„In Chemie kann bei uns keiner helfen“

Von 
Timo Schmidhuber
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Hilfe bei den Schulaufgaben – Eltern sind aktuell sehr gefordert, wie auch auf unserem Symbolbild zu sehen ist. © Istock

Mannheim. Seit zwei Wochen sind die Schulen zu, die Lehrer geben den Kindern Aufgaben, die sie abarbeiten sollen. Wir haben Mannheimer Eltern nach einer ersten Bilanz der „Schule zuhause“ gefragt. 

Aufruf

  • Wie sind Ihre Erfahrungen mit der "Schule zuhause"?
  • Wir freuen uns über Ihre Zuschriften unter lokal@mamo.de.

Torsten Better

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Kinder: Sohn in Klasse 5 der Inte-grierten Gesamtschule Herzogenried, Tochter in Klasse 3 der Johann-Peter-Hebel-Schule in Neuostheim.

Betreuungssituation: Beide Eltern arbeiten weitgehend im Homeoffice.

Wie ist die Kommunikation zwischen Schülern und Lehrern geregelt?

Mein Sohn hat am letzten Schultag für die gesamte Zeit Wochenpläne für die Fächer Mathe, Deutsch und Englisch bekommen, außerdem Aufgaben für Erdkunde und Bio. Die erledigten Aufgaben müssen sie nicht an die Lehrer schicken, es gibt Lösungsblätter. Wir können aber per E-Mail mit den Lehrern Kontakt aufnehmen. Auch meine Tochter hat ein Paket mit vielen Aufgaben zu allen Fächern bekommen. Ihre Lehrerin hat kürzlich per Mail auch einen Brief an die Kinder geschickt. Sie wollte wissen, wie es ihnen geht, und hat gesagt, dass sie sich über Nachrichten freue.

Was sind die positiven Erkenntnisse der „Schule zuhause“?

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Wir bekommen viel besser mit, was die Kinder in der Schule machen und auf welchem Stand sie sind. Und es gelingt mir auch besser als erwartet, sie zu motivieren.

Wo gibt es Schwierigkeiten?

Dass die Kinder am Vormittag brav am Schreibtisch sitzen und ihre Aufgaben machen, während die Eltern im Homeoffice arbeiten, das ist eine Utopie. Die Eltern müssen viel unterstützen, sie müssen mit den Kindern besprechen, wann sie welche Aufgaben machen, und die Sachen kontrollieren.

Daniela Krug

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Kinder: Sohn in Klasse 5, Tochter in Klasse 9, beide Geschwister-Scholl-Realschule auf der Vogelstang.

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Betreuungssituation: Daniela Krug ist zuhause, ihr Mann Vollzeit bei der Arbeit in der Firma.

Wie ist die Kommunikation zwischen Schülern und Lehrern geregelt?

Unsere Schule nutzt die Lernplattform Moodle. Wenn sich die Kinder dort einloggen, kommen sie in einen eigenen Bereich für ihre Klassen. Dort sind für die Hauptfächer Wochenpläne mit Aufgaben hinterlegt, die genaue Einteilung ist Sache der Schüler oder der Eltern. Die Plattform hat in den ersten Tagen nicht funktioniert. Mein Sohn hatte die ersten Wochenpläne am letzten Schultag zum Glück noch auf Papier bekommen, aber meine Tochter konnte ihre Aufgaben nicht abrufen. Inzwischen funktioniert aber alles. Die Klassenlehrerin von meinem Sohn hat kürzlich auch alle Schüler angerufen und gefragt, wie es läuft – das fand ich gut. Auch dem Mathelehrer haben wir vor Kurzem eine E-Mail mit einer Frage geschrieben und gleich eine Antwort bekommen.

Was sind die positiven Erkenntnisse der „Schule zuhause“?

Als Eltern kann man dem Kind eine direkte Rückmeldung auf seine Aufgaben geben– das ist so persönlich in der Klasse sicher nicht immer möglich. Gerade für ältere Kinder ist es zudem auch gut, dass sie ihre Zeit freier einteilen können – meine Tochter macht zum Beispiel auch gerne mal abends ihre Aufgaben.

Wo gibt es Schwierigkeiten?

Es ist viel Stoff, man muss schon schauen, dass man es sich einteilt und alles macht. Und ich muss die Kinder motivieren. Mein Sohn macht täglich mehrere Stunden Aufgaben, Fächer wie Kunst, Musik oder Sport, die einen Ausgleich bieten, fallen leider weg. In Familien, in denen beide Eltern berufstätig sind, ist es bestimmt sehr schwierig, das alles nebenher zu bewältigen.

Cornelia Ruhe

Kinder: Tochter in Klasse 5, Sohn in Klasse 9, beide Johann-Sebastian-Bach-Gymnasium in Neckarau.

Betreuung: Beide Eltern arbeiten im Homeoffice.

