Gastrokonzept der Buga: Regionale Küche und App gegen Warteschlangen

Von 
Peter W. Ragge
Lesedauer: 
Hier, an der alten amerikanischen Heizzentrale auf dem Spinelli-Areal, soll der Biergarten der Bundesgartenschau entstehen. Essen darf man mitbringen. © Michael Ruffler

Auf insgesamt 2800 Sitzplätzen sollen sich die Gäste während der Bundesgartenschau 2023 ausruhen und stärken können. „Es wird für jeden etwas dabei sein“, versprach Ingo Wessel, der von der Bundesgartenschau-Gesellschaft engagierte Berater, der das Gastronomie-Konzept für die Großveranstaltung bei einem virtuellen Vortrag vorgestellt hat.

Ingo Wessel (58) entwickelt im Auftrag der Bundesgartenschau-Gesellschaft das Gastronomie-Konzept für die Bundesgartenschau 2023.

Seit mehr als 30 Jahren ist der gebürtige Frankfurter und Wahl-Hamburger im Gastro-Geschäft. Er studierte Betriebswirtschaftlehre und Psychologie, ist selbstständiger Unternehmer, berät und betreut Museen, Theater, Konzerthäuser, Parks, Schlösser und Gartenschauen.

Er wirkte mit bei der Entwicklung der Gastronomie der Kunsthalle, der Schlösser in Schwetzingen und Heidelberg und zeichnet für die Gastronomiekonzeptionen der Buga Heilbronn 2019 und Buga Erfurt 2021 verantwortlich. pwr

 

AdUnit urban-intext1

„Wir haben gemeinsam lange daran gefeilt“, erklärte Bundesgartenschau-Geschäftsführer Michael Schnellbach. „Frisch, zeitgemäß zubereitet und zugleich erschwinglich, erlebnisreich und nachhaltig“ solle die Gastronomie für die insgesamt erwarteten über zwei Millionen Besucher, darunter an Spitzentagen bis zu 40 000 Gäste, sein, beschrieb Schnellbach die Vorgaben.

Im Luisenpark müsse dazu die bestehende Gastronomie „angepasst und ausgebaut“ werden, erklärte Wessel. Das Seerestaurant mit seinen neuen Pächtern solle dabei das „Flagship“, also das Flaggschiff mit dem hochwertigsten Angebot, sein. Dennoch werde das „keine Exklusivveranstaltung, sondern weiter günstig“. Beibehalten werde, wie Wessel zweimal versicherte, das Café Pflanzenschauhaus als „bekannt erfolgreicher Betrieb“. Zudem erwähnte er das Drehrestaurant im Fernmeldeturm, das Teehaus und das Bistro am Freizeithaus. Hierfür überlege man, im Bereich des jetzigen Grillplatzes zusätzliche Sitzplätze zu schaffen, weil an der Freizeitwiese ja auch die Seilbahnstation sei und daher mit viel Publikum gerechnet werde. Darüber sei aber noch keine Entscheidung gefallen.

Neu dazu komme im Luisenpark ein Restaurant in der „Neuen Parkmitte“. Es werde, so Wessel, „spektakulär“ über dem neuen Aquarium platziert, aber „familienfreundlich einfache Speisen“ bieten. Für die Kioske überlege man eine „spezifische Ausrichtung“ - also unterschiedliche Speiseangebote an den verschiedenen Standorten.

AdUnit urban-intext2

Grill in der U-Halle

Als besondere Herausforderung beschrieb Wessel die Gastronomie auf dem Spinelli-Areal, wo es bislang ja nichts gebe. „Aber das werden wir hinbekommen“, versprach er. Gleich an der Seilbahnhaltestelle ist ein Kiosk, wenige Meter später an einer ehemaligen Tankstelle der US Army eine als „Tankstelle“ bezeichnete weitere Möglichkeit geplant, dass die Gäste Essen und Getränke kaufen. Richtung Neubaugebiet an der Wachenheimer Straße soll zudem ein Café entstehen und nach der Bundesgartenschau bleiben.

AdUnit urban-intext3

Das Herzstück der Gastronomie auf Spinelli stelle aber die U-Halle dar - mit gleich drei Angeboten. Das „Green Restaurant“ mit je 300 Plätzen im Innern und im Freien, eine Grillstation mit 50 Plätzen im Innern und 80 unter freiem Himmel sowie die „Experimentalküche“ mit 80 überdachten Sitzplätzen für „innovative Restauranterlebnisse“, in der Vitrinen mit Kräutern und Essenzen locken und kurzzeitig bekannte Köche oder „Lebensmittelhandwerker“ gastieren könnten. Auch das alles sei auf Dauer angelegt, so Wessel. Ferner wird eine temporäres Café in den Themengärten.

AdUnit urban-intext4

Regional, schmackhaft, nachhaltig - das alles komme in der U-Halle und in den Themengärten besonders zum Ausdruck. Man wolle Lebensmittel anbieten, die direkt auf dem Buga-Gelände oder in der Nähe angebaut wurden. Wessel sprach von hausgemachten Limonaden mit Gartenessenzen und frischen Kräutertees, von Salaten mit frischen Blüten, versprach „unbeschwerten Genuss, regional und nachhaltig“.

Das Essen werde „locker, leicht und gesund“ sein, aber „kein Reformhaus“, stellte er klar. Auch wenn man auf vegetarische und vegane Küche setze, solle es „lecker sein und Spaß machen“. „Das bedeutet nicht: keinen Genuss, kein Fleisch, keine Schokoladencreme“, so Wessel.

Apps gegen Warteschlangen

Noch eine Befürchtung versuchte er zu zerstreuen: Um Warteschlangen zu vermeiden, setze man auf moderne Technik wie Apps, mit der die Besucher vorab ihr Essen bestellen und später elektronisch bezahlen können. Auch wenn er ein „Freunds schneller Bedienung“ sei, werde es alle Servicearten geben. Schließlich schaffe man „etwas, das es noch auf einer Bundesgartenschau gab“, nämlich den Biergarten vor der Heizzentrale der Amerikaner, wo man Getränke kaufen und sich das Essen mitbringen kann. Einwegverpackungen sollen auf dem gesamten Gelände verboten sein.

Ob und welche Gastronomen aus der Region zum Zuge kommen, ist noch unklar. Sie sollten „zeigen, was sie können“, aber er habe, sagte Wessel dazu, noch keine Gespräche geführt. Wie Schnellbach ergänzte, werde es Anfang bis Mitte des zweiten Quartals 2020 eine „Aufforderung zur Bewerbung“ an die Vertreter der Branche geben, „dann entscheiden die Ideen und Konzepte“, erklärte er.

Dossier unter mannheim.de/buga

Mehr zum Thema

Kommentar Zum Gastronomiekonzept der Buga: Genuss ohne Reue

Veröffentlicht
Von
Peter W. Ragge
Mehr erfahren

Gastronomie Seerestaurant Luisenpark: Das „schöne Fleckle“ schöner machen

Veröffentlicht
Von
Peter W. Ragge
Mehr erfahren

Bundesgartenschau Unterlagen zur Seilbahn-Trasse werden geprüft

Veröffentlicht
Von
Peter W. Ragge
Mehr erfahren

Redaktion Chefreporter