Sicherheit - Zeuge dokumentiert Vorfall am Bellenkrappen mit Fotos / Halter missachteten Anleinpflicht ihrer Tiere Hunde greifen Schwan an

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Anika Pfisterer
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Im Waldpark sollen am vergangenen Freitag frei laufende Hunde einen Schwan angegriffen haben, der sich bei seiner Flucht in einem Gitter verfing. © privat

Mannheim. Eigentlich wollte Andreas M. (Name geändert von der Redaktion), als er mit einer Freundin auf der Reißinsel spazieren war, einen Schwan fotografieren. Doch was sich am letzten Freitagnachmittag im Waldpark vor seiner Linse abspielte, war wenig idyllisch: Es waren die Szenen einer Hetzjagd.

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Drei Hunde hatten den Schwan auf dem durch Hochwasser überspülten Gebiet am Eingang zum Bellenkrappen entdeckt und verfolgt, erzählt Andreas M. Auf seiner Flucht blieb der Schwan mit seinem Kopf zwischen den Stäben eines Gitters hängen. Die Hunde hatten nun freie Bahn, zwei von ihnen hätten das Tier bis ins Wasser verfolgt und „heftigst attackiert“. Die Halter riefen ihre Hunde zurück – ohne Wirkung. Schließlich konnte sich der Schwan aus seiner Lage befreien und durch Flügelschlagen die Hunde abwehren. Die Halter leinten die Hunde daraufhin wieder an. Der Schwan hätte überlebt und sei noch umhergelaufen, berichtet Andreas M. Ob der Schwan Verletzungen von der Attacke trug, könne er nicht sagen.

Leinenpflicht

In Mannheim müssen Hunde innerhalb der zusammenhängenden Bebauung grundsätzlich an der Leine laufen. Außerhalb davon dürfen sie frei laufen, wenn Schilder nichts Gegenteiliges anzeigen.

Am Bellenkrappen gibt es eine ausgeschilderte Anleinpflicht.

Halterinnen und Halter müssen sicherstellen, dass ihr Hund niemanden gefährdet. Sie müssen jederzeit auf das Tier einwirken können, wenn es nicht an der Leine läuft.

Die Leinenpflicht dient laut Stadt der Abwehr von Gefahren, zum Beispiel beim Aufeinandertreffen von mehreren Hunden oder von Hunden und Spaziergängern.

Greift ein Hund eine Person oder ein anderes Tier an und wird der Vorfall angezeigt, kann ein Wesenstest veranlasst werden. apt

Als er einen der beiden Hundehalter auf die Leinenpflicht ansprach, habe der sich „völlig uneinsichtig“ gezeigt und bestritten, dass eine solche Pflicht vor Ort gelte. Neben Andreas M. und seiner Begleitung hätten noch zehn bis 15 weitere Personen den Angriff beobachtet. Sie seien alle sehr aufgebracht gewesen gegen die Hundehalter, hätten von Tierquälerei gesprochen. Andere Beobachter hätten ihm vorgeschlagen, seine Fotos an den „Mannheimer Morgen“ weiterzuleiten. Bei der Polizei meldete Andreas M. den Vorfall nicht. Die Hundehalter habe er nicht gekannt.

Herbert Rückert, Vorsitzender des Tierschutzvereins Mannheim, meint, Hundebesitzer müssen mit solchen Ausfällen rechnen: „Wenn ein Hund einen Jagdtrieb hat, kann er aggressiv auf andere Tiere losgehen.“ Seien mehrere Hunde im Spiel, könnten sie sich zudem gegenseitig anstacheln. Für das betroffene Tier sei der Angriff mit erheblichem Stress und Leid verbunden – selbst wenn es ohne Verletzungen davonkommen sollte. Eingreifen sollte man aber nicht, wenn ein Hund ein anderes Tier anfällt, warnt Rückert. Das könne schlecht enden. Stattdessen bliebe die Möglichkeit, sich etwa das Nummernschild des Halters zu notieren und den Vorfall bei der Polizei zu melden.

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Wildereien von Hunden kämen in Mannheim gelegentlich vor, meint Kreisjägermeister Albrecht Vock. In vielen Fällen aber würden die Hundehalter den Vorfall nicht bei Jagdausübungsberechtigten melden aus Angst vor den Konsequenzen. So hätten viele Hundebesitzer keine Haftpflichtversicherung für ihre Tiere abgeschlossen und müssten den Schaden selbst begleichen. Wenn die Vorfälle aber nicht gemeldet würden, könnten die teils noch leidenden Tiere nicht erlöst werden, meint Vock. Er appelliert, Hunde insbesondere in der Brut- und Aufzuchtzeit zwischen März und Juni auf Feld, Flur und im Wald an der Leine laufen zu lassen. Zu der Zeit seien etwa trächtige Rehe, stark bei ihrer Flucht eingeschränkt.

Wesenstest bei Anzeige

Die Stadt bestätigte auf Anfrage die Anleinpflicht am Bellenkrappen. Vor Ort würden Schilder darauf hinweisen. Laut Polizeiverordnung der Stadt müssen Hunde „innerhalb der zusammenhängenden Bebauung“ grundsätzlich an die Leine. Außerhalb davon nur bei entsprechenden Schildern. Zudem gilt: Hunde dürfen nur frei laufen, wenn der Halter das Tier jederzeit unter Kontrolle hat. Laut Stadt liegt keine Statistik vor, wie oft es in Mannheim zu Verstößen kommt. Wer sein Tier nicht ordnungsgemäß anleint, muss zahlen: Es droht dem Halter oder der Halterin ein Bußgeld zwischen 30 und 150 Euro. In Biotopen oder Naturschutzgebieten, wo stets Leinenpflicht herrscht, kostet es zwischen 75 und 1500 Euro. Verletzt ein Hund ein wild lebendes Tier, kann das eine Geldbuße von bis zu 10 000 Euro nach sich ziehen. Wird ein Angriff oder ein Biss durch einen Hund angezeigt, kann ein sogenannter Wesenstest des Hundes angeordnet werden. Er soll zeigen, inwiefern von dem Hund eine Gefahr ausgeht, erklärt eine Polizeisprecherin.

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