Umfrage - Sportbegeisterte suchen wegen geschlossener Hallen und Einrichtungen nach Alternativen, um weiterhin aktiv zu bleiben Lockdown statt Fitnessstudio - wie halten sich Mannheimer fit?

Von 
Tanja Capuana-Parisi
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Jessica Heck (rechts, roter Pulli) und Sandra Regen (links, grüner Pulli) trotzen dem Winter und halten sich mit Seilspringen warm und fit. © Tanja Capuana-Parisi

Mannheim. Aufgrund des Lockdowns haben aktuell auch Freizeiteinrichtungen wie Fitnessstudios und Schwimmbäder geschlossen. Dabei zieht es gerade im Winter viele Trainingsbegeisterte ins Warme. Wie halten sich die Mannheimer fit? Wir haben uns am Unteren Luisenpark umgehört. 

Freizeit Fitnessstudio-Alternativen gesucht: Sport im Lockdown in Mannheim

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Auf dem Areal sind am Samstagnachmittag viele Jogger unterwegs. Zu ihnen gehört Judith, die ihren vollen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Ich mache normalerweise viel Sport“, sagt die junge Frau. Unter anderem neben Laufsport auch Zirkeltraining,. Dass die Fitnessstudios geschlossen haben, findet sie nicht so schlimm, allerdings findet sie es schade, dass Studios, wo sie Crossfit und Aerial Hoop macht, zu sind. Aerial Hoop ist eine Sportart bei der mit einem Reifen Akrobatik gemacht und getanzt wird. Momentan hält sie sich mit Hoch-Intensivem-Intervalltraining (HIIT) daheim fit und läuft zweimal die Woche. „Die anderen Sachen mache ich einfach lieber“, sagt sie. „Aber da muss man durch.“

Outdoor-Sport als Ausweichmöglichkeit

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Tobias Heidinger und seine Freundin Andreia Silva nutzen die Sportanlage im Park. „Wir spielen Ultimate Frisbee“, sagt er. Silva joggt zudem. Dass die Fitnessstudios geschlossen sind, findet die Intensivkrankenschwester, die Covid19-Patienten betreut, zwar persönlich schade. „Wenn ich abends um 21 oder 22 Uhr heimkomme, ist es zu spät zum Joggen“, sagt sie. Studios, die 24 Stunden geöffnet waren, seien in dem Fall für sie praktisch gewesen. „Ich bin aber trotzdem froh, dass die Fitnessstudios zu sind.“ Sonst wäre die Situation auf ihrer Station noch schlimmer. Ihr Partner ist erleichtert, dass die Sportanlage wieder geöffnet ist. „Man hat die Leute nicht davon abgehalten, Sport zu machen“, sagt er. Stattdessen habe es dafür gesorgt, dass es woanders eng zuging oder Spielplätze als Trainingsstätte genutzt wurden. „Jetzt ist es koordinierter. Man kann sich hier aus dem Weg gehen.“

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Heiko Holzmann spielt mit seiner Familie Tennis, geht Schlittschuhlaufen, Schwimmen und in die Trampolinhalle. Vor allem dass Tennishallen geschlossen sind, findet er schade. „Da könnte man Abstand halten.“ Um in Bewegung zu bleiben, betreibt er Outdoor-Sport am Unteren Luisenpark. „Wir kommen oft hierher.“

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Bei Jessica Heck und Sandra Regen steht Seilspringen hoch im Kurs. Die beiden jungen Frauen nehmen mit ihrem Verein in Seckenheim auch an Wettbewerben teil. Die Weltmeisterschaft sei jedoch aufgrund der Pandemie abgesagt, sagt Heck. „Wir trainieren normalerweise in der Halle“, sagt sie. Da das nicht möglich ist, haben sich die beiden 22-Jährigen am Unteren Luisenpark getroffen. „Hier auf dem Boden ist es gut und es laufen nicht so viele Leute herum“, sagt Regen. 

Training mit dem eigenen Körpergewicht

Sara Mutlu begleitet ihre Mitbewohnerin zum Outdoor-Training. Sie selbst sportelt aktuell am liebsten daheim. „Ich trainiere mit Bändern und Gewichten“, verrät sie. Robin Krakowski ist gut in Form: Er macht Calisthenics, ein Kraftsport, bei dem die Athleten mit dem eigenen Körpergewicht, unter anderem an Ringen oder Reck arbeiten. Dazu gehören auch Klimmzüge und Liegestütze.  „Im Winter war ich bisher nie draußen“, sagt er. Doch seit die Fitnessstudios zu sind, trainiere er verstärkt draußen. Nebenan übt Sarah Winter mühelos einen Spagat an der Kletterwand und vollführt einen beeindruckenden Felgaufschwung.  „Ich gehe Joggen und mache Kraftübungen“, sagt die 25-Jährige. „Ins Fitnessstudio gehe ich nie und ich schwimme eher im Sommer.“ Sie bemängelt zwar, dass es durch den Lockdown an den Freiluftgeräten voller sei. „Aber es ist auch schön, wenn die Leute sich trotzdem bewegen.“

Noah Fleischer macht Triathlon. „Bei der MTG haben wir den Luxus einer Indoor-Leichtathletik-Halle“, erzählt der 32-Jährige. Vor allem in der kalten Jahreszeit sei das praktisch. „Wenn Schnee liegt, sind die Bahnen rutschig“, sagt er. Aktuell haben jedoch nur die Kader-Athleten Zugang zur Halle. Auch die Langlaufsaison ist für Fleischer ins Wasser gefallen. Zwar habe es tolle Schneeverhältnisse am Schwarzwald gegeben, doch Tagestouristen seien dort nicht gern gesehen gewesen. Fit hält sich der Mannheimer aus der Oststadt unter anderem mit Laufen am Unteren Luisenpark, am Rhein oder Neckar. „Ich laufen mit meiner Lebensgefährtin oder mit einem weiteren Vereinskollegen.“ Zudem stärkt er im Homeworkout via Internet seine Rumpfmuskulatur. Fleischer, der selbst eine Trainerlizenz hat, befürchtet, dass die aktuelle Zeit an Vereinen finanziell nicht spurlos vorübergeht, da viele Mitglieder sich abmelden. 

Beim Lockdown im Frühjahr hat Seda Yüksel auch eine Fitness-App genutzt. „In der ersten Quarantäne war ich hochmotiviert, habe meine Ernährung umgestellt“, erzählt sie. Zwischen vier bis fünfmal pro Woche trainierte die 28-Jährige. Beim zweiten Lockdown ließ die Mannheimerin Fitness zunächst ausfallen. „Seit ein paar Tagen habe ich wieder angefangen, Sport zu machen“, sagt Yüksel. Sie macht unter anderem Kraftraining mit Squats und Liegestütze. 

Anne und Tuba gehen es lieber gemütlich an; die beiden Frauen gehen gern gemeinsam spazieren. „Ich gehe aber auch alleine und telefoniere dabei“, sagt Anne. Ihr ist es wichtig, frische Luft zu schnappen und in Bewegung zu bleiben. „Ich möchte rauskommen“, sagt Tuba. „Soviel wie ich aktuell Spazieren gehe, habe ich das vorher noch nie gemacht.“

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