Wie ist die Kommunikation zwischen Schülern und Lehrern geregelt?

Die Schule nutzt die Lernplattform Moodle, das hat auch von Anfang an funktioniert. Die Kinder bekommen in allen Fächern, sogar in Kunst, Aufgaben für die Woche oder den Tag. Die Schule schickt sogar strukturierte Tagespläne, bei unserer Tochter sind es zum Beispiel vier Stunden Lernzeit, drei Stunden Bewegungszeit wie Seilspringen oder Spazieren gehen sowie eine Stunde Kreativzeit. In den meisten Fällen müssen sie die gemachten Aufgaben über die Plattform hochladen, damit die Lehrer sie sich anschauen können. Über ein Forum auf der Plattform können die Kinder Fragen stellen, die dann auch alle sehen. Sie können aber auch per Mail mit den Lehrern Kontakt aufnehmen – einige antworten schnell, andere weniger. Manche Lehrer stellen auch Videos auf die Plattform.

Was sind die positiven Erkenntnisse der „Schule zuhause“?

Man sieht, dass die Kinder sich gut organisieren können – und es ist auch schön, gemeinsam zu Hause zu sein.

Wo gibt es Schwierigkeiten?

Wir als Eltern müssen schon öfter Sachen erklären. In manchen Fächern ist das kein Problem, aber in Chemie kann bei uns keiner helfen. Unser Sohn muss sich in Mathematik zum Beispiel das Thema Sinus-, Cosinus- und Tangensfunktionen selbst erarbeiten – das ist nicht ganz so einfach.

Patrick Komischke

Kinder: Zwillingstöchter in Klasse 5 und Tochter in Klasse 8, alle drei Feudenheim-Gymnasium, außerdem eine Tochter in Kursstufe 1 des Liselotte-Gymnasiums in der Schwetzingerstadt.

Betreuungssituation: Beide Eltern arbeiten im Homeoffice.

Wie ist die Kommunikation zwischen Schülern und Lehrern geregelt?

Meine beiden Töchter in der fünften Klasse bekommen Wochenpläne per Mail und müssen die erledigten Aufgaben dann in der Regel abfotografieren oder einscannen und an die Lehrer schicken. Über ein Messengersystem, auf das alle Schüler Zugriff haben, können sie den Lehrern auch Fragen stellen und bekommen eine Antwort. Der Mathelehrer macht zum Beispiel Videos. Meine Tochter in der achten Klasse kommuniziert mit ihren Lehrern per Mail, auch sie bekommt Wochenpläne. Meine älteste Tochter in der Kursstufe hat längerfristige Projekte bekommen – sie muss jetzt zum Beispiel den „Faust“ lesen und sich damit auseinandersetzen.

Was sind die positiven Erkenntnisse der „Schule zuhause“?

Es läuft gut und strukturiert, die Kinder sind am Vormittag genauso lang mit ihren Sachen beschäftigt wie sie in der Schule wären. Ich kann zuhause meine acht Stunden nahezu ungestört arbeiten.

Wo gibt es Schwierigkeiten?

Der Ausgleich fehlt, weil die ganzen Freizeitaktivitäten nicht stattfinden.

Melanie Hetmanek-Lannert

Kinder: Sohn in Klasse 8 der Waldschule (Realschule) in der Gartenstadt.

Betreuungssituation: Melanie Hetmanek-Lannert ist als Friseurin aktuell in Kurzarbeit, ihr Mann arbeitet in Vollzeit täglich im Außendienst. Eine Tochter im Kindergartenalter ist derzeit zuhause.

Wie ist die Kommunikation zwischen Schülern und Lehrern geregelt?

Einen ersten Wochenplan mit Aufgaben in Deutsch, Mathe und Englisch sowie in Chemie hat mein Sohn noch am letzten Schultag auf Papier mitbekommen. Jetzt wird der Wochenplan per Mail verschickt, für die anderen Fächer gibt es allerdings keine Aufgaben. In Chemie mussten wir die erledigten Aufgaben an die Lehrerin zurücksenden, in den anderen Fächern dagegen wurden auch die Lösungen mitgeliefert, und die Kinder mussten die Sachen selbst kontrollieren. Nach der Zwangspause müssen sie aber alles in der Schule vorlegen. Einen Messengerdienst oder eine digitale Plattform nutzt die Klasse meines Sohnes nicht – aber die Lehrer betonen immer, dass man sich bei Fragen per Mail an sie wenden kann.

Was sind die positiven Erkenntnisse der „Schule zuhause“?

Es klappt gut, wie die Aufgaben per Mail kommen – und solange der Drucker funktioniert, ist das Ausdrucken auch kein Problem.

Wo gibt es Schwierigkeiten?

Mein Sohn denkt, er hat Ferien – er will abends lange wachbleiben und morgens ausschlafen. Man muss ihn schon darauf hinweisen, dass er etwas für die Schule tun muss.

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