Fasnacht - Im Musikpark aufgezeichnete Fernsehsitzung präsentiert bekannte Comedians sowie viele Büttenredner, Tänzer und Musiknummern Feuerio setzt viele Vereine gut ins Bild

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Peter W. Ragge
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Im Musikpark aufgezeichnete Fernsehsitzung präsentiert bekannte Comedians sowie viele Büttenredner, Tänzer und Musiknummern. © MM

Mannheim. Sie haben „vielleicht etwas in Bewegung gesetzt, was für die nächsten Jahre Zukunft hat“: So lobt Thomas Dörner, der Präsident der Karnevalskommission, den Feuerio. Unter dem Motto „Fasnacht trotz(t) Corona“ produzierte Mannheims größte und älteste Karnevalsgesellschaft eine Fernseh-Prunksitzung, die an diesem Wochenende vom RNF ausgestrahlt wird. Das zweieinhalbstündige Programm bringt Beiträge nicht nur vom Feuerio, sondern auch von zehn anderen Vereinen.

Sendezeit und Akteure

  • Das Rhein-Neckar Fernsehen (RNF) wird die zweieinhalbstündige Aufzeichnung am Fasnachtssamstag, 13. Februar, um 20.15 Uhr und am Fasnachtssonntag, 14. Februar, um 13 Uhr zeigen. Danach wird die Sitzung auf dem Youtoube-Kanal des Feuerio im Internet zu sehen sein.
  • Die Sendung wurde produziert von einem siebenköpfigen Team der Käfertaler Veranstaltungstechnik-Firma Lite-Tech, das sehr froh war, nach Monaten des Stillstands mal wieder etwas zu tun zu haben. Die Aufzeichnung dauerte zehn Stunden. Die Kosten trug der Feuerio.
  • Das Programm wurde von Feuerio-Kultusminister Michael Witt mit Vizepräsident Stefan Hoock zusammengestellt, das Bühnenbild von Michael Baake mit seinem Team gestaltet. Bei der Abwicklung halfen die Elferräte Steffen Baumann und Ingo Kroiß sowie Prinzenbegleiter Marcus Merz. Musik: Thomas Rittler.
  • Jeder Künstler bekam ein Geschenk mit einem Mannemer Schlüsselband, kreiert und genäht von Gabi Dörner. Beim aufwendigen Hygienekonzept half Apotheker Theo Reinert aus der Blumen-Apotheke Käfertal, der auch die nötigen Materialien stiftete. 
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„Wir wollen zeigen: Wir leben noch“, sagt Feuerio-Präsident Bodo Tschierschke zur Begrüßung im Performanceraum des Musikparks, wo die Sendung mit strikten Hygieneregeln aufgezeichnet wird. Der Applaus kommt aus der Konserve, aufgenommen bei früheren Prunksitzungen – gerade bei musikalischen Beiträgen spürt man daher schon sehr, dass es kein Publikum gibt.

Bloomaul mit „Badetag“

„Cordula Grün“ oder „Schatzi, schenk mir ein Foto“ – Mensch, was wäre bei diesen Wiesnhits im Saal los, was würde da begeistert mitgeklatscht, mitgegröhlt! Nun singen die „Drei Prinzen“ (Stefan Hoock, Stefan Rinklef, Roberto Troncone) eben nur in die Kameras. Dazu braucht man Mut, das fordert den Akteuren enorm viel ab und bringt doch nicht die Stimmung wie mit hunderten von feiernden Gästen.

Richtig gut kann damit Bloomaul Joachim Schäfer umgehen. Er stimmt das Sackträgerlied an und bietet bei dem ohnehin ironischen Song „Badetag“ eine prima Schauspieleinlage, als wäre es nicht sein Single-Hit aus den 1970er Jahren, sondern ein aktueller Titel. Herrlich!

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Dagegen bekennen andere Profis offen, wie sehr ihnen das Publikum fehlt. „Ohne dass man jemand sieht, ist es schon ganz schön schwierig“, räumt Comedian Franz Kain ein, sonst beim Feuerio im Rosengarten und nun eben in der Fernsehsitzung zu Gast. „Es ist eine Herausforderung für uns alle“, sagt Feuerio-Vizepräsident Stefan Hoock, der sich das bei seiner lebendigen Moderation aber gar nicht anmerken lässt.

„Uns fehlt natürlich das Publikum“, gesteht auch Markus Weber in seiner Paraderolle als „Fräulein Baumann“. „Aber wir müssen uns vorstellen, die Leute sitzen zu Hause vorm Fernsehnen amüsieren sich, so wie in meiner Kindheit, da wurde die Bowle angesetzt und ’Mainz bleibt Mainz’ geschaut“, erinnert sich Weber. Doch gerade jetzt, „in der schwierigen Zeit, soll man die kleinen Freuden nicht vertreiben“, meint er – und sorgt für eine große Freude. Als „Fräulein Baumann“ nimmt er nicht nur Masken und Ausgangssperre auf die Schippe, sondern bietet eine Premiere. Erstmals singt er, von Dieter Scheithe begleitet, ein Couplet: „Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben?“

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In der Bütt gibt es noch mehr Höhepunkte: Horst „Hotte“ Siegholt und Peter „Pit“ Karg, einst im Streit beim Feuerio ausgeschieden und jetzt doch wieder dabei, blödeln herrlich drauflos. Feuerio-Protokoller Alexander Fleck hat verzichtet und diesen Part „Fröhlich Pfalz“-Protokoller Thomas Friedl in der Rolle des Kurfürsten überlassen. Und ein kurfürstlicher Hofnarr, nämlich Perkeo Thomas Barth, grüßt mit einem wunderbar amüsanten Dialektkurs aus Heidelberg.

Eloquentes Gardemädchen

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Die Fasnacht, Corona und ihren Mann nimmt sehr gelungen Irmi Benz, Präsidentin der Feudenheimer Frauenfasnacht, auf die Schippe. Ein besonderer Höhepunkt ist der humorvolle Schlagabtausch von „Schlabbdewel“-Präsident Matthias Baier mit dem sehr redegewandten und eloquenten Gardemädchen Samantha Riesland – Kompliment!

Einen Gemeinschaftstanz präsentieren die Mariechen Emilia Reiss („Schlabbdewel“) und Luisa Bruckner („Lallehaag“). „Zwei Vereine, ein Team“, lobt Stadtprinzessin Maren-Michelle I., die ebenso wie der singende Prinz Naro I. bei dieser Sitzung nicht fehlen darf.

Gardetanz funktioniert, trotz kleiner Tanzfläche, im Fernsehen übrigens richtig gut – weil man die choreographischen Figuren sehr gut und von der Nähe sehen kann. Für eine besondere Premiere sorgen da Lena Hartig (11) und Dennis Kerker (26) von den „Stichlern“ mit ihrem ungewöhnlichen, weil generationenübergreifenden Duo-Auftritt zum Lied von den „Regenbogenfarben“. Weitere klasse Tanz-Leistungen bieten Jasmin Cutrona („Pilwe“) und André Pascarella (CCW), ehe der Feuerio einen Teil seiner geballten Gardemacht aufbietet: ein Medley von Emily Zink, Lawinia Brox, Angelina Karr und Luis Franke, Vanessa Stindel, Helen Auer, Stella Reichert, Ilaria Vitulano, Melanie Wörner sowie Vanessa Ganser mit Robin Bottler. Wenn dann zum Finale „Wörner Cocktail“ das Abschiedslied auf Corona singt, freut man sich auf den Live-Auftritt im nächsten Jahr.

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