Sportart - 26-jähriger Tim Weickenmeier gründet die Parkour Akademie Mannheim / Kursteilnehmer lernen Sprünge über Hindernisse Geradlinig von Mauer zu Mauer

Von 
Torsten Gertkemper
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Tim Weickenmeier bei einem Sprung. Das Foto entstand in der Nähe des Paradeplatzes. © Schlindwein

Tim Weickenmeier hat es sich gemütlich gemacht. Auf Beton. Der 26-Jährige sitzt auf einer Mauer vor dem Mensa-Gebäude der Mannheimer Uni. Das angezogene Knie hat er mit den Armen umschlossen, die Kappe sitzt verkehrt herum auf seinem Kopf. Um ihn herum stehen kleine Mauern, Treppen und ein paar kniehohe Betonklötze in geringem Abstand zueinander.

Akademie und Training

  • Tim Weickenmeier hat im Frühsommer die Parkour Akademie Mannheim gegründet.
  • Er bietet Kurse für Jungen und Mädchen ab zwölf Jahren an.
  • Die Gruppe trifft sich dienstags um 16.30 Uhr im Park vor der Uni-Mensa. Das Training dauert zwei Stunden.
  • Der Monatsbeitrag liegt bei 35 Euro im Monat. Mehr Informationen unter www.parkourakademie.com
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„Dieser Platz ist ganz gut, um erste Parkour-Übungen zu machen“, sagt er, „Die Hindernisse sind nicht so hoch, also kann man die Sprünge erst hier trainieren, bevor man sich in die Höhe wagt – ideal für Anfänger.“ Seinen Sport erklärt der gebürtige Speyerer so: „Stell dir vor, du ziehst in einer Stadt eine Linie von A nach B. Und dann nimmst du den direkten Weg, egal, welche Hindernisse sich dir in den Weg stellen. Du spielst förmlich mit ihnen.“ Manch einem mag die Sportart auch aus Filmen bekannt sein, in denen die Protagonisten über Dächer hinweg springen, Wände hochklettern oder sich in Windeseile eine Hauswand hinabhangeln.

Weickenmeier hat eine Parkour-Schule in Mannheim gegründet – die Parkour Akademie. In seinen Kursen unterrichtet er Jugendliche ab zwölf Jahren. Einen Grundsatz der Sportart möchte er auch seinen Schülern beibringen: Freiheit. „Wer in meinen Kurs kommt, soll sich nicht so fühlen, als würde er etwas vorgeschrieben bekommen“, sagt Weickenmeier. Viel lässt er seine Schüler daher selbst machen, geht nur dazwischen, wenn er sieht, dass sie Hilfe brauchen. „Die Teilnehmer sollen sich dann auch recht bald ihre eigenen Herausforderungen suchen“, findet er. Weickenmeier selbst betreibt den Sport seit etwas mehr als 13 Jahren. Damals bot ein Sportlehrer Parkour als zusätzliche Arbeitsgemeinschaft (AG) an – zu Anfang mit ein paar gestapelten Kisten in der Turnhalle. Schnell übernahmen Weickenmeier und seine Freunde die AG selbst.

Erst Ausbildung, dann Ausland

Nach dem Abitur machte er eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker. Als er diese abgeschlossen hatte, ging er für zwei Jahre ins Ausland. „Dort habe ich noch einmal gemerkt, was ich wirklich machen will: Parkour“, sagt der Neu-Mannheimer. Vor Kurzem ist er in eine Wohnung in der Neckarstadt gezogen.

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Bei keiner anderen Sportart sei es für ihn so leicht möglich gewesen, seinen Freigeist auszuleben, findet Weickenmeier. Der Sport hat keine festgelegten Regeln. „Das gefällt mir.“ Doch Parkour ist für ihn mehr als nur die Abwesenheit äußerlicher Zwänge. „Die Persönlichkeit entwickelt sich mit. Du lernst beim Parkour, wie du Hindernisse überwinden kannst. Das lässt sich auch auf das restliche Leben übertragen.“

Weickenmeier hat durch den Sport gelernt, sich selbst besser einzuschätzen. Von jedem Sprung, den er macht, ist er zuvor absolut überzeugt. „Wenn es nur den kleinsten Zweifel daran gibt, mache ich ihn nicht oder versuche, mich langsam heranzutasten“, sagt er.

Selbstvertrauen stärken

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Dieses Vertrauen in sich selbst will Weickenmeier auch seinen Schülern beibringen. Dafür müssen sie aber die Sprünge und die Abläufe dahinter verstehen. „Ich finde, das geht nur, wenn es bei ihnen im Kopf ,Klick‘ macht“, sagt er. Zu viele Vorgaben würden nur das Gegenteil bewirken, findet er.

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Die Stadt Mannheim hat sich der gebürtige Pfälzer nicht ohne Grund für seine Schule ausgesucht. „Hier gibt es viele Orte, an denen man gut trainieren kann.“ Manchmal gibt es noch Probleme mit Anwohnern und Hausmeistern, die die Sportart nicht kennen und Angst haben, dass etwas kaputt geht. Mittlerweile sei das aber besser geworden. „Immer mehr Leute fragen danach, wo sie uns in den sozialen Netzwerken finden – damit sie sich unsere Videos anschauen können.“


Redaktion Redaktion Neckar-Bergstraße, zuständig für Ilvesheim und Friedrichsfeld