JVA Mannheim - Die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Häftlinge steigt weiterhin an / Weitere Testergebnisse stehen noch aus Fünf Infektionen im Gefängnis

Von 
Stephen Wolf
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In der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Mannheim steigt weiterhin die Zahl der Insassen, die mit dem Coronavirus infiziert sind. Wie JVA-Leiter Holger Schmitt auf Anfrage mitgeteilt hat, sind bei den jüngsten Tests drei weitere Fälle hinzugekommen. Damit galten bis zum späten Montagnachmittag insgesamt fünf der über 600 Häftlinge als infiziert. „Die Männer befinden sich bei uns schon länger als zwei Wochen in der Untersuchungshaft“, fügte Schmitt hinzu.

Bisher keine Symptome

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Der erste Fall wurde Mitte April bekannt; dass sich ein zweiter Häftling ebenfalls mit dem neuartigen Virus infiziert hatte, war von der JVA am Montag vergangener Woche mitgeteilt worden. Nun ist die Zahl abermals angestiegen. Alle fünf Männer habe man in einer speziellen Unterkunft innerhalb der JVA von anderen Gefangenen isoliert. „Die betroffenen Häftlinge zeigen bisher keine Krankheitssymptome“, hob der JVA-Leiter hervor. Die infizierten Gefangenen befinden sich ihm zufolge in einem Alter zwischen 25 und 35 Jahren. Wo und wie sie sich angesteckt haben, sei unklar. Nachdem der erste Fall am 17. April bekannt geworden war, seien Schmitt zufolge zunächst mehr als 40 weitere Gefangene und etwa ein Dutzend Mitarbeiter getestet worden. Bei dieser Untersuchung hatte sich am Montag vergangener Woche zunächst gezeigt, dass ein weiterer Häftling mit dem neuartigen Virus infiziert ist.

Im Nachgang hätten Gefängnisleitung und Gesundheitsamt beschlossen, weitere Insassen und JVA-Mitarbeiter zu testen. Mittlerweile seien somit nicht nur insgesamt zwischen 170 und 180 Gefangene getestet worden, sondern auch bis zu 80 Frauen und Männer, die im Gefängnis arbeiten. Das Testergebnis eines Mitarbeiters sei unklar, so dass momentan auch bei ihm eine Infektion nicht ausgeschlossen werden kann. Der Mann befinde sich in häuslicher Quarantäne. In den vergangenen Wochen hatten sich mehrere Mitarbeiter aufgrund positiver Tests in Quarantäne befunden, diese sei mittlerweile aber aufgehoben.

Stimmung ist angespannt

„Es stehen noch Testergebnisse von etwa zwei Dutzend der Insassen aus“, sagte der JVA-Leiter. Dass weitere Gefangene infiziert sind, sei daher nicht auszuschließen.

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Um das Risiko einer Infektion zu verringern, hatte das Justizministerium im März einen Erlass herausgegeben. Demnach wurden private Besuche bis auf weiteres ausgesetzt. Lediglich in dringenden Fällen werden noch Verteidiger- und Polizeibesuche gestattet. Auch mit Blick auf das Personal habe man reagiert und Schichten so eingeteilt, dass eine Infektion nicht das gesamte Personal lahmzulegen droht. Außerdem seien etwa anstehende Ersatzfreiheitsstrafen – für geringfügige Delikte – ausgesetzt worden, um den Gefangenen mehr Platz in der JVA einzuräumen. Trotzdem konnten Infektionen nicht verhindert werden. Das gilt bisher nur für die JVA in Mannheim. „Bisher wurden solche Fälle in keiner weiteren Haftanstalt in Baden-Württemberg festgestellt“, sagte eine Sprecherin des Justizministeriums. Aufgrund von Vorerkrankungen und Drogenmissbrauch sei ein Großteil der Gefangenen einer Risikogruppe zuzurechnen.

In der JVA Mannheim sei die Stimmung angespannt, sagt Anstaltsleiter Schmitt. „Für Insassen ist die Situation sehr belastend. Wenn man das bedenkt, verhalten sich die allermeisten Männer aber ruhig und vernünftig.“ Nachdem der erste Infektionsfall bekannt geworden war, habe es zwar Unmutsbekundungen gegeben. Manche Häftlinge hätten Papier entzündet und aus Haftraumfenstern geworfen, andere hätten gegen Türen ihrer Zellen geschlagen. „Das war aber kein Aufruhr. Wir konnten die Männer in Gesprächen wieder beruhigen“, betonte Schmitt.

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