Innenstadt (I) - IHK gegen „politischen Wettbewerb, wer die meisten Straßen absperrt“ / Stadt soll Verkehrskonzept für City vorlegen Handel will erst Folgen kennen

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Thorsten Langscheid
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Autofahrer im Stau auf dem Luisenring. Die Situation wiederholt sich täglich. © Blüthner

Ausweitung der Fußgängerzone in der Innenstadt ja, aber nicht ohne „belastbare Zahlen“ darüber, was passiert, wenn Straßen in der City für den Verkehr gesperrt werden. So könnte man die Reaktion des Mannheimer Einzelhandels auf die Diskussionen über die Ausweitung der Fußgängerzone zusammenfassen. Der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Rhein-Neckar, Manfred Schnabel, Hendrik Hoffmann vom Handelsverband Nordbaden und Lutz Pauels (Werbegemeinschaft Mannheim-City), machen sich im Gespräch mit dieser Zeitung für die „Verbesserung der Aufenthaltsqualität“ in der City stark, warnen aber zugleich davor, die „innere und äußere Erreichbarkeit der Quadrate“ einzuschränken.

IHK-Studie schlägt neue Konzepte vor

In ihrer Studie “Verkehrliche Erreichbarkeit der innerstädtischen Wirtschaft“ gibt die IHK Rhein-Neckar Handlungsempfehlungen für Entwicklung des City-Verkehrs.

Die Studie schlägt unter anderem neue Konzepte für den Lieferverkehr in der Innenstadt, bessere Erreichbarkeit der City-Parkhäuser und generell die Verbesserung und Vernetzung der Verkehrsarten vor.

Konkret für Mannheim regt die Studie an, die Fragen des Wirtschaftsverkehrs in enger Abstimmung mit der Stadt und anderen Akteuren frühzeitig zu diskutieren.

Dabei sollen innovative und umweltfreundliche Verkehrslösungen erarbeitet werden.

Die Studie kann im Internet abgerufen werden: rhein-neckar.ihk24.de/innenstadtstudie. lang

Rahmenbedingungen verändert

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Dabei verweisen sie auf die Innenstadtstudie der IHK vom vergangenen Jahr, in der bereits Handlungsempfehlungen wie „Erreichbarkeit der Innenstadt-Parkhäuser sicherstellen“ und „Ordnung des innerstädtischen Verkehrs“ formuliert werden. „Wir sind uns einig, dass eine Erweiterung der Fußgängerzone kommen muss“, bewertet Pauels das CDU-Konzept „Die neue Innenstadt“ (wir berichteten) grundsätzlich positiv, will aber vorher „mehr darüber wissen, welche Folgen es genau hat, wenn wir Fressgasse und Kunststraße für den Autoverkehr sperren.“ Zu diesem Zweck sollte auch eine digitale Simulation der Verkehrsflüsse in den Quadraten erstellt werden, ähnlich wie im Vorfeld des Umbaus der Bismarckstraße, so Hendrik Hoffmann – eine Forderung, der die Stadt ohnehin nachkommen will.

„Als beim Parking Day Mitte September eine Sperrung der Fressgasse ausprobiert wurde, staute sich der Verkehr überall in der Stadt“, ergänzt Hoffmann, der auch Q 6/Q 7-Manager ist. Am Samstag, 21. September, war die Fressgasse auf der Länge der drei Quadrate Q 3 bis Q 1 von elf bis 17 Uhr für Spiele und Aktionen autofrei. Es müssten schon deswegen neue Zahlen ermittelt werden, so Hoffmann, weil sich die Rahmenbedingungen in letzter Zeit deutlich geändert hätten: In Kunststraße und Fressgasse herrscht heute spürbar mehr Verkehr als vor der Absperrung der Hochstraße Süd in Ludwigshafen.

„Wir wollen Veränderungen, um die Aufenthaltsqualität der City zu verbessern. Uns geht es dabei aber ums Timing eines regional abgestimmten Verkehrskonzepts“, fasst Schnabel zusammen. Einen „politischen Wettbewerb, wer in der Innenstadt die meisten Straßen absperrt“, wolle man zum jetzigen Zeitpunkt unbedingt vermeiden. Denn zum einen wolle die Stadt mit dem Mobilitätsplan 2035 ein Verkehrskonzept für ganz Mannheim vorlegen, zum anderen müsse in der Metropolregion nun rasch der Mobilitätspakt, über den seit längerer Zeit diskutiert und verhandelt werde, abgeschlossen werden. Die Sperrung der Hochstraße Süd in Ludwigshafen hätten erhebliche Auswirkungen für die Erreichbarkeit Mannheims und für den gesamten Wirtschaftsverkehr, zu dem neben den Einzelhandelskunden auch Lieferverkehr und Berufspendler gezählt werden.

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Deswegen erneuern die Handelsvertreter ihre Forderung, die auf Eis gelegten Planungen für den Bau einer weiteren Auto-Rheinquerung für den Durchgangsverkehr wieder aufzunehmen: „Wenn wir das bis 2030 in den Bundesverkehrswegeplan bekommen wollen, müssen wir uns als Region jetzt einigen“, mahnt der IHK-Präsident: „Der Verkehr wird in Zukunft wahrscheinlich anders, aber mit Sicherheit nicht weniger sein als heute.“

Gegen „Salami-Taktik“

Insgesamt müsse die gute Verkehrsanbindung der Innenstadt für Pkw, Busse und Bahnen sichergestellt werden, so die Vertreter der Handelsverbände. Der Pkw-Anteil der Innenstadtbesucher werde dabei generell unterschätzt. Zu einem umfassenden Verkehrskonzept gehöre auch der Ausbau digitaler Verkehrsleitsysteme und die generelle Neuordnung des ruhenden Verkehrs. Hier wünscht sich der Handel statt der bisherigen „Salami-Taktik“, jeweils einzelne Stellplätze zu sperren oder zu verlagern, ebenfalls eine klare Entscheidung des Gemeinderats.

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