Valentinstag - Weil Blumenkauf nur mit Vorbestellung möglich ist, entgeht Händlern viel Umsatz / Ärger über Supermarkt-Konkurrenz Lockdown verhindert florierendes Geschäft

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Christian Schall
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Discounter dürfen’s: Blumenverkauf zum Valentinstag, hier in Prospekten angepriesen. © Christian Schall

Mannheim. Für den Blumenhandel sind die Tage vor und am Valentinstag selbst alljährlich ein – Achtung, Wortspiel – florierendes Geschäft. „Das ist bei uns immer ein Höhepunkt im Februar“, sagt Andreas Beier vom gleichnamigen Betrieb aus Sandhofen. Auch sein Kollege Hans-Peter Kull von der Rheinau spricht vom „ersten Highlight im Jahr“. Auf den Höhepunkt müssen die Floristen in diesem Jahr wegen des Corona-Lockdowns allerdings verzichten – und dabei zusehen, wie ein Großteil des Geschäfts sich in die Supermärkte und Discounter verlagert. Oder nach Hessen, denn dort müssen Blumenläden nach der Corona-Verordnung nicht schließen. In Baden-Württemberg dürfen die Floristen zwar die Abholung auf Vorbestellung („Click/Call & Collect“) anbieten. Wie die vom „MM“ gefragten Händler allerdings bestätigen, ist die Nachfrage danach eher gering.

Kontrolle nur bei konkreter Beschwerde

Nach Paragraf 1d, Satz 2 der Corona-Verordnung des Landes dürfen Geschäfte mit Mischsortiment alle Waren verkaufen, wenn der Anteil der Produkte für den täglichen Bedarf mehr als 60 Prozent entspricht. „Sollte das Sortiment der verbotenen Artikel überwiegen, darf das Geschäft mit einer räumlichen Abtrennung lediglich die Artikel des täglichen Bedarfs verkaufen“, erklärt Désirée Leisner, Sprecherin des Dezernats für Sicherheit und Ordnung.

Die Einhaltung der Regeln zum Mischsortiment obliege dem Betreiber vor Ort. „Der städtische Ordnungsdienst kontrolliert die Einhaltung nur, wenn konkrete Beschwerden vorliegen oder er ohnehin eine Kontrolle im Einzelhandel durchführt“, so Leisner gegenüber dem „MM“. Da der Betreiber eines Supermarktes für die Einhaltung zuständig sei und der städtische Ordnungsdienst nur bei einer konkreten Beschwerde oder bei einer allgemeinen Kontrolle im Einzelhandel den Anteil des Non-Food-Sortiments überprüfe, sei diese Vorgabe lediglich im Einzelfall kontrollierbar.

„Engmaschige, wiederkehrende Kontrollen“ könne der städtische Ordnungsdienst nicht leisten. „Der städtischen Bußgeldbehörde liegen in diesem Zusammenhang keine Anzeigen gegen Supermärkte vor.“ Der „Bußgeldkatalog für Ordnungswidrigkeiten nach dem Infektionsschutzgesetz im Zusammenhang mit der CoronaVO“ sieht nach Paragraf 1d Absatz 1 bis 5 sowie Absatz 7 und 8 der CoronaVO ein Bußgeld zwischen 250 und 5000 Euro vor. Der Regelsatz liege aber bei 500 Euro. cs

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„Die meisten Kunden kommen sehr kurzfristig am Vortag oder am Valentinstag selbst“, hat Hans-Peter Kull in den Vorjahren beobachtet. Auf die sonst üblichen Last-Minute-Käufer können die Floristen 2021 nicht setzen, weil außer zur Abholung kein Kunde in den Laden hinein darf. Kunden können sich also nicht umschauen und die Blumen nach ihrem Geschmack aussuchen. Bei der Bestellung gehen sie deshalb auf Nummer sicher: „Gemischte Sträuße gehen gut“, berichtet Kull.

