Hafen - Uwe Köhn hat die Nachfolge von Roland Hörner angetreten / Verkehrs- und Energiewende als wichtiges Ziel Neuer Chef geht vor Anker

Von 
Peter W. Ragge
Lesedauer: 

Mannheim. Er segelt gerne, ist in Hamburg geboren und in der Nähe des Regensburger Donauhafens aufgewachsen. „Ich fühlte mich schon immer dem Wasser eng verbunden“, sagt Uwe Köhn. Nun ist er in Mannheim vor Anker gegangen, hat als Chef der wichtigsten Mannheimer Wasserflächen sein Büro im zwölften Stock vom Haus Oberrhein mit Blick auf den Rhein bezogen. Als Nachfolger des pensionierten Roland Hörner übernahm der Jurist die Leitung der Staatlichen Rhein-Neckar-Hafengesellschaft Mannheim mbH.

Uwe Köhn ist der neue Hafendirektor und Chef im Haus Oberrhein. © Michael Ruffler
AdUnit urban-intext1

Seine „große Vorfreude auf die spannende Aufgabe“, wie er sagt, ist „nur etwas getrübt“. Gerne würde Köhn nun schnell viele Mannheimer kennenlernen, sich hier vorstellen und einbringen, wie das sein Vorgänger gemacht und er sich das vorgenommen hat. Die Corona-Pandemie bremst indes derzeit viele Kontaktaufnahmen aus, auch die offizielle Amtseinführung fiel aus. „Das ist schade“, bedauert der Sohn eines Berufsoffiziers.

Der neue Chef und der Hafen

  • Der neue Hafendirektor Uwe Köhn ist am 25. Februar 1962 in Hamburg geboren, verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne.
  • Er machte 1981 Abitur in Regensburg und war zwei Jahre Zeitsoldat.
  • 1983 bis 1990 studierte er Rechtswissenschaften in Tübingen, war dann 1993 in Ulm im Justizvorbereitungsdienst. 1993 trat er in die Steuerverwaltung des Landes ein.
  • 1995 bis 2016 war er in Leitungsbereichen des Finanz- und Staatsministeriums, unter anderem als stellvertretender Regierungssprecher und stellvertretender Leiter der Haushaltsabteilung des Finanzministeriums. Im August 2016 wurde der Leitende Ministerialrat Direktor des Landesunternehmens Hafenverwaltung Kehl.
  • Der Rhein-Neckar-Hafen umfasst den Altrheinhafen inklusive Ölhafen, den Industrie-, den Handels- und den Rheinauhafen. 420 Unternehmen bieten im Hafen rund 13 000 Arbeitsplätze. Die dem Land gehörende Hafengesellschaft selbst hat 85 Mitarbeiter.

Aber im eigenen Haus hat er sich vorgestellt und schnell gemerkt, dass ihn „eine sehr motivierte Truppe“ umgibt, wie er die Mitarbeiter der Hafengesellschaft lobt. Zudem habe er „ein florierendes Unternehmen übernommen“. Und der Arbeitsplatz mit dem guten Ausblick auf Rhein, Innenstadt und Hafen sowie Ludwigshafen sei „wunderschön, ja traumhaft“.

Stimme von Oettinger

Dabei ist er schöne Arbeitsplätze gewohnt: Bislang arbeitete Köhn überwiegend im Finanzministerium von Baden-Württemberg, das im Stuttgarter Schloss angesiedelt ist, zeitweise war er an politisch sehr herausgehobener Stelle tätig. In der Ära von Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) fungierte er als stellvertretender Regierungssprecher, kehrte aber beim Amtsantritt von Oettinger-Nachfolger Stefan Mappus (CDU) sofort vom Staatsministerium in der Villa Reitzenstein ins Finanzministerium zurück.

AdUnit urban-intext2

Fremd ist dem Juristen der Mannheimer Hafen nicht. Schon als er für den aus Schwetzingen stammenden Finanzminister Gerhard Stratthaus arbeitete, war er mal mit ihm hier. Ehe Köhn die Leitung des Rheinhafens Kehl übernahm, durfte er bei Hörner in Mannheim „in die Arbeit einer Hafenverwaltung reinschnuppern“, wie er sich erinnert. „Natürlich muss ich noch unwahrscheinlich viel lernen, aber ich fühle mich gut vorbereitet und freue mich auf die Chance“, so der Jurist.

Schon als er aus dem Ministerium nach Kehl wechselte, suchte er „die neue Herausforderung“ – und so war es jetzt wieder. „Es war keine Entscheidung gegen Kehl, aber eine für Mannheim“, betont Köhn und ist dankbar, dass er unter mehreren Bewerbern die Stelle bekommen hat.

AdUnit urban-intext3

Im Vergleich zum Rheinhafen Kehl sei Mannheim „natürlich eine andere Dimension, um den Faktor zwei bis vier“. Zwar zählt Kehl zu den zehn größten öffentlichen Binnenhäfen. Doch im Vergleich sei „hier alles eine Nummer größer“, sagt er mit Blick auf Mannheim.

AdUnit urban-intext4

Kehl verfügt über 320 Hektar, Mannheim ist mit seinen 1131 Hektar der flächenmäßig größte Binnenhafen Deutschlands. Bei der Zahl der Arbeitsplätze wie beim Umschlagvolumen sei Mannheim „mindestens doppelt so groß“, so Köhn. Aber es geht ihm nicht nur um Größe. Fasziniert habe ihn die „erhebliche Dynamik“ der Wirtschaft der Metropolregion: „Da gibt es schon eine Power, die ist bemerkenswert!“

Zentrum für Logistik

Entsprechend sieht er seine Aufgabe darin, den Hafen als „wichtiges Zentrum für die Logistik zu betreiben“, wie er betont. „Die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Dienstleistungen möglich sind, Arbeitsplätze erhalten bleiben, Handel betrieben werden kann – das ist unser Auftrag“, formuliert Köhn für das Landesunternehmen, das er nun führt.

Zudem sieht er den Hafen in einer ganz wichtigen Rolle, wenn es darum gehe, die Verkehrs- und Energiewende zu schaffen. „Verkehr auf die Schiene und auf das Wasser verlagern, wo immer es möglich ist – Lkw dort, wo es nötig ist“ –, das beschreibt er als Ziel. Als trimodales Güterverkehrszentrum komme dem Hafen dabei eine Schlüsselrolle zu, und nur so könne man auch im Verkehr die Klimaschutzziele erreichen.

Dass ihn in Mannheim zudem Diskussionen darüber erwarten, ob der Hafen nicht mehr Flächen für Wohnen und Freizeit am Wasser freigeben könne, weiß Köhn. Da setze er auf einen „offenen Dialog mit der Stadt“, aber möchte sich „erst einmal einarbeiten“, ehe er sich dazu äußert. Er selbst hat das „Wohnen am Wasser“ indes schon realisiert und eine Wohnung in Hafennähe bezogen. Am Wochenende fährt er meistens nach Stuttgart, wo seine Frau lebt und arbeitet. Oft zieht es sie in der Freizeit dann beide aufs Wasser.

Mehr zum Thema

Mannheimer Hafendirektor Roland Hörner lichtet nach 22 Jahren die Anker

Veröffentlicht
Von
Peter W. Ragge
Mehr erfahren

Redaktion Chefreporter