Soziales - Musiker des Nationaltheaters und des Kurpfälzischen Kammerorchesters spielen vor Seniorenheimen Mini-Konzerte vor Mannheimer Seniorenheimen sollen weitergehen

Von 
Peter W. Ragge
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Auftritt mit Distanz (v.l.): Reinhard Philipp und Michael Kaulhartz am Fagott beim Konzert vor dem Caritas-Seniorenzentrum Maria-Scherer-Haus. © Michel Ruffler

Mannheim. Viele Fenster öffnen sich, es wird gewunken und geklatscht, manchmal summen einzelne Zuhörer sogar mit: „Es war das Sternchen des Tages, eine wirklich ganz, ganz nette Geste“, dankt Snezana Manojlovic, Heimleiterin des Maria-Scherer-Hauses der Caritas, für einen besonderen Auftritt: Zwei Musiker des Nationaltheaterorchesters spielten dort im Garten. Das soll jetzt auf der Rheinau, aber auch in vielen anderen Pflegeheimen der Stadt zur Dauereinrichtung werden.

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„Mein Vater ist selbst in einem Heim. Ich weiß doch, wie es dort derzeit ist“, sagt Fagottist Reinhard Philipp, der auf der Wiese vor dem Maria-Scherer-Haus mit seinem Kollegen Michael Kaulhartz unter anderem Fagott-Werke von Telemann, Mozart und Stamitz gespielt und sie zwischendurch auch angesagt hat. „Wir standen im Schatten von Bäumen, haben unsere Noten festgeklammert und losgelegt“, erzählt er, „und ganz, ganz positives Feedback bekommen“, so Philipp.

Das bestätigt Heimleiterin Snezana Manojlovic: „Es war eine große Freude für alle Bewohner!“ „Natürlich ist es akustisch schwieriger, im Freien und dann auch noch bei Wind zu spielen“, so Reinhard Philipp, „aber das hat doch jeder von uns im Studium auch schon gemacht.“ Nun sei es darum gegangen, den Heimbewohnern, die seit Beginn der Corona-Krise keinen Besuch empfangen dürfen, „einfach eine wunderbare Abwechslung zu bringen“, so der Fagottist. Die Musiker des Nationaltheaterorchesters wollten der Gesellschaft damit ein Stück Dankbarkeit zeigen: „Wir haben in dieser schwierigen Situation wenigstens keine Existenzsorgen“, so Philipp dankbar.

Abwechslung für alle

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Doch auch ohne Existenzsorgen - „die Kollegen wollen endlich mal wieder ’raus, alle sind ja zuhause, jeder probt für sich, man kann nicht ins Nationaltheater“, erzählt Soloklarinettist Patrick Koch. Er hat im Hof vom Lanzgarten mit einem Kollegen gespielt: „Die älteren Leute haben Beifall geklatscht und Bravo gerufen. Da hat man gemerkt, wie dankbar sie sind, dass wir ihnen die schwere Zeit etwas erleichtern und Abwechslung bringen“, so Koch.

Doch ebenso seien die Musiker für die Abwechslung dankbar, betont Koch. Als Geschäftsführer der Musikalischen Akademie des Nationaltheaterorchesters hat er, statt Akademiekonzerte zu organisieren, die Reihe mit zunächst elf Auftritten vor Alten- und Pflegeheimen geplant. „Da haben sich sofort ganz viele Kollegen freiwillig gemeldet, denn jeder hat den Drang, jetzt wieder zu spielen. Da habe ich sogar Schwierigkeiten, alle unterzubringen, denn derzeit dürfen ja nur Duos auftreten.“

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Die Musikalische Akademie suche daher derzeit nach anderen Formaten, um das Publikum zu erreichen. In jedem Fall würden aber die Konzerte für Senioren fortgesetzt: „Wir wollen das regelmäßig machen“, kündigt Koch an. Das freut auch Bernd Nauwartat, Heimleiter vom Joseph-Bauer-Haus, wo zwei Trompeter Titel aus Opern und Operetten sowie Volkslieder gespielt haben. „Unsere Bewohner waren sehr glücklich, weil Musik sowieso immer gut bei ihnen ankommt, und zum anderen, weil es natürlich eine angenehme Abwechslung zum Corona-Alltag war“, so Nauwartat.

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Filme im Internet

Begonnen mit den Konzerten vor Seniorenheimen hatte an Ostern das Kurpfälzische Kammerorchester. „Wir werden das auf jeden Fall weitermachen“, kündigt ebenso dessen Geschäftsführerin Gabriele Gefäller an. Sobald wieder größere Formationen als Duos zugelassen seien, könne sie sich auch Freiluftkonzerte vor Pflegeeinrichtungen vorstellen. „Wir wollen in jedem Fall weiter sichtbar und kreativ bleiben und zeigen, wie wichtig Musik für die Menschen ist - auch und gerade in dieser schweren Zeit“, so Gefäller.

„Derzeit darf man nur zu zweit - auch dafür wollen wir ein Signal setzen“, sagt Marie-Denise Heinen, stellvertretende Konzertmeisterin des Kurpfälzischen Kammerorchesters, die mit Robert Korn vor dem Wichernhaus in Neckarau gespielt hat. Dort hat sie mitbekommen, wie ein Angehöriger eine Geschenktüte für einen Bewohner am Eingang abgeben musste und nicht zu ihm durfte. „Da ist es nicht nur schön, dass man mal wieder vor Publikum spielen darf“, so Heinen, „sondern einfach ein schönes Gefühl, wenigstens etwas Freude in so ein Heim zu bringen und etwas Gutes zu tun.“ Von einigen Auftritten gibt es Videos auf der Internetseite des Orchesters - so haben alle etwas davon.

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