Soziales - Bewohnerinnen von Frauenhäusern können Härtefallantrag bei Stadt stellen / Einrichtungen melden insgesamt 40 Auszüge im vergangenen Jahr Mieten von Wohnungen durch Pandemie erschwert

Von 
Lisa Wazulin
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Symbolbild. © dpa

Mannheim. Wie gelingt der Sprung aus dem Frauenhaus für diejenigen, die eigentlich gar nicht aus Mannheim kommen? Tatsächlich ist das Umziehen in die Quadratestadt für viele eine Hürde, auch weil der Wohnungsmarkt angespannt ist und Vermieter oft vor solchen Bewerberinnen zurückschrecken. 

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Obwohl laut Stadt Mannheim in den ersten Monaten der Pandemie die Anmietung von Wohnraum für alle Gruppen schwierig war, seien nach Auskunft der zwei Frauenhäuser im Jahr 2020 insgesamt 40 Frauen aus den Frauenhäusern ausgezogen. Davon sind 20 Frauen in eine eigene Wohnung gezogen, 16 davon haben in Mannheim eine eigene Wohnung gefunden (siehe Grafik). Denn Hoffnung auf eine Sozialwohnung gibt es bei der Wohnungsbaugesellschaft GBG: Nach eigenen Angaben besitzt die GBG mehr als 19 000 Mietwohnungen. Davon sind 3000 Sozialwohnungen, für die eine Mietpreisgrenze gilt. Um sich dafür anmelden zu können, müssen Bewerberinnen Voraussetzungen erfüllen: Sie benötigen nicht nur einen Wohnberechtigungsschein, sondern müssen dafür seit mindestens zwei Jahren in Mannheim gemeldet sein.

Schnelle Lösung für Betroffene?

Geregelt wird das durch einen Kooperationsvertrag zwischen Stadt und GBG, die gültige Fassung hat der Gemeinderat 2020 verabschiedet. Darin heißt es: „Danach ist die GBG verpflichtet, kein Mietverhältnis mit Wohnungssuchenden einzugehen, die noch keine zwei Jahre mit Hauptwohnsitz in Mannheim gemeldet sind und auf unterstützende Leistungen der öffentlichen Hand angewiesen sind. Die Prüfung von Härtefällen durch die Stadt Mannheim ist gewährleistet.“ Versperrt diese Regel also Zugezogenen den Weg zu einer GBG-Wohnung? 

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Tatsächlich bietet derselbe Vertrag genau für solche Fälle einen Ausweg: Betroffene können bei der Stadt einen Härteanfall, auch Zuzugsantrag genannt, stellen. Begünstigt wird die Bewilligung laut Mannheimer Frauenhäusern, wenn die Betroffenen einen Job haben oder andere gute Integrationsbemühungen nachweisen können. Dazu heißt es bei der GBG: Man arbeite bei solchen Härtefällen immer mit der Stadt zusammen, hier konnten laut GBG in der Vergangenheit immer wieder schnelle Lösungen gefunden werden. In der Vermietungsabteilung sei eine Mitarbeiterin gesondert für solche Fälle zuständig. „Zudem bestehen natürlich Kontakte zum Frauenhaus, hier wurden bei einer Auslastung bereits Unterstützungslösungen gefunden“, so der GBG-Sprecher.

Nachgefragt bei der Stadt antwortet eine Sprecherin: „Zur Unterstützung bei der Wohnungssuche in Mannheim erhalten die Frauen eine Bestätigung des Fachbereichs Arbeit und Soziales, dass sie sich bei der GBG wohnungssuchend melden können.“ Der Fachbereich Arbeit und Soziales und das Jobcenter würden zudem seit Jahren eng mit den beiden Frauenhäusern zusammenarbeiten, heißt es weiter. Die Frauen würden beim Auszug, da sie in der Regel Sozialhilfe bezögen, durch die Übernahme der Umzugskosten, der Wohnungsbeschaffungskosten und der Mietkaution unterstützt.

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