Umwelt - Anwohner beraten mit Naturschutzverbänden über Vorgehen nach den Baumfällungen Nach Rodung: Luzenberger blicken in die Zukunft

Von 
Fabian Busch
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Diskussion im Spiegelschlössl: Grünen-Stadtrat Deniz Gedik (vorne Mitte) hört aufmerksam zu, BI-Sprecher Jürgen Kurtz (im Hintergrund, blau-schwarz kariertes Hemd) spricht am Mikrofon. © Busch

Vom „schwarzen Freitag“, von einem „unverzeihlichen Umweltfrevel“ ist die Rede: Auch zwei Wochen nach den Baumfällungen auf dem Luzenberg ist der Ärger vor Ort noch groß. Genauso groß ist aber der Kampfgeist der Anwohner, die sich am vergangenen Freitagabend in der Gaststätte Spiegelschlössl treffen. Jürgen Kurtz und Winfried Kölmel von der Bürgerinitiative Waldhof-West und vom Spiegelverein wollen dort mit Vertretern von Naturschutzverbänden beraten. Vor allem aber richten sie den Blick nach vorne.

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Wie berichtet hatte das Unternehmen Waldhof Grundstücksgesellschaft am 14. Februar im Nordwesten des Luzenbergs auf einem verwilderten Waldstück zahlreiche Bäume fällen lassen. War die Aktion wirklich rechtens? Und was könnte auf der Fläche nun passieren? Alles was man darüber wisse, habe man aus der Zeitung erfahren, sagt Jürgen Kurtz. Nicht aber von der Stadtverwaltung. „Wir stehen immer noch vor vielen Fragen, die uns bis heute niemand beantwortet hat.“

Das Landratsamt des Rhein-Neckar-Kreises als zuständige untere Forstbehörde stuft das Areal als Wald ein. Das bedeutet, dass die Waldbesitzer auch ohne Genehmigung roden dürfen, wenn die betroffene Fläche nicht größer als ein Hektar ist. Da der Kahlschlag 0,9 Hektar betragen habe, sei er zulässig gewesen. Das Regierungspräsidium Freiburg – in diesem Fall die zuständige obere Forstbehörde – erklärte auf Anfrage dieser Zeitung aber auch: Der Besitzer hat ebenso die Pflicht, die Fläche innerhalb von drei Jahren wieder aufzuforsten.

Hochwertig aufforsten

Darauf weist im Spiegelschlössl auch Gabriele Baier hin, Grünen-Stadträtin und Vorstand des Naturschutzverbands BUND. Für Vögel sei die Fläche ein „Paradies“ gewesen. Anwohner haben Jürgen Kurtz zufolge mehr als 80 verschiedene Arten in der Gegend bestimmt. Baier betont zudem den Zusammenhang mit dem Klimaschutz: „Wir werden noch heißere Sommer bekommen, und dann sind Bäume und Grün immens wichtig.“ Sie wirbt dafür, jetzt das Beste aus der Situation zu machen. Bisher hätten vor allem aus ökologischer Sicht eher mäßig wertvolle Robinien auf dem Areal gestanden. „Jetzt kann man die Fläche ökologisch hochwertiger aufforsten.“

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Die Geschäftsführer der Waldhof Grundstücksgesellschaft haben gegenüber dieser Zeitung erklärt, sie hätten ursprüngliche Pläne, auf der Fläche eine Tankstelle, ein Fastfood-Restaurant, Wohnhäuser und ein Hotel zu bauen, nicht weiterverfolgt. Trotzdem herrscht unter den Anwohnern Unsicherheit. Winfried Kölmel weist auf den städtischen Flächennutzungsplan hin, dem zufolge die Fläche als Industriegebiet ausgewiesen sei.

Könnten die Besitzer nun, da sie Tatsachen geschaffen haben, das Gelände entsprechend bebauen lassen? Gabriele Baier glaubt, dass es für das Unternehmen sehr schwierig wäre, die Fläche umwidmen zu lassen. In dem Fall habe die Stadt zudem ein Vorkaufsrecht. Die Fraktion der Freien Wähler/Mannheimer Liste hat im Gemeinderat bereits beantragt, dass die Stadt die noch größere benachbarte Waldfläche kauft, die bisher im Besitz des Unternehmens Saint-Gobain Glass ist.

Frischluft fehlt

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ML-Stadtrat Roland Weiß, der auch Vorstand des Umweltforums Mannheim ist, mahnt im Spiegelschlössl dazu, aus dem Kahlschlag zu lernen: „Wir müssen jetzt schauen: Wo in Mannheim könnte uns nochmal so eine Situation drohen? Dann gilt es, alles Mögliche zu tun, das zu verhindern.“ Druck machen auf die Verwaltung – das ist die Hausaufgabe, die Stadt- und Bezirksbeiräte an diesem Abend mitnehmen. Die Luzenbergerin Kristina Zielke regt eine Unterschriftenaktion an, um klar zu machen, dass den Bürgern das Thema sehr wichtig ist. Anwohner Roberto Braun, der Roland Weiß am „schwarzen Freitag“ auf die Fällaktion hingewiesen hatte, wünscht sich einen direkten Draht zu den Kommunalpolitikern, damit man in solchen Fällen wisse, an wen man sich wenden könne. Braun macht auch deutlich: Luzenberger und Waldhöfer wollen nicht, dass der Kahlschlag hingenommen und der Wald an anderer Stelle in der Stadt wieder aufgeforstet wird. „Wir sind es, denen die Frischluft fehlt.“

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