Grundschulen - Erst- und Drittklässler beginnen mit verkürztem Präsenzunterricht / Rektorinnen warten auf Details aus Stuttgart Nach zwei Wochen alles anders

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Bertram Baehr
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Erstmals nach den coronabedingten Schließungen begrüßen die Grundschulen, hier auf dem Waldhof, wieder alle Erst- und Drittklässler. © Bertram Bähr

Pro Klasse zwei Gruppen, zeitversetzter Unterrichtsbeginn, Pausen in den Zimmern, Einbahnstraßenregelungen – und zwischen zwei Zeitfenstern am Vormittag immer wieder alles desinfizieren: Wenn am Montag die nächste Öffnungsphase beginnt, liegt hinter den Schulen ein organisatorischer Marathon. Die Detailregelungen umfassen zum Teil sechs Seiten, gedacht sind sie für die Zeit bis zum Beginn der Sommerferien am 30. Juli.

Unterricht im wöchentlichen Wechsel

  • Nach den Pfingstferien beginnt am Montag verstärkter Präsenzunterricht im wöchentlichen Wechsel mit Fernlernphasen. In den Grundschulen starten erste und dritte, in der Folgewoche zweite und vierte Klassen. Auch an weiterführenden Schulen sind wöchentliche Wechsel verschiedener Klassenstufen vorgesehen
  • Die Regelungen sollten eigentlich bis zu den Sommerferien gelten. Am 26. Mai hat das Land jedoch angekündigt, die Grundschulen „Ende Juni wieder vollständig“ zu öffnen. Details gibt es bisher aber keine
  • Die Schulpflicht gilt zwar, allerdings eingeschränkt. Eltern, die eine Ansteckung fürchten, können ihr Kind für den Unterricht formlos entschuldigen, teilt das Staatliche Schulamt auf Anfrage mit. Der Unterrichtsstoff müsse dann allerdings zu Hause bewältigt werden
  • Zumindest derzeit greift auch noch die Regelung: Lehrer, die zur Risikogruppe gehören, brauchen nicht zu kommen. Allerdings dürfen sie das, auf eigene Verantwortung. Das Schulamt empfiehlt zuvor allerdings eine medizinische Abklärung. 
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„Jetzt lassen wir es zwei Wochen so laufen, wie es geplant war“, sagt Angela Speicher, Geschäftsführende Leiterin der Mannheimer Grundschulen und Kepler-Rektorin. Denn Ende Juni soll schon wieder alles anders sein. Am 26. Mai verkündete Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU), sie wolle die Grundschulen „bis Ende Juni wieder vollständig“ öffnen – also in zwei bis drei Wochen. Aber sie hat bisher keine Details zur Umsetzung genannt.

„Wir wissen offiziell noch nichts“, bedauert Monika Walz-Kurz, Rektorin der Waldhofschule. Es sei schon problematisch, „dass wir das immer so spät erfahren“. Schließlich müsse alles neu organisiert und die Eltern informiert werden: „Das ist eine sehr schwierige Situation.“

Als die letzte Maßgabe aus Stuttgart kam, berichtet Speicher, sei das „schon ein Schock für die Lehrerinnen“ gewesen – die vermutlich nach wenigen Tagen schon wieder alles auf den Kopf stellen müssen. Möglicherweise gibt es dann auch kein Abstandsgebot mehr. Noch sei „nicht klar, ob Kinder wirklich kein Infektionsrisiko sind“. Auf Details aus Stuttgart wartet Speicher sehnsüchtig: „Ich bin gespannt.“

Eltern unterschiedlicher Meinung

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„Die Meinungen gehen weit auseinander“, berichtet Nadine Sabra, stellvertretende Vorsitzende des Mannheimer Gesamtelternbeirats (GEB), über die Sicht der Betroffenen. Viele sehnten sich nach einer vollständigen Öffnung, andere hätten große Bedenken, fasst sie zusammen. Sabra nimmt sich da selbst nicht aus. Gerade angesichts neuer Corona-Fälle in mehreren rheinland-pfälzischen Schulen vor wenigen Tagen sagt sie unverblümt: „Es ist der größte Mist, Abstandsregeln abzuschaffen.“ Sabra fürchtet eine zweite Ansteckungswelle, „weil alles so unübersichtlich wird“.

Über die Mitteilung aus Stuttgart zur vollständigen Öffnung Ende Juni schüttelt sie den Kopf: „Die Lehrer und Schüler tun mir leid.“ Mühsam sei das Teilöffnungskonzept erstellt worden, das eigentlich für sechs Wochen gelten sollte. „Wozu das ganze Tamtam, wenn jetzt wieder alles über den Haufen geworfen wird“, fragt sich Sabra. Die Vorgehensweise der Kultusministerin sei angesichts des Drucks in der Öffentlichkeit eine „reine Panikreaktion“.

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Aber auch das Modell, das ab Montag vorerst für zwei Wochen greift, stößt auf Kritik. „Die Tatsache, dass mein Sohn in der dritten Klasse für jeweils eineinhalb Stunden am Tag (und das jede zweite Woche) in die Schule gehen darf, sehe ich persönlich nicht als ,Schulöffnung’“, schreibt Jenny Bittmann dem „Mannheimer Morgen“.

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„Zwei Stunden waren definitiv zu wenig“, meint auch Dusanka Bozic – mit Blick auf die Öffnung der Grundschulen für Viertklässler vom 11. Mai bis zu den Pfingstferien. So sieht das auch Angelica Ghita W. Der Unterricht sei zwar „gut organisiert“ gewesen, aber „nur zwei Stunden sind viel zu wenig“.

Dass der Unterricht gut lief, bestätigen unterdessen fast alle Grundschulen, berichtet Angela Speicher. „Ohne Worte, wie diszipliniert die Kinder waren“, blickt sie auf die Keplerschule: „Mit den Viertklässlern anzufangen, war genau richtig.“ Auch Ulrich Diehl und Ulrike Hammer berichten auf der Webseite der Käthe-Kollwitz-Schule: „Unsere Erfahrungen sind durchweg positiv.“ Esther Steitz von der Hans-Christian-Andersen-Schule freut sich ebenfalls: Es sei „beeindruckend“, wie sich die Viertklässler „an die Regeln gehalten und intensiv in der halben Gruppe gearbeitet haben“.

Neben Viertklässlern haben viele Schulen mit „Präsenz-Lernangeboten“ einzelne Kinder erreicht, die in der Schließungsphase zurückgefallen sind. Dazu, so Angela Speicher, hätten Lehrerinnen gezielt eingeladen. „Ich hoffe, dass das weiterlaufen kann und wir Nachhilfe anbieten können“. Zurzeit bereitet Speicher auch Sommerferienkurse vor.

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