Pädagogik - Vier städtische Kindertageseinrichtungen werden mit dem Siegel „Buchkindergarten“ ausgezeichnet Mit Schiller und Goethe kinderleicht Deutsch lernen

Von 
Till Börner
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Für Samuel und Mario (v.l., unten) sowie Emir, Frida, Edisona und Selina (v.l., oben) gehören Bücher fest zum Kindergartenalltag. © Ruffler

An den Wänden des Kindergartens Erlenhof hängen Landkarten und Poster, Urkunden und überdimensionierte Vokabelzettel, auf denen Wörter in deutscher und arabischer Sprache stehen. Nur ein Platz ist auffallend leer, zwischen zwei Fenstern ist lediglich die gelbe Wand zu sehen. Cornelia Rühling-Faber zeigt mit dem Finger auf die kahle Stelle und sagt nicht ohne Stolz: „Dort kommt unsere neue Auszeichnung hin.“

Gütesiegel Buchkindergarten

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und der Deutsche Bibliotheksverband zeichnen in diesem Jahr erstmals Kindertageseinrichtungen mit dem Gütesiegel „Buchkindergarten“ aus. Schirmherr ist der Kinderbuchautor Paul Maar.

208 Einrichtungen aus ganz Deutschland erhalten die Auszeichnung. Darunter vier Mannheimer: Kindergarten Erlenhof, Kinderhaus Neckarstadt-West, Eltern-Kind-Zentrum K2, Eltern-Kind-Zentrum Ida Dehmel.

Die Auszeichnung der Kindertageseinrichtungen findet auf der Frankfurter Buchmesse statt. Alle Kinderhäuser erhalten eine Plakette sowie Eintrittskarten für die Messe. Das Siegel gilt drei Jahre und muss anschließend neu beantragt werden. tbö

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Die Leiterin des Kindergartens Erlenhof im Stadtteil Neckarstadt besucht am Freitag die Frankfurter Buchmesse, um dort das Gütesiegel „Buchkindergarten“ entgegenzunehmen. Das Qualitätsmerkmal wird in diesem Jahr erstmals vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels und dem Deutschen Bibliotheksverband an Kindergärten verliehen, die sich in besonderer Art und Weise für die frühkindliche Leseförderung engagieren.

22 Bewerber aus Mannheim

Insgesamt 22 städtische Kinderhäuser aus Mannheim hatten sich für die Auszeichnung beworben, vier davon bekamen eine positive Rückmeldung. Neben dem Kindergarten Erlenhof erhalten auch das Kinderhaus Neckarstadt-West, das Eltern-Kind-Zentrum Ida Dehmel und das Eltern-Kind-Zentrum K2 das Gütesiegel. Entscheidend für die Fachjury, die aus Bibliothekaren, Buchhändlern und pädagogischen Fachkräften besteht, waren die Aktivitäten im Bereich der Lese- und Sprachförderung.

Im Kindergarten Erlenhof ist dieser pädagogische Schwerpunkt kaum zu übersehen. Bücher dominieren hier in den Alltag der 43 Kinder, von denen die allermeisten zweisprachig aufwachsen. Die Drei- bis Siebenjährigen blättern in Literatur aller Art, sprechen mit Gleichaltrigen über das, was sie dort sehen und fragen die Erzieherinnen, ob sie ihnen Geschichten vorlesen können. „Neben reinen Bilder- und Kinderbüchern gehört auch die Erwachsenenliteratur dazu“, sagt Rühling-Faber. Ein Buch über das alte Ägypten inspirierte die Kinder dazu, Pharaonenfiguren zu basteln und das vorchristliche Leben am Nil nachzuspielen. „Durch die Bücher sollen die Kinder miteinander ins Gespräch kommen“, erzählt die Kindergartenleiterin.

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Sind die Texte zu kompliziert, um sie vorzulesen, werden sie von den Erzieherinnen zusammengefasst vorgetragen. Auch altersgerechte Ausgaben von Friedrich Schillers Drama „Die Räuber“ oder die Ballade „Der Zauberlehrling“ von Johann Wolfgang von Goethe stehen in den Regalen. Klassiker, die im Kindergarten Erlenhof gut ankommen. „Aufgrund solcher Texte haben wir schon Kinderopern und -theater besucht“, berichtet Rühling-Faber. Als ein „besonders schönes Erlebnis“ bezeichnet die Kindergartenleiterin den Ausflug in die Außenstelle der Stadtbibliothek im Stadtteil Herzogenried, an dem auch Eltern teilnahmen. Viele der Erwachsenen sprechen nicht gut Deutsch und hatten zuvor noch nie einen deutschen Roman in der Hand. „Am Ende des Besuchs haben sich alle Teilnehmer einen Büchereiausweis ausstellen lassen“, so Rühling-Faber.

Ausleihen erwünscht

Fast 90 Prozent der Kindergartenkinder im Erlenhof haben einen Migrationshintergrund. Manche Lektüre ist deshalb zweisprachig aufgebaut. „Es gibt Kinder, die kommen hierher und können kein Wort Deutsch“, erzählt Rühling-Faber, „für sie sind solche Werke sehr gut geeignet, um Vokabeln und Grammatik zu erlernen.“ Ausdrücklich erwünscht ist auch das Ausleihen der Bücher. Daheim können Eltern und Kinder gemeinsam die Seiten durchblättern und dabei der deutschen Sprache näher kommen.

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„Wir freuen uns über das Gütesiegel, das eine Wertschätzung und Anerkennung der pädagogischen Arbeit in unseren Kindergärten darstellt“, so Bildungsbürgermeisterin Ulrike Freundlieb in einer Presseerklärung. Die Auszeichnung „Buchkindergarten“ gilt für drei Jahren und muss anschließend neu beantragt werden.

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