„Ich wollte einfach helfen“

Schauspielerin Uschi Glas ist Mitbegründerin von brotZeit.

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cap
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Frau Glas, warum liegt es Ihnen am Herzen, dass Schulkinder aus benachteiligten Familien frühstücken können?

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Uschi Glas: Alles begann 2008. Ich fuhr durch München und hörte im Autoradio, dass jedes vierte Kind ohne Frühstück in die Schule geht und sich nicht auf den Unterricht konzentrieren kann. Ich weiß noch genau, dass es ein herrlicher Herbsttag war und wie sehr mich diese Nachricht erschütterte. Denn ich konnte nicht verstehen, wie es in dieser schönen Stadt und in diesem reichen Land sein kann, dass Kinder hungern. Zuhause habe ich das mit meinem Mann besprochen. Ich wollte einfach helfen, und er war sehr offen dafür. Wir haben dann alle Münchner Grundschulen angefaxt und gefragt, wie die Lage tatsächlich ist. Und sie war genauso wie in dem Radio-Bericht. Mein Mann und ich haben dann zunächst Notfallboxen mit Lebensmitteln in die Klassenräume gebracht. Einige Monate später haben wir den Verein gegründet. Inzwischen versorgen wir jeden Tag mehr als 11 000 Kinder an 245 Schulen. Es liegt mir sehr am Herzen, Kindern zu helfen, die weniger Glück im Leben haben als ich. Wir wollen Chancengerechtigkeit.

Welche Herausforderungen sind seit der Corona-Pandemie auf Sie und Brotzeit zugekommen? Wie gehen Sie damit um?

Glas: Nach den Schulschließungen im Frühjahr haben der übrige Vorstand und ich permanent Kontakt zu den politischen Entscheidungsträgern in Bund und Ländern gehalten. Uns war wichtig, auf die Notlage gerade der benachteiligten Kinder hinzuweisen und diese so schnell wie möglich wieder zu versorgen. Gleichzeitig haben wir ein Vier-Phasen-Konzept erarbeitet, damit das Frühstück stattfinden kann, wenn die Schulen öffnen. Bei jeder Pandemie-Maßnahme haben wir dadurch die Gelegenheit, die Schüler zu versorgen. Wir sind auf alles vorbereitet und können unsere Essenausgabe von Bundesland zu Bundesland und dort sogar von Schule zu Schule sofort anpassen. Das ist äußerst erfolgreich, so dass wir wieder an fast an allen Schulen aktiv sein können.

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Wie sehen Ihre künftigen Pläne und Ideen für Brotzeit aus? Wird Ihr Projekt auf weitere Städte ausgeweitet?

Glas: Ja, wir werden immer weiter wachsen. Im Vorstand haben wir das Strategiepapier „brotZeit 2025“ beschlossen. Bis zu diesem Jahr wollen wir Kinder an 600 Schulen in ganz Deutschland mit einem Frühstück versorgen. Unser Partner Lidl, der uns von Anfang an die Lebensmittel spendet, hat zugesagt, diesen Weg mit uns gemeinsam zu gehen. Das ist ein ganz wichtiges Signal. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Pläne umzusetzen. cap

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Veröffentlicht
Von
Tanja Capuana-Parisi
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