"Hänge-Peters" muss weg!

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Ein Jahrhundert nach dem Ende der Kolonialzeit schlagen wir dieses unrühmliche Kapitel deutscher Geschichte wieder auf und stellen fest: Es sind nicht nur ein paar Straßenschilder übriggeblieben, die am Stadtrand vergessen wurden. Nein: Die Folgen der europäischen Ausbeutungs- und Gewaltherrschaft, an der nicht nur, aber vor allem in Afrika eben auch Deutschland beteiligt war, wirken sich bis heute für die Menschen dort aus. Sei es die alltägliche massenhafte Armut in weiten Teilen des Kontinents, seien es bizarre Gewaltausbrüche wie der Völkermord in Ruanda: Die sozialen und politischen Katastrophen im Afrika der Gegenwart haben ihre Wurzeln stets auch in der kolonialen Vergangenheit. Längst überfällig, dass wir uns damit beschäftigen.

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Es ist unbestritten: Nach einem Verbrecher wie jenem furchtbaren Reichskommissar Peters, der selbst nach den damaligen Maßstäben als Krimineller galt, darf man deshalb nicht länger Straßen benennen. Doch was tun? Gut 700 Anwohnern eine Adressenänderung mit allen Unannehmlichkeiten zumuten? Trickreich einen unbelasteten Peters finden und einfach umwidmen? Das kann ins Auge gehen: Der Ersatz-Peters aus Koblenz erwies sich bei genauerer Betrachtung leider als alter Nazi. Bliebe ein gleichnamiger pensionierter Richter am Bundessozialgericht in Kassel. Ob man ihn als zweiten "Ersatzmann" ins Spiel bringen darf?

Straßennamen dienen der Orientierung, meint der Vorsitzende der Siedlergemeinschaft in Rheinau-Süd, Wolfgang Lehmpfuhl, pragmatisch. Recht hat er, und das gilt auch im übertragenen Sinne: "Hänge-Peters" muss auf jeden Fall weg!