Sicherheit - Polizeipräsidium stellt Kriminalstatistik 2020 vor / Straßenkriminalität gesunken / Cybercrime auch in Mannheim deutlich gestiegen Kriminalstatistik Mannheim: Pandemie bremst Verbrechen auf der Straße aus

Von 
Lisa Wazulin
Lesedauer: 
Maskenpflicht, Abstandsgebot oder Betriebsschließungen - die Polizeikontrollen seit der Pandemie haben das Verbrechen von der Straße ins Internet verlagert. © Dieter Leder

Mannheim. Kaum Kontakte, viel Homeoffice und vor allem erheblich mehr Polizisten auf den Straßen, um die Regeln zu kontrollieren – die Pandemie wirkt sich auch deutlich auf das Verbrechen aus: Das Polizeipräsidium Mannheim verzeichnet in Mannheim so wenige Straftaten wie seit zehn Jahren nicht mehr.

AdUnit urban-intext1

Das geht aus den Zahlen der neuen Kriminalstatistik für 2020 hervor. Das vorläufige Fazit der Behörde: Der positive Trend der sinkenden Straftaten setzt sich fort. Zwar werden wegen der Pandemie Taten entweder gar nicht oder anders begangen. „Über die Jahre betrachtet ist der positive Rückgang nicht nur der Pandemie geschuldet“, sagt Polizeipräsident Andreas Stenger. Wo sich die Auswirkungen der Pandemie in der Kriminalstatistik für Mannheim am auffälligsten zeigen – ein Überblick:

Straßenkriminalität

In allen Bereichen gibt es hier teils deutliche Rückgänge. Dazu zählen beispielsweise Diebstähle von Fahrrädern, Automaten oder Handtaschenraub. Aber auch Sachbeschädigungen an Kraftfahrzeugen sowie Autodiebstähle. Der Rückgang lässt sich deutlich auf die hohe Polizeipräsenz auf der Straße zur Kontrolle der Corona-Verordnungen zurückführen. Das hat laut Polizei das Entdeckungsrisiko erhöht und viele potenzielle Täter abgeschreckt. In der Quadratestadt sind die Delikte so um 11,7 Prozent auf 5219 Straftaten gesunken. Weitere Gründe für den Rückgang sind auch die Ausgangsbeschränkungen, der geschlossene Einzelhandel und die damit niedrigeren Besucherzahlen der Innenstadt.

AdUnit urban-intext2

Sexualdelikte

Die Anzahl der Sexualstraftaten im öffentlichen Raum mit weiblichen Opfern ist stark gestiegen: Von 134 Opfern waren 122 Frauen. Besonders auffällig dabei: 106 davon waren junge Migrantinnen. Zu den Sexualstraftaten zählt auch das Verbreiten von pornografischen Inhalten über Messengerdienste. Und die Vielzahl an Exhibitionisten, die oft Serientäter sind.

AdUnit urban-intext3

Wohnungseinbrüche

AdUnit urban-intext4

Mit einem Rückgang um 25 Prozent auf 201 Fälle liegt die Zahl der Wohnungseinbrüche auf dem tiefsten Stand seit 15 Jahren. Mit der Aufklärungsquote von 27,9 Prozent ist Mannheim landesweit vorne. „Sicherlich kann der Rückgang auch daran liegen, dass die Menschen aufgrund von Homeoffice und Ausgangsbeschränkungen mehr zu Hause waren. Die Ermittlungserfolge und die immens gestiegene Aufklärungsquote haben mit Corona nichts zu tun. Sie sind das Resultat einer engagierten und qualifizierten Polizeiarbeit“, erklärt Präsident Andreas Stenger. Auch die Prävention zahlt sich aus: Die Hälfte aller Einbrüche ist wegen guter Sicherungstechnik schon im Versuchsstadium gescheitert.

