Corona - Gesundheitstreffpunkt fehlen 28 000 Euro Budgetmittel Pandemie gefährdet Selbsthilfegruppen

Von 
Waltraud Kirsch-Mayer
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Selbsthilfegruppen sind aus dem medizinischen Versorgungssystem nicht mehr wegzudenken. Dennoch kämpft der Gesundheitstreffpunkt Mannheim als Kontakt- und Beratungsstelle für Menschen, die in schwieriger Lebenssituation den Erfahrungsaustausch suchen, mit einer Deckungslücke im Budget. Und das in einer Zeit, da Betroffeneninitiativen besonders auf Unterstützung angewiesen sind.

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„In der Selbsthilfe sind viele Ältere aktiv“, sagt Geschäftsführerin Bärbel Handlos und verweist auf chronische Erkrankungen, die sich nicht immer, aber häufig im fortgeschrittenen Alter entwickeln. Während des vergangenen Jahres habe sich gezeigt, dass viele der Gruppenmitglieder – insbesondere Senioren – mit digitalen Systemen nicht zurechtkämen. Eine vom Gesundheitstreffpunkt gestartete Befragung offenbarte, dass virtuelle Konferenzen kein Ersatz für Präsenztreffen sind. „Wir fürchten, dass einige Selbsthilfegruppen diese schwierige Zeit nicht überstehen werden“, so Handlos. Und dazu komme, dass sich nicht wenige Betroffene aus Angst vor einer Infektion kaum noch aus dem Haus wagten – was Einsamkeit und Depression begünstige.

Eigentlich sollte das Gesundheitstreff-Team alles daran setzen, während der Pandemie jene zu erreichen und zu stützen, die mit einer Krankheit, Behinderung oder nach einem Schicksalsschlag den Alltag bewältigen müssen. Die Einrichtung in der Neckarstädter Max-Joseph-Straße 1 ist aber seit Jahren unterfinanziert – obwohl der Gemeinderat bei den letzten Etatberatungen nach zehn Jahren gleichbleibender Zuschüsse zusätzlich 15 000 Euro gewährte. Gleichwohl klafft im Budget für 2021 eine Lücke von 28 000 Euro. Erstmals, so Handlos, ist der Anteil der städtischen Förderung knapp unter 30 Prozent gerutscht. „Uns rettet nur, dass wir durch die Schwangerschaft einer Kollegin nicht alle Stellen besetzt haben werden.“ Aber die von der Mitarbeiterin geleistete Arbeit bleibe ja.

Belastung durch mehr Ausgaben

Der erhöhte Zuschuss, so moniert die Koordinationsstelle, bilde weder gestiegene Kosten (für Gehälter und Miete) noch vermehrte Aufgaben wie der Ausbau des Regionalnetzwerks „Gesunde Stadt“ ab. Außerdem habe das Erarbeiten eines Hygienekonzepts personelle Kapazitäten gebunden und Ausgaben verursacht. Beispielsweise wurde in der Alphornstraße ein Raum für Treffen größerer Gruppen in den Wochen vor dem zweiten Lockdown angemietet. Geschäftsführerin Handlos findet es „schwierig, dass wir jedes Jahr rechnen müssen, wie viele Arbeitsstunden pro Woche wir uns bei unseren Angestellten leisten können“. Und wenn das Geld nicht reiche, gelte es, Beschäftigungsverhältnisse zu kürzen oder zusätzliche Projekte zu entwickeln, die Honorare bringen. Handlos’ Anliegen: „Die Finanzierung einer gesellschaftlichen Aufgabe auf solide Beine stellen.“

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