Gericht - Kinderfrau soll wegen Corona zuhause geblieben sein / Beide Seiten einigen sich auf Vergleich statt fristloser Kündigung Kinderfrau soll wegen Corona zuhause geblieben sein - Vergleich statt fristloser Kündigung

Von 
Waltraud Kirsch-Mayer
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Mannheim. Klagen, die während der Corona-Schließung liegengeblieben sind - sie dominieren derzeit beim Arbeitsgericht in E 7. Kündigungskonflikte in Zusammenhang mit der Pandemie gibt es bislang nur spärlich, die befürchtete Streitwelle steht noch aus. Wie das Virus indirekt einen Mini-Job „attackierte“ , blitzt bei einem Einzelrichter-Gütetermin auf. Nach zähem Ringen einigen sich die Parteien auf einen Vergleich.

Um Angst vor Corona dreht sich ein Termin am Arbeitsgericht. © Imago
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Seit das Arbeitsgericht wieder geöffnet hat, gibt es pro Stockwerk lediglich einen Saal mit weit auseinander gestellten Zuschauerstühlen für Verhandlungen - damit sich auf dem Flur möglichst wenige Menschen begegnen. Arbeitsrichter Ralf Büschler hat Fensterjalousien heruntergelassen, damit sich im Plexiglas der neuen Schutzscheiben vorbeifahrende Straßenbahnen nicht spiegeln und dadurch die E-Akte auf dem Monitor verschwimmt. Sein Angebot, im Sitzungssaal Nase-Mund-Masken abzulegen, nehmen die Parteien erleichtert an.

„Schmeißen Geld raus“

Der Konflikt kreist um die fristlose Kündigung einer mit Mini-Job angestellten Kinderfrau. Die Arbeitgeberin, eine Juristin, wirft der Betreuerin ihres Töchterchens vor, sie sei Mitte März aus Angst vor einer Corona-Infektion an einem fest vereinbarten Tag „einfach nicht gekommen“ und habe die Woche darauf eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorgelegt. Die Kinderfrau und deren Anwalt verweisen auf einen ganztägigen Handwerkertermin aufgrund einer umfangreichen Reparatur im Haus der Frau. Die spätere Krankmeldung sei wegen orthopädischer Beschwerden erfolgt. Bei dem Gütetermin driften die Aussagen, welche Betreuungstage für das Mädchen verabredet worden sind, ziemlich auseinander. Für Irritation sorgt, dass die Kinderfrau ihrer Arbeitgeberin in einem Smartphone-Chat mitteilte, sie würde angesichts all der Corona-Meldungen „am liebsten zuhause bleiben“.

Die Juristin betont mehrfach, dass sie sich bei ihren Auswärtsterminen von der angestellten Hilfe „im Stich gelassen fühlte“ und nicht bereit sei, „dafür auch noch zu zahlen“. Hingegen erklärt der Arbeitsrichter, dass es für eine fristlose Kündigung „wohl nicht reichen dürfte“: weil für den Vorwurf der Arbeitsverweigerung die Abmahnung fehlt und für das Vortäuschen einer Erkrankung keinerlei Beweise vorliegen. Die entlassene Kinderfrau fordert auf der Grundlage einer ordentlichen Kündigung Lohn für den halben März und den kompletten April, außerdem Ausgleich für drei ausstehende Urlaubstage. „768 Euro oder ein Urteil“, formuliert unmissverständlich ihr Anwalt. „Kommt nicht infrage“, kontert die Juristin und kündigt an, weiter prozessieren zu wollen. „Da schmeißen Sie Geld zum Fenster raus“, gibt Güterichter Büschler zu bedenken. Sein Vorschlag, sich finanziell in der Mitte zu treffen, findet keinen Anklang.

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Schließlich einigen sich beide Seiten auf den vom Gericht vorgeschlagenen Kompromiss, dass lediglich ausstehender Lohn in Höhe von 650 Euro brutto vom 18. März bis 30. April nachgezahlt wird. Bevor die Parteien den Saal verlassen, setzen alle wieder ihre Masken auf - denn die sind außerhalb der Verhandlung im Gerichtsgebäude Pflicht.

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