Schwertransport - Zwei riesige Behälter für jeweils 250 000 Liter Wein mit Polizeieskorte per Tieflader zum Hafen gebracht Gigant auf dem Weg zum Goliath-Kran

Von 
Peter W. Ragge
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Auf der Friesenheimer Insel hergestellt, unterwegs zum Hafen: Einer der beiden Riesenbehälter mit Überbreite rollt über eine Verkehrsinsel und nimmt ganz langsam die enge Kurve. © Michael Ruffler

Mannheim. Sie glänzen silbrig, strahlen sogar von weitem in der dunklen Nacht. Scheinwerfer, Laternen und ein Meer aus Gelb- und Blaulichtern spiegeln sich auf ihnen. Zwei riesige Tanks haben sich in der Nacht von Montag auf Dienstag im Schritttempo durch die Stadt bewegt – ein ungewöhnlicher Schwertransport von zwei Aluminium-Giganten zum Goliath-Kran im Hafen.

Verkehr Zwei Weintanks auf dem Weg durch Mannheim

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„So große Tanks hatten wir noch nie“, sagt Thomas Dörner. Vor zwei Jahren hat er für die Firma Heck Verkehrstechnik, sonst für Beschilderung bekannt, eine Abteilung für Schwertransporte aufgebaut. Er selbst plant und lotst schon seit über 30 Jahren besonders lange oder besonders breite Güter durch die Stadt. Doch seit Alstom hier keine Turbinen mehr baut, sind solche ungewöhnlichen Kolonnen in Mannheim sehr selten geworden. „Man sieht sie kaum noch“, sagt er bedauernd zu den dafür eigens geschulten Polizeibeamten, die vor dem Start alle Fahrzeuge prüfen und abnehmen.

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Sind alle Sicherheitsvorschriften eingehalten, die schweren Güter auf den Tiefladern fest verzurrt? Darauf achten die Experten der Verkehrspolizei, ehe die Kolonne das Gelände der Firma Defranceschi in der Rudolf-Diesel-Straße verlassen darf. Sie hat insgesamt knapp 60 Tanks für die Weinkellerei Reh Kendermann in Bingen produziert, die ein neues Tanklager baut. Die meisten dieser sogenannten Cuvéebehälter fassen zwischen 50 000 und 100 000 Liter. „Die bekommt man noch einfach mit dem Lkw nach Bingen“, so Defranceschi-Geschäftsführer Friedbert Helfrich. Bei den größten, breitesten und je zehn Tonnen schweren Exemplaren aber hilft nur eine Tieflader-Kolonne mit Polizei.

Verkehrsschilder abmontiert

250 000 Liter Wein fasst solch ein Aluminium-Gigant, der 5,20 Meter Durchmesser hat und später bei der Kellerei mehr als zwölf Meter hoch sein wird. Nun liegen die beiden Riesen auf zwei jeweils 30 Meter langen Tieflader-Lafetten. Die Vorbereitungen laufen reibungslos, die Polizei gibt schnell das Startsignal – sogar kurz vor 22 Uhr, dem geplanten Zeitpunkt, rollt die Kolonne los. Drei Streifenwagen sichern, zwei spezielle Begleitfahrzeuge mit einer Wechselverkehrszeichenanlage, also einem großen Überholschild aus LED-Leuchten und dem großen Schriftzug „Schwertransport“, signalisieren den Autofahrern, dass sie hier keinesfalls vorbeikommen, sondern Geduld haben müssen.

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Vorneweg fahren aber noch spezielle Wegbereiter. Mit einem Werkstattfahrzeug machen Arbeiter die Strecke frei, schrauben Richtungspfeile ab, entfernen Wegweiser und Verkehrszeichen, demontieren Hindernisse wie Poller und Sperrbügel oder machen Verkehrsinseln mit Stahlmatten und Holzklötzen befahrbar. Schließlich ist noch ein Team mit zwei Hubsteigern unterwegs: Acht zu weit in die Fahrbahn ragende Ampeln sind so wegzudrehen, dass der riesige, 5,50 Meter hohe Transport darunter hindurch kommt – und wenn er durch ist, mit dem zweiten Hubsteiger danach gleich wieder in die ursprüngliche Position zu bringen.

20 Minuten für eine Kurve

An einer Stelle hilft aber auch das alles nicht. „Puh, das ist eng“, seufzt Thomas Dörner an der Ecke Diffenébrücke und Industriestraße. Hier um die Kurve zu kommen, ist Millimeterarbeit für die langen Tieflader. Ihre Lafetten lassen sich aber, per Handsteuerung durch einen zusätzlichen Fahrer von der Straße aus, hydraulisch nachlenken. „Wenn man da nicht aufpasst, hängt man fest“, macht Dörner deutlich. 20 Minuten dauert es, dann haben es die Giganten um die Kurve geschafft.

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Doch trotz Schritttempo – nach weniger als zwei Stunden sind die beiden voluminösen Tanks am vorläufigen Ziel. „Es ging etwas schneller als gedacht“, freut sich Dörner, „man merkt die Ausgangssperren – die Straßen waren leer, das erlebt man selten“, sagt er erleichtert. Allerdings ist im Hafen Endstation. Eigentlich sollen die Giganten vom Goliath-Kran neben dem Speicher 7, dem größten und stärksten Hebegerät am gesamten Oberrhein, auf Binnenschiffe gehievt werden und so den Weg nach Bingen antreten. Aber wegen Hochwasser ist der Schiffsverkehr gesperrt. Die Weintanks müssen warten, eingezäunt am Rheinufer. Defranceschi-Geschäftsführer Helfrich hofft, dass der Stillstand nicht zu lange dauert. „Wir haben ein bestimmtes Zeitfenster, in dem wir die Tanks liefern, aufstellen und montieren müssen – damit der Bau dort weitergehen kann“, sagt er.

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Info: Video und Fotostrecke unter morgenweb.de/mannheim

Die Hersteller

Die Defranceschi Deutschland GmbH wurde 1996 als Vertriebs- und Service-GmbH mit Sitz in Viernheim gegründet.

Am Produktionsstandort auf der Friesenheimer Insel in Mannheim fertigen 15 Spezialisten seit 1999 hochwertige Edelstahlprodukte nach Maß für die Getränkeindustrie mit Schwerpunkt Wein, Fruchtsaft und Mineralwasser, aber auch für Brauereien und Molkereien sowie Druckbehälter für die Industrie, Maischegärsysteme und Rührbehälter.

Auch Laufsteganlagen, Gärgasabsauganlagen, Kühl- und Produktleitungen sowie Systeme zur automatischen Anlagenreinigung werden hier konzipiert und gefertigt sowie von Servicetechnikern betreut. pwr

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