Markthaus-Chefin: „Es werden Arbeitsplätze wegfallen"

Von 
Torsten Gertkemper
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Das Unternehmen wird Arbeitsplätze streichen müssen, so Geschäftsführerin Neuber. Das Bild zeigt Einkaufswagen vor der Filiale im Mannheimer Stadtteil Neckarau. © Gertkemper

Mannheim. Die Nachricht von der Insolvenz hat Spuren hinterlassen. In der Logistiksparte sind die Anfragen um mindestens zwei Drittel eingebrochen. „Vor der Nachricht haben etwa 30 Leute pro Woche bei uns angefragt, jetzt sind es gerade noch zehn“, berichtet Markthaus-Geschäftsführerin Sabine Neuber.

Das Unternehmen und seine Filialen

  • Das Markthaus ist eine sogenannte gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung (gGmbH).
  • Die Gesellschaft betreibt Second-Hand-Kaufhäuser, wo Sachspenden aufbereitet und wiederverkauft werden.
  • Zudem unterhält das Markthaus Vor-Ort-Lebensmittelläden und bietet Logistik-Dienstleistungen an.
  • Der Betrieb finanziert sich aus den Erlösen von Verkauf und Transporten sowie Zuschüssen und Fördergeldern.
  • Zuletzt machte das Markthaus einen Umsatz von rund 7,5 Millionen Euro im Jahr
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Neben Kaufhäusern und Lebensmittelmärkten bietet das Unternehmen auch Logistik-Dienstleistungen an, also zum Beispiel Transporte und Haushaltsauflösungen. Das Geschäft in den Second-Hand-Kaufhäusern und den Lebensmittelläden hat sich laut der Geschäftsführerin weder verbessert noch verschlechtert. „Gemessen an der derzeitigen Situation ist das schon ein Erfolg.“

Vorschlag: „Feuerwehrfonds“

Auch sonst ist die Geschäftsführerin zuversichtlich. Mit vielen Gläubigern und beteiligten Akteuren habe sie bisher Gespräche geführt. „Ich schaue optimistisch in die Zukunft, denn ich bin davon überzeugt, dass es gelingen wird, das Markthaus wirtschaftlich tragfähig weiterzuführen“, sagt Neuber. Von personellen Einschnitten wird das Unternehmen allerdings nicht verschont bleiben. „Es werden Arbeitsplätze wegfallen. Das ist im Unternehmen auch klar kommuniziert“, sagt die Markthaus-Leiterin. Noch ist unklar, wie viele Arbeitsplätze wegfallen werden. Doch die Geschäftsführerin beruhigt: „Es wird auf keinen Fall Massenentlassungen geben.“

Es gebe Bereiche, in denen einfach zu viele Menschen beschäftigt seien. Hier könne man sparen. Zudem versuche man, beim Stellenabbau die natürliche Fluktuation zu nutzen. Insgesamt sind rund 100 Menschen beim Markthaus beschäftigt. Etwa 40 Prozent von ihnen haben ein Handicap, also eine körperliche oder geistige Einschränkung. Das Markthaus gilt deshalb als staatlich anerkannter Inklusionsbetrieb.

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Vor einigen Tagen hat sich Neuber mit einem Schreiben an die Gemeinderatsfraktionen gewandt. Darin schreibt sie, was in ihren Augen notwendig ist, um das Markthaus erfolgreich weiterzuführen. In dem Schreiben, das auch dieser Zeitung vorliegt, schlägt die Geschäftsführerin einen sogenannten Feuerwehrfonds vor. Er soll gemeinnützigen Unternehmen in akuten Krisen unbürokratisch helfen. „Damit spreche ich nicht nur für das Markthaus, sondern auch für andere gemeinnützige Unternehmen“, sagt Neuber. Mit dem „Feuerwehrfonds“ einhergehen sollten aber stets unabhängige Gutachter, die Ursachenforschung betreiben.

Darüber hinaus schlägt die Markthaus-Leiterin einen Betriebskostenzuschuss von 75 000 Euro im Jahr vor. Gezahlt werden könnte dieser von der Stadt. Diese fördert das Markthaus bisher mit 35 000 Euro jährlich - laut Neuber aber nur im Rahmen eines befristeten Projekts.

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Ein weiterer Vorschlag ist die Befreiung von Müllgebühren. „Diese kosten das Markthaus jährlich einen hohen vierstelligen Betrag.“ Die Stadt verweist auf Nachfrage auf das Gebührenrecht. Danach müssen alle gleich behandelt werden. Eine Befreiung von Gebühren wäre demnach nur indirekt möglich, indem vom Gemeinderat ein Zuschuss für das Markthaus gewährt wird.

Energieversorger zurückhaltend

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Neuber regt außerdem Sozialtarife für Strom, Wasser, Gas und Fernwärme an. „Das sind für uns erhebliche Kostenfaktoren“, sagt die Geschäftsführerin. Der Energieversorger MVV reagierte zurückhaltend. „Wir halten pauschale Sozialtarife für die falsche Antwort“, so ein Unternehmenssprecher. Allerdings könne man bei Bedarf Gespräche führen.

Auch im Stadtteil Friedrichsfeld hat die Insolvenz-Nachricht Wellen geschlagen. Dort befindet sich ein Lebensmittel-Laden des Markthauses - für viele Menschen die einzige Möglichkeit, unweit des eigenen Zuhauses einkaufen zu gehen. Die CDU veranstaltet dort gemeinsam mit der Christlich Demokratischen Arbeiterschaft an diesem Mittwochabend eine Diskussionsrunde. „Wir sehen es als unsere Pflicht an, die Menschen über aktuelle Dinge, die vor Ort wichtig sind, zu informieren“, sagt CDU-Stadtrat Chris Rihm. Auch Sabine Neuber wird an der Veranstaltung teilnehmen.

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Redaktion Redaktion Neckar-Bergstraße, zuständig für Ilvesheim und Friedrichsfeld