zum Beispiel auch in Banken und Sparkassen auszuhängen.

Seit Beginn der Corona-Pandemie stellt die Polizei steigende Fallzahlen beim sogenannten „Enkeltrick“ fest. „Vorfälle, wie ein falsches Corona-Impfteam, über das in den Medien bereits berichtet wurde, oder Betrugsmaschen im Zusammenhang mit der Covid-19-Impfung, bei denen Telefonbetrüger einer Seniorin einen Corona-Impfstoff angeboten hatten, sind im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidium Mannheims dieses Jahr bislang nicht bekannt geworden“, so eine Polizeisprecherin auf Anfrage. Über die genaue Anzahl der „Enkeltrick“-Fälle beim Polizeipräsidium Mannheim im vergangenen Jahr könne man noch keine Auskunft geben, da die Daten aus der Polizeilichen Kriminalstatistik für das Jahr 2020 noch nicht öffentlich seien.

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Polizeipräsident Andreas Stenger betonte, dass das perfide Vorgehen der Trickbetrüger dazu beitrage, dass Seniorinnen und Senioren darauf hineinfielen. Besonders wichtig sei deshalb, dass Betroffene sich umgehend bei der Polizei meldeten, wenn sie einen solchen Anruf erhielten: „Jede Information über die Vorgehensweise der Täter ist ein wichtiger Baustein in der Seniorensicherheit“, so Stenger. Anrufen mit unbekannter Nummer solle man grundsätzlich mit einer gewissen Skepsis begegnen, so die Empfehlung. Die Polizei oder andere Behörden fragten außerdem in keinem Fall am Telefon nach den finanziellen Verhältnissen. Auch solle man Geld oder Wertgegenstände nie an eine unbekannte Person herausgeben. Wer sich unsicher ist, ob er einen „Enkeltrick“-Anruf erhalten hat, oder wer bereits Opfer wurde, sollte dringend mit Familienangehörigen sprechen oder den Notruf 110 wählen.

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Darüber hinaus rät die Polizei bei Telefonbetrug, grundsätzlich misstrauisch zu sein, wenn sich Anrufer am Telefon nicht selbst mit Namen melden. Man sollte nicht raten, wer anruft, sondern den Anrufer selbst seinen Namen nennen lassen. Auch wenn das Anliegen am Telefon scheinbar drängt, sollte man sich die Zeit nehmen, um die Angaben zu überprüfen. Zur Kontrolle könne man die jeweilige Person auch unter einer lange bekannten Nummer kontaktieren.

Info: Weitere Informationen unter www.polizei-beratung.de 

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