Feudenheimer Au - Unterführung statt Ampelkreuzung am Aubuckel – leicht veränderte Trasse für Radschnellweg könnte Kleingärten erhalten und Fahrzeit verkürzen Feudenheimer Au: Bezirksbeirat schlägt Kompromiss zum Radschnellweg vor

Von 
Thorsten Langscheid
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Wollen den Streit um den Radschnellweg durch die Au beenden (v.l.): Bezirksbeiräte Jochen Stien (Grüne), Christiane Säubert (Freie Wähler), Rolf Götz (CDU), René Leicht und Markus Risch (beide Grüne) haben einen Kompromissvorschlag erarbeitet, der im Stadtteil-Gremium parteiübergreifend Unterstützung findet. © Blüthner

Gibt es eine Lösung im erbitterten Streit um den Radschnellweg durch die Feudenheimer Au? Der Bezirksbeirat des Stadtteils hat sich in einer nichtöffentlichen Sitzung mit großer Mehrheit für einen Stopp der bisherigen Planungen und der bereits begonnenen Verlegung der Kleingärten ausgesprochen und einen neuen Vorschlag zur Trassenführung unterbreitet.

Radschnellweg durch die Feudenheimer Au

  • Im Bezirksbeirat Feudenheim sitzen je drei Mitglieder von Grünen, SPD und CDU sowie je ein Mitglied von Linkspartei, Freien Wählern und AfD.
  • Das Planfeststellungsverfahren für den Radschnellweg als Teil einer Trasse Mannheim-Viernheim-Weinheim wurde von der Stadt beim Regierungspräsidium in Karlsruhe Anfang Dezember eingeleitet.
  • Gegen die Trassenführung durch die Feudenheimer Au liegt eine Petition im baden-württembergischen Landtag vor.
  • Für die Unterzeichner der Petition weisen Altstadtrat Ulrich Schaefer und Hans-Jürgen Hiemenz darauf hin, dass der zuständige Abgeordnete Hermino Katzenstein (Grüne) einen Vor-Ort-Termin des Ausschusses angeregt habe.
  • Die Feudenheimer Bezirksbeiräte regen in ihrem Kompromissvorschlag unter anderem an, dass die Stadt bei ihrer Planung genauso transparent vorgeht, wie das Regierungspräsidium bei der Planung des Schnellwegs Mannheim Heidelberg. 
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Urheber des Vorschlags sind der neugewählte Grünen-Beirat und Altstadtrat René Leicht sowie seine beiden Parteifreunde Marcus Risch und Jochen Stien. Mit dem Moratorium wollen die Feudenheimer Zeit gewinnen, um eine „planerisch befriedigende und zudem zeitsparende Kompromisslösung zu finden, die den Neubau des Radschnellwegs mit der Nutzung vorhandener Wege zusammenbringt.“

Verbesserungsvorschlag

„Wir sehen die neue Variante als Optimierung, als einen Verbesserungsvorschlag“, erklären Christiane Säubert (Freie Wähler) und Rolf Götz (CDU). Dabei geht es im Wesentlichen darum, den Radweg im südlichen Abschnitt auf der bestehenden Straße In der Au zu führen, und im Norden statt einer ampelgeregelten Kreuzung mit der Straße Am Aubuckel eine „angemessen breite“ Unterführung zu bauen. Die Vorteile liegen für die Feudenheimer Bezirksbeiräte auf der Hand: „Die Kleingärten könnten bleiben, wo sie sind“, so Säubert. „Wir können doch zur Bundesgartenschau (Buga) 2023 nicht ernsthaft 26 konventionelle Kleingarten-Hütten auf Betonplatten ins Landschaftsschutzgebiet stellen“, sagt René Leicht.

„Hastig geplante Trasse“

In der jetzigen Form sei der von der Stadt „hastig geplante“ Radweg „kontraproduktiv“ für eine Buga, die „neue Konzepte gegen den Klimawandel“ und ein „innovatives Experimentierfeld für nachhaltiges Zusammenleben“ verspricht, meint Leicht. Und will mit seinem Vorschlag einer nur leicht abgeänderten Trasse den Streit um die Feudenheimer Au beilegen: „Was die Besucher sonst erleben werden, ist eine unheilvoll zerstrittene Stadtgesellschaft“ sagt Leicht und warnt: „Dieser soziale Unfrieden verschafft der Gartenschau ein schlechtes Image.“

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Ob ein Schnellweg Sinn macht, bei dem die Radfahrer minutenlang an einer roten Ampel warten müssen, um den mit rund 20 000 Autos täglich belasteten Aubuckel zu überqueren, fragen die Feudenheimer Bezirksbeiräte und finden: „Das wäre eine nachhaltig schlechte Lösung.“ Dabei biete sich zur Buga an, aufzuzeigen, dass die Ansprüche von Landschaftsschutz und klimagerechter Radverkehrspolitik nicht im Widerspruch stehen, begründen die Feudenheimer ihre Vorschläge.

Detailfragen klären

Dass auch in ihrer Variante zahlreiche Detailfragen zu klären wären - „das ist uns klar, aber daran müssen wir mit allen Beteiligten konstruktiv arbeiten“, sagt Markus Risch. Und Jochen Stien ergänzt: „Die Straße in der Au müsste nicht für den Autoverkehr freigehalten werden, da es andere Zufahrtswege zu den Gärten und Gaststätten gibt.“

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In der Gemeinderatsfraktion der Grünen wurde Leichts Vorstoß am Montagabend mit Interesse aufgenommen. Fraktionsvorsitzende Melis Sekmen kündigte an, sich mit dem Vorstoß aus Feudenheim beschäftigen zu wollen. In einer ersten Reaktion hielt Tanja Binder von der Bundesgartenschaugesellschaft an der vom Gemeinderat beschlossenen und im Planfeststellungsverfahren eingereichten Variante fest. Sachverständige, Stadtverwaltung sowie die Buga-Gesellschaft hielten sie für „die sinnvollste und jene, die darüber hinaus ein hohes Maß an Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden gewährleistet“, so Binder.

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Redaktion schreibt als Reporter über Mannheimer Themen