Kriminalität in Mannheim im Überblick:

 

Neue Betrugsmaschen

Ein neues Phänomen, das erst in der Pandemie aufgekommen ist, stellt der Subventionsbetrug bei den Corona-Soforthilfen dar. Im Einsatzgebiet des Polizeipräsidiums hat die Kriminalpolizei bislang 65 Fälle von Subventionsbetrug bearbeitet. In der zweiten Jahreshälfte 2020 wurden zahlreiche Vorfälle registriert, bei denen wohl falsche Gesundheitszeugnisse erstellt wurden, die von der Maskenpflicht befreien sollen.

Insgesamt gab es 56 Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Ausstellens unrichtiger Gesundheitszeugnisse, 2019 waren es nur fünf Fälle. Parallel dazu gab es 17 Ermittlungsverfahren wegen des Gebrauchs unrichtiger Gesundheitszeugnisse, 2019 waren es 13.

Cybercrime/Computerkriminalität

Deutlich zugenommen hat hingegen der als Cybercrime erfasste Computerbetrug auch bei den Online-Geschäften. „Es scheint, dass auch die Täter ins Homeoffice gegangen sind“, deutet Polizeipräsident Stenger die Entwicklung an. Das liegt daran, dass während der Pandemie auch die Online-Einkäufe aufgrund der Ladenschließungen zugenommen haben.

Wer online shoppen geht, hat naturgemäß ein erhöhtes Risiko, Opfer von Computerbetrügern zu werden. Der Identitätsdiebstahl, in dem zum Beispiel Trojaner Daten des Onlinebankings ausspionieren, steigt mit der digitalen Transformation der Gesellschaft seit Jahren auch stetig an. Trojaner werden meist über per E-Mail zugesandte Fake-Links (Falschen Internetseiten) verschickt. Ein Klick darauf führt dazu, dass Daten auch auf Mobiltelefonen ausgespäht und missbraucht werden. Insgesamt weist das Polizeipräsidium bei Cybercrime und Computerkriminalität die höchsten Fallzahlen landesweit aus.

Partnergewalt

Die Fälle in Mannheim sind stark gestiegen, um 63,2 Prozent. Laut Stenger registriert die Polizei nicht erst seit 2020, sondern seit Oktober 2019 deutlich steigende Fallzahlen. Genau zu diesem Zeitpunkt startete das Projekt High-Risk-Management Häusliche Gewalt. „Natürlich gibt es Auswirkungen aufgrund der Pandemie, und diese nehmen wir ernst“, betont Stenger.

Aufgrund der intensivierten Zusammenarbeit mit anderen Behörden, der örtlichen Helferstruktur und der allgemeinen Sensibilisierung für das Thema würden Fälle jetzt früher erkannt und betroffene Frauen verstärkt dazu animiert, Anzeige bei der Polizei zu erstatten. „Die Zahlen steigen auch, weil das behörden- und institutionenübergreifende Projekt wirkt. Wir können früher und besser helfen und Frauen ermutigen, sich Hilfe zu holen und Gewalt nicht länger zu erdulden. So kommen Gewalttaten ans Licht, die vorher hinter verschlossenen Türen im Dunkelfeld verborgen blieben.“

Straftaten in den Stadtteilen

Insgesamt sind die Straftaten in den Stadtteilen um neun Prozent gesunken. Leichte Anstiege gibt es in Wallstadt, Seckenheim, Käfertal und Waldhof, in den restlichen Stadtteilen gingen die Zahlen deutlich nach unten. Auch im Jungbusch. „Der Jungbusch entwickelt sich auch über die Jahre betrachtet positiv“, sagt Polizeipräsident Andreas Stenger.

Mehr zum Thema

Kommentar Pandemie bremst Verbrecher aus - noch

Veröffentlicht
Von
Lisa Wazulin
Mehr erfahren

Sicherheitsbefragung Angst vor Verbrechen deutlich gesunken

Veröffentlicht
Von
lia
Mehr erfahren

Redaktion Lokalredaktion,Online-Koordinatorin. Schwerpunkte: Polizei, Hochschulen, Frauen,