Architektur - Künstler Edgar Schmandt hat Glasfassade an Behördengebäude in L 4 nach über 50 Jahren neu gestaltet Glasfassade in L 4 von Künstler Edgar Schmandt neu gestaltet

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Peter W. Ragge
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„Großer Baum (Licht und Schatten)“ nannte Edgar Schmandt die Fassadengestaltung nach der, wie er sagte, Transformation. © Vermögen und Bau Baden-Württemberg/Thilo Ross

Mannheim. „Wann hat ein Künstler schon mal die Gelegenheit, sein eigenes Werk an gleicher Stelle zu überarbeiten oder gar ganz neu zu gestalten?“ Diese Frage stellt Bernd Müller, Leiter des Amtes Mannheim von Vermögen und Bau Baden-Württemberg, nur rhetorisch. Er hat dem Mannheimer Künstler Edgar Schmandt nämlich an der Fassade in L 4, 4-6 diese Chance gegeben, und der hat sie genutzt. Jetzt ist alles fertig – aber der 2019 verstorbene Schmandt kann es nicht mehr miterleben.

Edgar Schmandt

Edgar Schmandt wurde am 12. Januar 1929 in Berlin geboren und begann dort seine Ausbildung. 1956 kam er nach Mannheim. Er hatte ein Atelier in der Sternwarte und eine Atelierwohnung in B 5.

Die Kunsthalle Mannheim besitzt ein Werk von ihm. Sie zeigte seine Arbeiten 1966 und 1985. Seine letzte Ausstellung war 2018 im Zeughaus in Zusammenhang mit der Mumien-Ausstellung.

Die Künstlernachlässe Mannheim kümmern sich um seinen künstlerischen Nachlass. Das Marchivum verwahrt Skizzen, Texte und Briefe von Schmandt. pwr

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„Schade“ seufzt Müller, „es hätte ihm sicher gefallen“, bedauert er. Die Zusammenarbeit mit ihm sei nämlich „ganz prima und sehr konstruktiv“ gewesen, so der Amtsleiter dankbar. „Er sagte einfach: Macht es weg, ich mache Euch etwas Neues – und verlangte nicht mal Honorar“, erzählt Müller.

Das damalige Staatliche Hochbauamt hatte 1963 bis 1966 auf dem Gelände des bereits im 19. Jahrhundert abgebrochenen, einst über die heutige Bismarckstraße in die Stadt hineinreichenden Kosakenflügels vom Schloss ein fünfgeschossiges Verwaltungsgebäude für Landesbehörden und Gerichte errichtet. Es entstand ein „zeittypisch sehr pragmatischer Stahlskelettbetonbau“, so Abteilungsleiter Peter Egel von Vermögen und Bau.

Am großzügigen Treppenhaus sollte „Kunst am Bau“ entstehen, und die Wahl fiel damals auf Edgar Schmandt. Er gestaltete expressiv gezeichnete Flächen mit scharfen Kanten, die der Bewegung auf der Treppe entsprechen sollten. Nach innen waren die Teilflächen verspiegelt, deren Rückseiten weiß und blau, die äußere Glasscheibe aus undurchsichtigem Milchglas. „Der Innenhof war früher hässlich, das wollte man kaschieren“, sagt Bernd Müller heute. Technisch sei das damals „eine Herausforderung und eine absolute Neuheit“ gewesen, ergänzt Peter Egel: „Diese Art der Verglasung wurde weltweit zum ersten Mal in diesen Abmessungen ausgeführt!“

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Doch nach über 50 Jahren zeigten sich immer mehr Schäden an dem Glas. „Die Fassade war zunehmend undicht und es drohten Scheiben herauszufallen“, berichtet Egel. „Auch energetisch war das alles nicht mehr haltbar, es hat gezogen, es ging Wärme raus und es kam Hitze durch“, ergänzt Bernd Müller: „Wir mussten das sanieren!“

Projekt mehrfach verschoben

Das Amt von Vermögen und Bau, das seit 2002 das Bürohaus alleine nutzt, musste die Investition – am Ende 360 000 Euro – aber mehrfach verschieben. Die Behörde ist für Bauunterhalt und Bauprojekte am Schloss, an Hochschulen, bei Polizei, Gerichten und Gefängnis zuständig. „Da gab es immer mal Dinge, die aus Sicherheitsgründen dringender waren“, begründet Müller die mehrfache Verschiebung.

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Mit Schmandt sei man sich nämlich sehr schnell einig geworden. Er erhob keine Einwände, die 170 Quadratmeter große Glasfläche abzureißen – für die ja das Urheberrecht weiter bei ihm lag. Die alten, riesigen Teile wurden größtenteils entsorgt. Zwei große Segmente hängen als Erinnerung im Treppenhaus, einige sollen private Liebhaber gefunden haben. Auch die gesamte Konstruktion des Tragwerks mit Aluminiumprofilen musste erneuert werden, um den aktuellen Richtlinien zur Erdbebensicherheit zu entsprechen.

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Schmandt fertigte einen komplett neuen Entwurf und nannte das Werk „Transformation“ – denn in der Tat hatte sich viel geändert, waren die scharfen Ecken und Kanten nun völlig verschwunden. Bei den 30 einseitig bedruckten Isolierglasscheiben gleicht zwar, wie vorher, keine der anderen, „aber es ist alles gegenständlicher, die Formen und Linien sind viel weicher“, beschreibt es Müller: „Wie schöne, aber dauerhafte Fassadenmalerei“, betont er. „Großer Baum (Licht und Schatten)“ ist der Titel der Arbeit, und in der Tat kann man die Formen eines Baums gut erkennen. Spiegel indes gibt es nicht mehr, dafür viel mehr Offenheit zum Innenhof.

Dessen Umgestaltung und die gesamte Produktion der Fassade haben sich nun aber etwas länger hingezogen. „Schade, dass Herr Schmandt es nie fertig gesehen hat“, so Peter Egel. Der Belegschaft gefalle das Kunstwerk aber. Auch die „wärmedämmenden und de Sonnenhitze abhaltenden Verbesserungen der modernen Gläser seien „deutlich zu spüren“, sagt er.

Redaktion Chefreporter