Offensive für die Neckarstadt

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Timo Schmidhuber
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Sie sprechen Menschen mit Problemen direkt an. Sie versuchen, ihnen gleich zu helfen oder sie an Hilfseinrichtungen weiterzuvermitteln. Streetworker sind ein wichtiger Teil der Sozialarbeit. Und auch ein erfolgreicher – zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls die Bilanz aus dem Rathaus zur Trinkerszene am Neumarkt in der Neckarstadt-West. Die Beschwerden der Bürger über die Trinker sind demnach deutlich weniger geworden, und so mancher Betroffene wurde in eine Therapie vermittelt. Diese Bilanz zeigt, wie wichtig es ist, das dortige Streetwork-Angebot fortzusetzen.

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Die Situation am Neumarkt ist eine besondere. Denn viele der Trinker dort sind keine Obdachlosen, sondern Menschen, die in Wohnungen in der direkten Nachbarschaft leben. Für sie ist der zentrale Stadtteilplatz eine Art vergrößertes Wohnzimmer. Unter diesen Umständen besteht für sie auch gar keine Notwendigkeit, in die jüngst eröffnete Aufenthaltseinrichtung für Trinker im Jungbusch zu gehen. Was allerdings nicht heißt, dass diese Einrichtung mit dem Namen „Café Anker“ nicht trotzdem dringend notwendig ist. Sie hat auch so genügend Besucher, allerdings sind das eben viele Obdachlose. Im Schnitt kommen 50 Männer und Frauen täglich, wie von den Betreibern zu hören ist. Wegen des Infektionsschutzes dürfen derzeit nur zehn – natürlich nur mit Masken – gleichzeitig in die Räume. Deshalb hat man im Hof zwei Pavillons aufgebaut.

Um die Situation am Neumarkt zu bewältigen, mag eine halbe Stelle aktuell vielleicht reichen – auch wenn jedem klar sein muss, dass in knapp 20 Stunden pro Woche nicht die Welt verändert werden kann. In der Neckarstadt-West gibt es aber viele Menschen mit Problemen. Neben Trinkern etwa auch Rauschgiftabhängige oder hilflose Zuwanderer aus Südosteuropa. Hier wäre deshalb ein größer angelegtes Streetwork-Konzept sinnvoll, mit mehr Personal und auch einer Regelfinanzierung, die nicht Jahr für Jahr verlängert werden muss. Dem Stadtteil und den Menschen würde das helfen.

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Redaktion Redakteur in der Mannheim-Redaktion