Soziales - Frank Herrmann Stiftung feiert 25-jähriges Bestehen / Wohnungen und Hilfe für psychisch Kranke Kampf gegen die Ausgrenzung

Von 
Peter W. Ragge
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Bis zum Abitur ging alles gut, auch bei der Banklehre war alles noch prima. Aber dann kam die Angst, schleichend und immer mehr um sich greifend. Am Ende war Frank Herrmann tot. Doch sein Vater Will Herrmann gab nicht auf, sondern entwickelte eine ungeheure Kraft. Er gründete vor 25 Jahren die Frank Herrmann Stiftung, damit psychische Erkrankungen nicht länger ein Tabuthema sind und Kranke nicht mehr ausgegrenzt werden.

Die Vorstände der Frank Herrmann Stiftung vor dem von ihr erbauten Wohnhaus: v.l. Marcus Fähnle, Gründer Will Herrmann und Olaf Jutt. © Tröster
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Eigentlich will er nicht viel über sich selbst reden. Dafür ist Will Herrmann, 86 Jahre alt und Betriebswirt, viel zu bescheiden. „Es war mir einfach ein inneres Bedürfnis“, sagt er. Er wollte sich nach dem Tod seines Sohnes nicht zurückziehen, sondern helfen, dass es anderen Menschen mit dem gleichen Schicksal besser geht. Daraus hat er immer wieder Mut und Kraft geschöpft, nicht aufgegeben, sich mit viel Hartnäckigkeit durchgekämpft, Widerstände und Skepsis überwunden sowie oft im Stillen geholfen, wo es der Staat nicht tut – bei einem Thema, das sonst oft totgeschwiegen wird.

Benefiz-Matinee

  • Mit einer Matinee unter dem Titel „Wörtliches und Liederliches aus der Welt des Theaters“ feiert die Frank Herrmann Stiftung am Sonntag, 20. Oktober, um 11 Uhr im Festsaal des Theresienkrankenhauses, Bassermannstraße, ihr Jubiläum. Dabei bieten fünf bekannte Mannheimer Künstler einen vergnüglichen musikalischen Vormittag.
  • Mit dabei sind aus der Oper des Nationaltheaters Uwe Eikötter und Kammersänger Thomas Jesatko, vom Schauspielensemble Ragna Pitoll. Zudem kommt Reinhard Mahlberg, der zwar Schauspielintendant Burkhard Kosminski zum Württembergischen Staatstheater Stuttgart folgte, sich aber weiter Mannheim verbunden fühlt. Als „Orchester“ am Flügel fungiert der frühere Chordirektor Georg Metz.
  • Der Eintritt ist frei. Um Spenden wird gebeten. pwr

Wohnhaus gebaut

Es fing ganz klein an. Im St. Anna-Haus, einem therapeutischen Wohnheim für psychisch kranke und behinderte Menschen der Caritas im Casterfeld, hat sein Sohn zuletzt gelebt – mit starken Medikamenten. Mit den Eltern anderer Betroffener tauschte Will Herrmann sich aus. Schnell kamen sie zu dem Ergebnis, dass Wohnraum für psychisch Kranke fehlt. „Dann machen wir doch eine Stiftung“, schlug Herrmann vor – und ging es an.

Einige Angehörige hätten sofort mitgeholfen, andere sich zurückgezogen. Aber sein Freundeskreis, seine Freude aus der Mannheimer Herrengesellschaft „Räuberhöhle“, Reinhold Hoffmann, damals stellvertretender Leiter des Sozialamtes – sie alle hätten ihm vom ersten Tag an beigestanden, ihn ermuntert und unterstützt, das sensible Thema anzupacken, so Herrmann dankbar.

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So setzt sich die Stiftung nun seit 1994 dafür ein, dass psychisch Kranke nicht ausgegrenzt oder in ein Heim abgeschoben werden, sondern unter dem Motto „Leben ist Begegnung“ einen – beschützten – Platz in der Gesellschaft haben.

1999 baute die Stiftung im Casterfeld ein Haus, wo Betroffene selbstständig leben, aber betreut werden. Bewusst trägt das Haus nicht den Namen des Sohnes des Stifters; es findet sich kein Schild, das auf Hintergründe der Bewohner verweist – um eine Stigmatisierung zu verhindern. Doch Will Herrmann ist stolz, wie segensreich sich dieses Haus ausgewirkt hat. Der Gesundheitszustand der Bewohner habe sich durch die Kombination aus selbstständigem Leben und Betreuung, wenn sie nötig ist, kontinuierlich gebessert. Einige können sogar arbeiten.

Sport als Therapie

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Im geplanten Caritas-Neubau auf dem Waldhof kaufte die Stiftung zwei Appartements, um sie an psychisch Kranke zu vermieten. Zwei weitere Appartements sollen folgen. Zudem erhielt das St. Anna-Haus eine Cafeteria und eine Fahrradwerkstatt. Schließlich wurde ein Kleinbus angeschafft, damit die Bewohner zur Arbeit, zum Arzt sowie zu Ausflügen fahren können.

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Gerade erst hat die Stiftung für das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) erneut einen Sport- und Fitnessraum mit einer Spende von mehr als 7100 Euro ermöglicht. Weitere Sport-Therapieräume werden folgen. „Sport ist ein Therapiebaustein in der heutigen Psychiatrie, der nichts kostet, ohne Chemie ist und Früchte trägt, wofür in Kliniken aber oft kein Geld da ist“, begründet das Arzt Marcus Fähnle.

Der Internist sowie Olaf Jutt stehen Vorstand Will Herrmann als Stellvertreter zur Seite und wollen langfristig den Fortbestand der Stiftung sichern. Wichtige Unterstützung erhält der Vorstand vom Beirat, als dessen Vorsitzender Wirtschaftsprüfer Ralf König fungiert, und vom Verlag Waldkirch, der zum Jubiläum eine Festschrift produzierte. Seit 1994 hat die Stiftung immerhin über 500 000 Euro an Spenden eingenommen – und ausgegeben, wobei alle ehrenamtlich arbeiten, jede Spende 1:1 weitergegeben wird.

Doch trotz des ernsten Themas – stets ist der Stiftung wichtig, dem Leben auch eine heitere Seite abzugewinnen. Dafür sorgen jährliche, sehr vergnügliche Benefizmatineen, für die sich namhafte Künstler immer ohne Gage zur Verfügung stellen. Mit solch einer Matinee und der Hoffnung auf weitere Spenden wird am Sonntag das Jubiläum gefeiert.

Redaktion Chefreporter