Soziales - Caritasverband bietet vier jungen Sprachschülerinnen Ausbildung in Mannheim / Partnerschaft mit Sprachschule in der Großstadt Dà Nang Pflege mit Herz aus Vietnam

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Lisa Wazulin
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Von Vietnam nach Mannheim: Die Pflege-Azubis Be Bui (l.) und Hang Tran mit einem Bewohner im Pflegeheim Joseph-Bauer-Haus in Käfertal. © Lisa Wazulin

Mannheim. Wenn ihr das deutsche Wort einfach nicht einfallen will, hilft nur noch eins: Lächeln. Ihre Herzlichkeit strahlt sogar durch den Mund-Nasen-Schutz, den Hang Tran nun ständig tragen muss – hauptsächlich, um die Bewohner im Seniorenheim Joseph-Bauer-Haus in Käfertal zu schützen. „Deutsch ist sehr schwer zu lernen. Aber ich bitte die Leute, dann langsam zu sprechen“, sagt die Vietnamesin. Nicht nur die Maske ist neu im Leben der 31-Jährigen. Sondern auch die Sprache, Deutschland und die Ausbildung zur Pflegefachfrau, die sie aus dem vietnamesischen Hue, der einstigen Kaiserhauptstadt der Nguyen-Dynastie, hierher gebracht hat.

Partnerschaft mit Südostasien

  • Schüler der Sprachschule lernen vorab in Vietnam Deutsch. Die Schule schlägt mögliche Bewerber für die Ausbildung in Mannheim vor.
  • Offiziell haben am 1. April vier junge Vietnamesinnen ihre Ausbildung begonnen in den Pflegeeinrichtungen Joseph-Bauer-Haus (Käfertal),Pflegezentrum Maria-Frieden (Neckarstadt) und im Horst Schroff Senioren Pflege-Zentrum (Seckenheim). Im Oktober sollen sechs weitere Azubis folgen, die Partnerschaft dauerhaft bestehen.
  • Die Vietnamesinnen durchlaufen die neue generalistische Pflege-Ausbildung. Die ersetzt seit diesem Jahr das Vorgängermodell. Sämtliche Azubis werden demnach drei Jahre lang in allen drei Bereichen geschult und entscheiden sich erst später, für welches Einsatzfelder sie sich spezialisieren wollen.
  • Die praktische Ausbildung erfolgt in einer Pflege-Einrichtung des Caritasverbands sowie bei Partnern. Theorie findet in der Pflegefachschule Vinzenz von Paul-Schule am Theresienkrankenhaus statt.
  • Auch von der Bundesregierung gibt es solche Programme
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Bundesweit und auch in Mannheim herrscht noch immer ein großer Mangel an Pflegern und Pflegerinnen. Weil sich dagegen in südostasiatischen Ländern wie Vietnam viele junge Menschen nach einem besser bezahlten Job im Ausland sehnen, hat sich zwischen dem Mannheimer Caritasverband und einer Sprachschule in der Großstadt Dà Nang in Zentralvietnam eine besondere Partnerschaft gebildet.

Pflegeausbildung Büffeln in Vietnam für die Ausbildung in Mannheim

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Stefanie Paul, Caritas Mannheim
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In der Schule mit dem vielsagenden Namen Trung Tam Tieng Duc Dbc, was übersetzt „Deutsch bringt Chancen“ bedeutet, hat Tran Deutsch gelernt. Als eine von vier Frauen hat sich Tran mit ihrer Mitschülerin Be Bui für die Ausbildung zur Pflegerin in Mannheim beworben. Warum die jungen Vietnamesinnen ihr Heimatland samt Strand und Palmen gegen das trübe Deutschland eintauschen? „Ich will anderen Menschen Hoffnung geben. Und die duale Ausbildung finde ich toll. Dabei lerne ich nämlich nicht nur theoretisch, sondern auch praktische Dinge. In Vietnam gibt es wenig Altenheime, Großeltern werden zuhause gepflegt“, erklärt die 25-jährige Bui.

Respektvoll Älteren gegenüber

Schon vor ihrem Flug nach Deutschland haben Bui und Tran per E-Learning ihre Ausbildung an der Mannheimer Altenpflegeschule aus der Ferne gestartet. Denn beinahe hätte das internationale Reiseverbot wegen der Corona-Pandemie den Start der Ausbildung trotz gültigem Visa verhindert. „Wir haben bis zum Ende gebangt, ob alle wirklich in Frankfurt ankommen“, erinnert sich Stefanie Paul, Leiterin für Migration, Arbeit und Soziales beim Caritasverband. Sie berichtet von stornierten Flügen, stundenlangen Verhören der Azubis am Flughafen und einem Brief an die Landesregierung.

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„Obwohl Pfleger als systemrelevant eingestuft wurden und dadurch aus dem Ausland einreisen durften, galt das ausgerechnet für Auszubildende nicht“, erzählt Paul aufgebracht. Sie hat deshalb nichts unversucht gelassen – und Sozialminister Manfred Lucha mit einem Brief auf das Dilemma gestoßen. „Die Reaktion war toll, innerhalb einer Woche hatten wir eine Zusage aus dem Ministerium“, freut sich Paul, die zuvor zweimal selbst die Schule vor Ort besucht hat und die Azubis eng betreut.

Fast einen Monat später als geplant, nämlich Anfang Mai, ist es endlich geschafft: Die Vietnamesinnen sind in Mannheim angekommen. Wie sie sich bislang so schlagen? „Das mit dem Deutsch ist noch schwierig, auch weil viele Bewohner Dialekt sprechen“, sagt Heimleiter Bernd Nauwartat beim Besuch zwei Wochen später im Joseph-Bauer-Haus. Trotzdem findet er: Besonders die respektvolle Art, mit der die beiden mit den zum Teil Demenzkranken und Schwerhörigen umgehen, tut den Senioren und Seniorinnen sichtlich gut. „In anderen Ländern wird das Alter viel stärker geachtet. Das spüren auch unsere Bewohner. Sie haben Verständnis dafür, dass das Deutsch der Azubis noch nicht so super ist“, sagt Nauwartat. Er ist froh über die Neuzugänge aus Vietnam, denn aktuell sind nur elf von 18 Ausbildungsplätzen besetzt. Auch die Senioren wüssten, dass es nur wenige gebe, die sich für den Job begeisterten und ihn noch dazu meistern könnten. Woran das liegt? Oft, sagt der Heimleiter, mangele es an qualifizierten Bewerbern. Mancher Realschüler stoße schon bei lateinischen Namen der Medikamente an seine Grenzen. „Man muss sich täglich um bis zu 20 Bewohner kümmern und ist für ihr Leben verantwortlich“, sagt Nauwartat.

Ehrgeiz trotz Sprachbarriere

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Egal, ob Spritzen aufziehen, Tabletten dosieren oder hygienisches Arbeiten – für Tran und Bui gibt es in der dreijährigen Ausbildung also noch viel zu lernen. Warum die beiden Vietnamesinnen trotz Sprachbarriere und hohen Anforderungen Pflegerinnen werden wollen? „Ich habe schon meine Großeltern zuhause gepflegt und gemerkt, dass ich liebevoll mit alten Menschen umgehen kann“, sagt Hang Tran. Wenn alles gut läuft, will die 31-Jährige später ihren Sohn aus Vietnam nach Deutschland holen. „Ich vermisse ihn sehr“, sagt sie und schickt ein schüchternes Lächeln hinterher.

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Redaktion Lokalredaktion,Online-Koordinatorin. Schwerpunkte: Polizei, Hochschulen, Frauen,