Stadt - Wer einen Jagdhund hat oder einen Vierbeiner aus dem Tierheim holt, soll von jährlicher Zahlung entbunden sein / Kampfhunde bleiben davon ausgenommen Jagdhunde und Vierbeiner aus dem Tierheim von jährlicher Zahlung entbunden

Von 
Steffen Mack
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Hund im Mannheimer Tierheim an einem Tag der offenen Tür (aufgenommen im Jahr 2012). © Thomas Rittelmann

Mannheim. Der Tagesordnungspunkt Hundesteuer war nach nicht mal zwei Minuten abgehakt. In seiner jüngsten Sitzung hat der Hauptausschuss beschlossen, dass Hunde, die aus dem Tierheim geholt werden, künftig dauerhaft von der Steuer befreit sind. Bisher gilt das nur für ein Jahr. Davon ausgenommen bleiben sogenannte Listenhunde, im Volksmund Kampfhunde. Und für Jagdhunde soll ebenfalls keine Steuer mehr verlangt werden. Dass all das zusammengepackt wurde, missfällt den Grünen wie der Linken-Fraktion.

Hunde in Zahlen

  • Für einen Hund werden in Mannheim pro Jahr 108 Euro Steuer fällig.
  • Hat man mehr als einen, verlangt die Stadt für jeden weiteren 216 Euro.
  • Für sogenannte Listenhunde – also als besonders gefährlich geltende Rassen – sind es pro Tier 648 Euro.
  • Aktuell sind in Mannheim nach Angaben von Stadtsprecherin Désirée Leisner insgesamt 10 569 Hunde gemeldet, darunter 165 Kampfhunde.
  • 95 Halter sind aktuell von der Steuer befreit. Das ist seit 2017 für zwei Jahre möglich, wenn man zuvor einen Hundeführerschein macht.
  • Bei als besonders gefährlich eingestuften Rassen ist keine Steuerbefreiung möglich.
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Eigentlich war bei den Haushaltsberatungen im Dezember beschlossen worden, alle Tierheim-Vierbeiner von der Steuer zu befreien. Also auch Kampfhunde. Nun argumentiert die Stadt indes, dies würde „dem Ziel der Eindämmung der Haltung dieser Hunde zuwider laufen“.

„Nicht gefährlicher als ein Pudel“

Diese Argumentation findet Andreas Parmentier „ganz schwach“. Der Stadtrat von der Tierschutzpartei, mit den Linken und der satirischen PARTEI in einer Fraktion, hatte die Steuerbefreiung initiiert. Natürlich gebe es schlimme Listenhunde, sagt er dem „MM“. Aber das liege an ihren verantwortungslosen Besitzern. „Richtig gehalten, sind viele ganz lieb und nicht gefährlicher als ein Pudel.“ Die Vermittlung über das Tierheim ermögliche es, solche Hunde in erfahrende Hände zu geben. Damit würde ihnen erspart, nach einiger Zeit als nicht vermittelbar eingeschläfert zu werden.

Wie groß das Problem ist, zeigt ein Blick auf die Hunde, die auf der Tierheim-Homepage angeboten werden: Mehr als die Hälfte sind American Staffordshire, Pitbull-Terrier oder Mischungen der als besonders gefährlich geltenden Rassen.

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Grünen-Tierexpertin Christina Eberle befürwortet ebenfalls, Tierheim-Kampfhunde von der Steuer zu befreien. Der für sie sechsmal so hohe Betrag diene dem Ziel, die Nachfrage einzudämmen. „Diese Hunde werden in aller Regel direkt vom Züchter gekauft.“ Doch bei jenen aus dem Tierheim greife das Argument von der ordnungspolitischen Lenkung nicht. „Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.“

Das gilt aus Sicht Eberles und Parmentiers auch für Jagdhunde, die zu ihrem Ärger ebenfalls von der Steurer befreit werden sollen. Dies zu prüfen, hatte im Juli 2019 bereits die SPD beantragt. Zur Begründung hieß es, die Haltung sei im Interesse der Stadt. Schließlich würden Hunde bei der Jagd eingesetzt, um verletzte oder tote Tiere aufzuspüren.

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Nun stellte die CDU einen Antrag auf Steuerbefreiung. Als „Dank und Motivationshilfe“ für Jäger, die zuletzt etwa die Wildschweinbestände im Käfertaler Wald zur Freude der Anwohner deutlich reduziert hätten, so Fraktionschef Claudius Kranz.

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Parmentier spricht da von „reinem Jäger-Lobbyismus“. Mit Tierschutz habe dies - anders als sein Antrag - nichts mehr zu tun. Auch Eberle kritisiert: „Hobbyjäger gelten nicht als einkommensschwach.“ In diesen schwierigen Zeiten bräuchten andere sehr viel nötiger Unterstützung. Dafür solle die Stadt besser „jeden einzelnen Euro“ aufsparen.

Die Grünen forderten vergeblich, über Tierheim- und Jagdhunde getrennt abzustimmen. Oberbürgermeister Peter Kurz lehnte das mit der Begründung ab, es handele sich ja um ein- und dieselbe Satzungsänderung. Der Linken-Antrag, die Jäger-Befreiung rauszustreichen, fand keine Mehrheit. Eberle hofft, dass das letzte Wort da noch nicht gesprochen ist. Am kommenden Dienstag, wenn der Gemeinderat den Beschluss des Hauptausschusses absegnen soll, „müssen wir darüber auf alle Fälle noch mal diskutieren“.

Und wie ist aktuell die Lage im Tierheim? „Recht ruhig“, berichtet Leiterin Andrea Hoffart. Besuche seien nicht möglich, Tiere könnten nur nach telefonischer Absprache in Einzelfällen vermittelt werden. Aber die Nachfrage nach Hunden sei auch nicht größer als in normalen Zeiten. Mit einem Unterschied: „Viele Leute hätten jetzt gern einen nur zum Gassigehen.“ Doch das lasse sich derzeit schwer organisieren, so Hoffart. Und generell gehe es ihnen natürlich um dauerhafte Vermittlungen.

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Redaktion Steffen Mack schreibt als Reporter über Mannheimer Themen