Schule - Bei einem vom Gesamtelternbeirat organisierten virtuellen Erfahrungsaustausch äußern Eltern viel Frust und Unsicherheit Jahr abhaken und alles auf einen Neustart zurücksetzen

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Stefanie Ball
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Einige Eltern berichteten bei dem virtuellen Gespräch über ihre Erfahrungen mit der Lernplattform Moodle. © dpa

Mannheim. Selten bis gar kein Online-Unterricht, dafür Tagespläne, die abgearbeitet werden müssen, keine Rückmeldung der Lehrkräfte, kein Lob, keine Korrektur, keine Erreichbarkeit, keine Anwesenheitskontrolle, wenn dann doch mal online unterrichtet wird – viele Eltern äußern sich während eines virtuellen Erfahrungsaustausches „extrem unzufrieden“ bis „zutiefst enttäuscht“. Eingeladen zu dem Gespräch hat der Gesamtelternbeirat der Stadt Mannheim (GEB); er will Fragen und Kritik der Eltern – mehr als 200 haben sich zur Zusammenkunft angemeldet – nun sammeln und sichten und in einem offenen Brief an das Kultusministerium in Stuttgart weitergeben.

Rückkehr in die Schulen ab Montag

  • Die Grundschulen starten ab Montag mit einem Wechselbetrieb, je zwei Klassenstufen erhalten Präsenzunterricht, die beiden anderen Klassenstufen lernen von zu Hause aus. Die Klassen im Präsenzunterricht werden geteilt.
  • Der Präsenzunterricht sollte mindestens zehn Stunden pro Woche umfassen, in der Regel läuft das auf zwei Stunden Unterricht pro Tag hinaus.
  • Die Notbetreuung geht weiter, und zwar für Grundschulkinder, die jeweils nicht im Präsenzunterricht sind und Anspruch auf Notbetreuung haben, weil beide Elternteile nicht im Homeoffice arbeiten können.
  • Auch die Abschlussklassen dürfen wieder in die Schule, wie viele Stunden ihr Präsenzunterricht umfasst, entscheiden die Schulen selbst. Präsenzpflicht besteht nicht –Eltern können ihre Kinder auch zu Hause lassen. (sba)
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„Was ich mir wünschen würde, wäre, dass es vonseiten der Kultusministerien Empfehlungen zum Fernlernunterricht gibt, und an die müssen sich dann alle halten“, sagt ein Vater. Seinen Namen möchte er nicht nennen, nur die Schule, das Johann-Sebastian-Bach-Gymnasium in Neckarau. Er habe das Gespräch mit der Schulleitung gesucht, ohne Erfolg, erzählt er weiter.

Sorge um Bildungsgerechtigkeit

Auch andere Eltern äußern sich frustriert, sie fürchten um die Bildungsgerechtigkeit der Kinder, weil viel dem Zufall überlassen bleibe. Wer Glück habe, habe engagierte Lehrkräfte, dann sei vieles möglich – auch davon berichten Eltern: von einem Fernlernunterricht nach Stundenplan und präsenten Lehrern in Zeiten des Fernlernunterrichts, der seit nunmehr Mitte Dezember andauert. Doch das sei eben nicht überall der Fall, und dann seien die Folgen für die Kinder fatal, berichtet eine Mutter, dessen Sohn in die neunte Klasse der Tulla-Realschule geht. „Die Motivation ist nicht mehr vorhanden.“ Auch sie habe das Gespräch mit den Lehrern gesucht.

„Die Antwort war: Wir wollen Moodle nicht nutzen.“ Moodle ist eine Lernplattform, mit der inzwischen viele Schulen in Baden-Württemberg ihren Fernlernunterricht gestalten. Verpflichtend ist das nicht – wie überhaupt Lehrkräfte in der Wahl ihrer pädagogischen Mittel frei sind. Ein Anrecht auf Online-Unterricht gibt es nicht.

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Dass sich Eltern oft allein gelassen fühlen, davon berichtet eine andere Mutter. Sie hat zwei Kinder, einen Viertklässler und einen Siebtklässler, am Johanna-Geissmar-Gymnasium. „Ich arbeite 100 Prozent im Homeoffice, ich kann nicht mein Meeting unterbrechen und rübergehen, um Fragen zu beantworten.“ So falle das Kind hinten über, was sich bereits in schlechteren Noten im Halbjahreszeugnis niedergeschlagen habe. „Es gibt nur Lippenbekenntnisse der Politik, dass den Kindern keine Benachteiligungen entstehen sollen.“

So sorgt vor allem das Festhalten am Lehrplan bei Eltern für Unverständnis. Sie fordern, sich auf Kernfächer wie Deutsch und Mathematik zu konzentrieren und ansonsten den bereits im ersten Lockdown im Frühjahr versäumten Stoff nachzuholen. Im Chat, der parallel zum Online-Austausch erfolgt, schreibt eine Mutter: „Ein erheblicher Teil der Schüler schöpft Motivation über die Bindung an ihre soziale Gruppe. Der Onlineunterricht kann das nicht ersetzen. Mitunter schöpfen sie ihr Interesse am Lernstoff sogar aus der Bindung an den Lehrer. Diese Wahrheit kristallisiert sich im Laufe des Lockdowns immer stärker heraus.“

Zwei Stunden Unterricht pro Tag

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Derweil blicken Eltern von Grundschülern mit bangem Blick auf die nächsten Wochen; zwar öffnen die Grundschulen ab diesem Montag wieder, allerdings nur im Wechselbetrieb. De facto bedeute das alle zwei Wochen Präsenzunterricht mit zwei Stunden Unterricht pro Tag. „Ich unterbreche mein Meeting also um 9.30 Uhr und hole mein Kind von der Schule ab, um es später wieder zum Hort hinzubringen“, erzählt eine Mutter. Außer den Schulen hat auch die Hortbetreuung geöffnet, allerdings kann eine Betreuungslücke entstehen, wenn ein Kind zur frühen Schicht in die Schule geht, der Hort aber erst mittags öffnet. Und besuchen darf das Kind den Hort sowieso nur in der Woche, in der es Schule hat, nicht wenn es im Homeschooling ist.

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Am Ende schlägt ein Vater vor, das Jahr doch einfach abzuhaken. „Wir könnten das Jahr als Probelauf werten und einfach alle noch einmal zurücksetzen.“

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