Justiz - Gerichtsmedizinerin sagt im Sektflaschen-Mordprozess vor dem Landgericht aus Opfer starb an massiven Kopfverletzungen

Von 
Martin Tangl
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Neckarstadt. Eingetrocknete Blutstropfen überall im Appartement des Opfers Gabriel V., sogar an der Decke der kleinen Wohnung in der Neckarstadt gab es Spritzer. Der Körper des Opfers lag mit zertrümmertem Kopf mitten im Zimmer in einer großen Blutlache. Das Tatwerkzeug war eine volle Sektflasche. Anhand dieser Spuren am Tatort, einem Wohnblock in der Laurentiusstraße, sowie der Obduktion des 35-jährigen Studenten hat die Gerichtsmedizinerin am Montagvormittag vor der Ersten Großen Strafkammer des Landgerichts den Verlauf der Ereignisse vom 13. Juli 2020 rekonstruiert. Sie spricht von einem „hochdynamischen Tatgeschehen“, der Täter habe dabei mehrfach in seinem Tun innegehalten. Die Todesursache laut ihres Gutachtens: Zertrümmerung des Schädels durch massive Gewalteinwirkung und hoher Blutverlust.

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Das Interesse ist groß an diesem dritten Tag im Sektflaschen-Mordprozess gegen den Angeklagten Husam A. Die durch Corona begrenzten Zuschauer-Plätze im Saal 1 des Landgerichts sind fast alle besetzt, als der Vorsitzende Gerd Rackwitz die Verhandlung eröffnet und der Iraker aus der Untersuchungshaft vorgeführt wird. Sachlich nüchtern schildert die Expertin der Rechts- und Verkehrsmedizin an der Universität Heidelberg die Ergebnisse ihrer Untersuchungen, die sowohl am Tatort als auch in ihrem Institut durchgeführt wurden.

„Schnell bewusstlos gewesen“

Am Ende der Zeugenaussage will Verteidiger Steffen Kling wissen, wann Gabriel V. an den wuchtigen Schlägen mit der Sektflasche gestorben ist und wann er das Bewusstsein verloren hat. Waren es Minuten, war es eine halbe Stunde? Genau kann das die Gerichtsmedizinerin nicht sagen, auch weil der Tote erst eine Woche später in seiner Wohnung aufgefunden wurde und die Verwesung des Körpers schon eingesetzt hatte (wir berichteten). „Aber Gabriel V. ist wohl relativ schnell bewusstlos gewesen“, lautet die Einschätzung der Fachärztin für Rechtsmedizin.

Ziemlich genau kann sie den Tathergang rekonstruieren. Das Opfer habe an seinem Schreibtisch gesessen, als ihn mit großer Wucht der erste Schlag mit der vollen Sektflasche traf. Dabei seien bereits die linke Schädeldecke an der Schläfe und die linke Augenhöhle zertrümmert worden, Abwehrverletzungen habe sie keine gefunden. Gabriel V. konnte sich noch erheben, sei „in aufrechter Körperhaltung“ durchs Zimmer getaumelt, immer wieder von den Schlägen mit der Flasche am Kopf getroffen – und schließlich zu Boden gegangen.

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Die Blutspritzer an der Decke des Appartements würden zeigen, dass der Täter mit der Flasche zum Schlag weit ausgeholt habe.

Als Indiz dafür, dass der Angeklagte den Tatvorgang über längere Zeit verzögert und dabei seine Position verändert habe, sieht die Expertin zwölf blutige Abdrücke des Sektflaschen-Bodens, die im Raum verteilt waren. Husam A. habe sein Tatwerkzeug immer wieder abgestellt, um das Leiden seines Opfers zu verlängern. Die Obduktion habe ergeben, dass Gabriel V. noch am Boden liegend mit dem Flaschenboden mehrfach massiv malträtiert wurde. Die Details lassen die Zuhörer im Saal erschaudern.

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