Landgericht Haftstrafe für 25 Jahre alten Angeklagten wegen Körperverletzung

Von 
Stephen Wolf
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Am Freitag soll im Mannheimer Vergewaltigungsprozess das Urteil fallen. © Michael Ruffler

Mannheim. Wegen Körperverletzung hat das Landgericht in Mannheim einen 25 Jahre alten Mann zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der Mann eine jungen Frau im Mai mit Faustschlägen und Tritten verletzt hatte. Ihr muss er nun außerdem ein Schmerzensgeld von 1 500 Euro zahlen. Angeklagt war er indes, weil ihm die Staatsanwaltschaft vorwarf, er habe eine Frau im Mai 2019 zum Oralverkehr gezwungen und dabei schwer verletzt. Als Reaktion auf das Urteil - die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von vier Jahren und sechs Monaten gefordert - applaudierten angereiste Verwandte und Freunde des Angeklagten im Gerichtssaal.

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Die ihm vorgeworfene Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung habe man dem Mann jedoch nicht nachweisen können, wie die Vorsitzende Richterin Bettina Krenz am Freitag sagte. Vielmehr sei nicht völlig klar, wie sich die sexuellen Handlungen tatsächlich dargestellt haben. So habe sich die Frau in ihren Vernehmungen dazu nicht konstant geäußert. Man könne nicht ausschließen, dass sich die Frau zunächst freiwillig an den sexuellen Handlungen beteiligt habe, dann aber davon abgekommen sei.

Aus Verärgerung und gekränktem Stolz habe der Angeklagte aus Sicht des Gerichts der Frau schließlich Gewalt angetan. „Das war eine brutale Tat“, fügte die Richterin hinzu. Sie wies darauf hin, dass der 25 Jahre alte Angeklagte bereits wegen gefährlicher Körperverletzung eine Bewährungsstrafe hatte, außerdem mindestens wegen Betäubungsmittelmissbrauchs vorbestraft sei. Aus Sicht des Gerichts gebe es für den Mann aktuell keine günstige Sozialprognose. Dennoch wurde der Mann am Freitag in die Freiheit entlassen.

Er hatte nach dem Tatvorwurf bisher fast ein Jahr in Untersuchungshaft verbracht. Die restliche Strafe muss er nun später antreten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Ob mit einer Revision zu rechnen ist, war zunächst weder von der Staatsanwaltschaft noch von der Anwältin der Nebenklage oder den Verteidigern zu erfahren.