Caritas - Tagesstätte in D 6 bietet ab diesem Montag Wäscheservice an / Auch Körperhygiene wird ermöglicht Obdachlose erhalten mehr Hilfe

Von 
Waltraud Kirsch-Mayer
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Warteschlange vor dem Fenster der geschlossenen Caritas-Tagesstätte für Obdachlose in D 6,5: Dort wird ab sofort auch schmutzige Wäsche angenommen. © Thomas Tröster

Die Tagesstätte für Obdachlose im Quadrat D 6 bleibt vorerst geschlossen. Gleichwohl öffnet sich mit Beginn dieser Woche die Eingangstür – für Menschen ohne Wohnung, die keine Toiletten finden, sich nirgends Hände waschen oder Zähne putzen können. Außerdem erweitert die Caritas den morgendlichen „Fensterservice“ auf drei Stunden, um Essenspakete raus zu reichen, persönliche Post auszuhändigen oder kurze Beratungsgespräche zu führen. Zusätzlich werden ab sofort schmutzige Wäscheteile entgegengenommen.

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Den katholischen Wohlfahrtsverband treibt um, dass Männer wie Frauen, die auf der Straße leben, gerade in Zeiten von Corona wichtige Hygieneregeln nur schwer oder gar nicht einhalten können. „Wir haben deshalb nach pragmatischen Angeboten gesucht, die sich schnell umsetzen lassen“, betont Caritas-Chefin Regina Hertlein. Wie das Ganze abläuft, schildert Abteilungsleiterin Stefanie Paul: „Von unserem Team steht jemand vor der Tagesstätte und achtet auf Abstände in der Schlange – außerdem darauf, dass immer nur eine Person zum Toilettengang reingeht.“

Getrocknet und zusammengelegt

Weil seit Schließung des Treffs in D 6,5 wie auch der „ Oase“ für wohnsitzlose Frauen in H 5, 4 die dortigen Waschmaschinen unzugänglich sind, gibt es jetzt einen Wäschedienst. Dafür sind, wie Stefanie Paul erläutert, mit Trageschlaufen versehene alte Kopfkissenbezüge ausgegeben worden. „Unsere Leute können ihre Schmutzwäsche direkt vom Rucksack umfüllen.“ Die Stoffsäcke kommen samt textilem Inhalt erst in die Waschmaschine, danach in den Trockner. „Zurückgegeben wird die Kleidung zusammengelegt.“

Vor der Virus-Pandemie erfreuten sich Tickets für ein wohliges Wannenbad großer Beliebtheit. Das ehrenamtliche Caritas-Team musste diesen Service im Keller des Herschelbades allerdings einstellen, als das Jugendstilbad wegen Corona komplett dichtmachte. Paul: „Wir haben aber inzwischen erreicht, dass wenigstens einmal pro Woche geduscht werden kann.“

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Derzeit übernehmen Aufsicht samt Reinigung nach jedem Brausedurchgang hauptamtliche Caritas-Mitarbeiter – denn viele Ehrenamtliche des seit Jahren engagierten „Wannenbad-Teams“ sind in einem Alter jenseits der Sechzig, ja Siebzig. Angesichts der momentan schwierigen Lage bekommen Bad-Besucher zu Seife und Handtuch frische Unterwäsche samt Socken hingelegt. Um die 20, manchmal auch mehr wohnsitzlose Menschen (überwiegend Männer) nutzen an den Donnerstagen zwischen 10.30 und 14.30 Uhr die Möglichkeit intensiver Körperhygiene. Damit niemand abgewiesen werden muss, ist von zeitintensiven Wannenbädern auf Duschen umgestellt worden.

Verband koordiniert Ideen

„Überwältigt“ zeigt sich Stefanie Paul von der Bereitschaft vieler Mannheimer, etwas für jene zu tun, die es in der Virus-Krise besonders schwer haben. Die Caritas bietet Rat, um Ideen zu koordinieren – „damit gut gemeinte Hilfe nicht an Bedürfnissen vorbeigeht“, so Stefanie Paul. Das Team der D 6-Tagesstäte ist telefonisch (0621/17 83 742) erreichbar.

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Vorsorgemaßnahmen hat die Stadt (wie berichtet) für Obdachlose ergriffen. So hält sie ein Objekt für eventuell gebotene Isolierungen vor. Auf Anfrage erklärt der Fachbereich Soziales: „Nach unserer Kenntnis gibt es bislang keinen Covid-19-Fall im Personenkreis der Obdachlosen.“ Und wie sieht es mit Übernachtungsmöglichkeiten aus? Zehn bis elf Personen, teilt die Stadt mit, suchen abends das Haus im Industriehafen mit derzeit 19 Zimmern auf. Dass die Übernachtungsstelle Bonadiesstraße eher spärlich belegt ist, dürfte vor allem mit den warmen Temperaturen zu tun haben.

Freie Autorin