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Blumen Beier führt zwar keine Schnittblumen, dafür sind normalerweise rund um den Valentinstag andere Artikel gefragt: „Es gibt eine verstärkte Nachfrage nach blühenden Zimmerpflanzen. Außerdem bieten wir floristische Dekorationen, also Produkte zum Veredeln der Pflanzen“, erläutert Beier. Das Geschäft sei aber „nicht so üppig wie am Muttertag“.

Frist für Vorbestellung abgelaufen

Um zu wissen, wie viel Ware sie zum Valentinstag tatsächlich benötigen, haben die meisten Blumenhändler für die Vorbestellungen eine Frist gesetzt, die schon am Freitag oder Donnerstag abgelaufen ist. „Es ist sehr schwer planbar. Normalerweise bestelle ich für den Valentinstag 100 bis 200 rote Rosen. Wenn da wirklich welche übrig bleiben, hat man dafür Verwendung. Aber dieses Jahr bin ich lieber vorsichtiger“, beschreibt Kull das Dilemma. Immerhin: Die Floristen müssen nur die Menge einkaufen, die sie tatsächlich brauchen. Wenn aber niemand ordert, ist das nur ein schwacher Trost: „Wir haben bis jetzt gerade einmal drei Bestellungen“, sagt Hans-Jürgen Feld von „Feldblume“ in M 4. Ihn stören die „Lockangebote“ in den Supermärkten: „Dort wissen sie genau, was sie tun müssen, um mehr Kunden in die Läden zu holen.“ Er findet es „unglaublich“, dass Lebensmittelketten zehn Tulpen für 1,99 Euro verkaufen. Deren Qualität sei meist schlechter, der Preis „utopisch“. „Selbst als Händler auf dem Großmarkt bekomme ich diesen Preis nicht.“

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„Die Lebensmittelketten haben schon immer Werbung für Blumen gemacht“, sagt Hans-Peter Kull, „aber im Moment ist es sehr auffällig“. Dafür hat er kein Verständnis: „Ich finde es nicht okay, dass sie jetzt aktiv Werbung für Blumensträuße machen.“ Als er im ersten Lockdown sein Geschäft offenhalten durfte, habe er auf Werbung verzichtet: „Es ist nicht fair, mit dem Leid der anderen Geld zu machen.“

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Wütend darüber ist auch Hans-Georg Biller. Das geschäftsführende Vorstandsmitglied des Blumengroßmarkts Mannheim macht auf der Homepage in einem offenen Brief an die Kunden seinem Unverständnis über die Corona-Maßnahmen Luft. Sein Frust richtet sich vor allem gegen den Lebensmitteleinzelhandel. „Aufmerksamen Beobachtern ist aufgefallen, dass es zwischenzeitlich Doppelseiten in den Werbeprospekten gibt, wo Blumen angeboten werden.“ Die offizielle Vorgabe, dass Non-Food-Sortimente nicht ausgeweitet werden dürfen, werde vom Lebensmitteleinzelhandel „mit Füßen getreten“.

Zudem ärgert Biller die ständige Verlängerung des Lockdowns: „Dass sich das Infektionsgeschehen zu großen Teilen in Alten- und Pflegeheimen abspielt, die man offenbar nicht in der Lage ist, ausreichend zu schützen, scheint die Politik, die dafür die Verantwortung trägt, bei ihren Entscheidungen nicht zu interessieren.“ Man müsse sich zunehmend die Frage stellen, „wo diese einseitige ,Schließungsstrategie‘ eigentlich hinführen soll“.

Dass in den drei Bundesländern der Region unterschiedliche Regeln gelten, können auch die Händler nicht nachvollziehen: „Ein Dreiländereck bringt Schwierigkeiten mit sich“, sagt Beier, „das führt zu einem gewissen Tourismus.“ „Unverständlich“, ärgert sich Kull.

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