PFC-Belastung - Fünf Bienenzüchter mussten Honig mit überhöhten Werten vernichten / Ursachensuche gestaltet sich schleppend / Neue Kontrollen im nächsten Jahr Imker beklagen mehrere tausend Euro Schaden

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Thorsten Langscheid
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Honig aus dem Mannheimer Norden (Symbolbild) musste wegen überhöhter PFC-Werte vernichtet werden. © dpa

Einige hundert Kilo Honig von fünf Erzeugern mussten im Mannheimer Norden wegen überhöhter Belastungswerte mit krebserregenden per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) vernichten werden. Bienenzüchter im Mannheimer Norden beklagen deshalb einen Sachschaden von insgesamt mehreren tausend Euro. Dies teilte der stellvertretende Vorsitzende des Mannheimer Bienenzüchtervereins, Günter Gauer, auf Nachfrage dieser Zeitung gestern mit. „Auf dem Schaden“, so Gauer, „bleiben die Kollegen sitzen“.

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Vorausgegangen war (wie berichtet) am Montagabend eine Informationsveranstaltung des Regierungspräsidiums Karlsruhe, von der die Öffentlichkeit ausgeschlossen worden war. Eine für gestern angekündigte Pressemitteilung der Behörde blieb aus, auf Nachfrage begründete Sprecherin Irene Feilhauer dies damit, der Text sei „noch in der Abstimmung“. Aus Teilnehmerkreisen erfuhr der „MM“, dass den Bienenzüchtern vom Regierungspräsidium zum einen angekündigt worden sei, dass ihr Honig auch im kommenden Jahr auf PFC-Werte untersucht werde. Zum anderen sollen die Imker Zertifikate erhalten, die nicht bzw. geringfügig belasteten Honig als zum Verzehr geeignet ausweisen.

Schüler-AG ebenfalls betroffen

Zum Schuljahresende im Juli war bekannt geworden, dass Honig aus dem Mannheimer Norden – ähnlich wie Spargel und Getreide von dort – mit der industriell hergestellten Chemikalie belastet ist. Eine Schülergruppe des Johanna-Geißmar-Gymnasiums im Stadtteil Schönau durfte Honig, den sie in der Imker AG produziert hatte, auf dem Schulabschlussfest nicht verkaufen oder zum Verzehr anbieten. Kontrollen hatten zudem bei vier weiteren Imkern deutlich überhöhte Belastungswerte gezeigt. Insgesamt wurden sieben Chargen Honig vernichtet, so Günter Gauer.

Was die Suche nach den Ursachen angeht, kommt aus den Reihen der Bienenzüchter deutliche Kritik an den Behörden. Dort wisse man nicht, wo man suchen solle, heißt es. Man habe sich früh auf einen Kompostbetrieb als möglichen Verursacher festgelegt. Ein Ermittlungsverfahren gegen einen Mitarbeiter des Düngemittelherstellers wurde allerdings in diesem Jahr eingestellt, da sich kein konkreter Tatverdacht erhärtete.

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Vor einem Jahr hatte die Stadt mitgeteilt, dass Spuren von PFC auf nahezu allen untersuchten Flächen nachweisbar seien. Als belastet stufen die Behörden 244 von 317 Hektar Ackerland ein. Auch bei den Beregnungsbrunnen der Landwirte sei überall PFC nachgewiesen worden, als belastet gelten 16 von 56 Bohrlöchern. Zuerst bekannt wurden die Boden-Belastungen im Jahr 2013.

Gauer und seine Imkerkollegen vermuten, dass die Chemikalie auch durch Industriebetriebe jenseits des Rheins oder Tanklager der inzwischen abgezogenen amerikanischen Truppen freigesetzt worden sein könnte. In Mittelbaden, wo wie berichtet auch Trinkwasser PFC-verseucht ist, konnten Spuren der Substanz im Blut der Anwohner nachgewiesen werden.

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