Fußball - Das Carl-Benz-Stadion war zum Derby restlos ausverkauft – und die Stimmung unüberhörbar Fans erleichtert: Ein glücklicher Punkt

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Louis Rauert
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Großfamilie mit Stammplatz: Wolfgang Siebert (r.) sowie (v.l.): Nadine, Ben, Saskia und Marcus hatten viel Spaß im Carl-Benz-Stadion. © Rauert

Dass im Carl-Benz-Stadion am Samstag kein gewöhnliches Spiel der dritten Bundesliga ausgetragen wird, ist nicht nur in der Arena selbst deutlich zu vernehmen. Unüberhörbar ertönen die Fangesänge noch viele hundert Meter weiter Richtung Luisenpark und über den Neckar. Zwei Mal wird es während des 90-minütigen Derbys gegen den 1. FC Kaiserslautern richtig laut: Zunächst jubeln die Anhänger der Roten Teufel in der 73. Spielminute, als Hendrick Zuck zum 0:1 einnetzt. Dann sind es die Fans der Buwe, die euphorisch das emotionale 1:1 feiern. Marco Schuster hat den Ausgleich drei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit erzielt.

Fußball Südwestderby in Mannheim

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Christoph Bluethner
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„Verdientes Unentschieden“

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„Das war eine Erleichterung“, meint Manfred Liebscher, als er kurz nach der Partie das Stadion verlässt. Der Dauerkartenbesitzer aus Schwetzingen ist trotz spannender Schlussphase allerdings nicht zufrieden mit der Leistung des SV Waldhof. „Ein glücklicher Punkt. Das Spiel selbst fand‘ ich aber nicht gut.“ Heiko Krämer und sein Sohn Matthis hingegen sprechen von einem verdienten Unentschieden. „Das Spiel war schlecht. Aber die Stimmung war genial“, betont Heiko Krämer im Anschluss des Derbys. Seit zehn, elf Jahren gehe er regelmäßig zu Waldhof-Spielen. Dazu gehörte unter anderem mal ein Südwestderby auf dem Betzenberg. In der eigenen Arena hatte Krämer das Duell der zwei Rivalen jedoch bisher noch nicht erlebt. Der Punkt sei eher glücklich, findet Matthis, der den Verein seit vier Jahren anfeuert.

Als Andenken an das Spiel, das seit 1996 erstmals in der Liga mit knapp 23.000 Besuchern für volle Ränge sorgte, hat sich Michael Kroner einen Waldhof-Schal gekauft. Das müsse einfach sein, meint der eingefleischte Fan und Dauerkartenbesitzer. Gemeinsam mit José Morante und Michael Kerber steht er nach der Partie vor dem Haupteingang und diskutiert: „Spielerisch war es mir einfach zu passiv für unsere Tabellenstellung. Und teilweise haben die Lauterer Fans sogar mehr Stimmung gemacht als wir.“

Sandra Schurich spricht gar von einer „Heimangst“ ihrer Mannschaft: „Das scheint momentan ein Handicap zu sein, wenn wir zuhause spielen. Vielleicht war gerade heute der Druck einfach zu hoch.“ Die Ludwigshafenerin stand während der Partie im N-Block. Von der Derbystimmung war sie nicht vollständig überzeugt, phasenweise fand Schurich es noch „etwas zu ruhig für so ein Spiel“. Doch mit dem Unentschieden kann sie gut leben. „Da hat uns mein Schal mal wieder Glück gebracht“, erklärt sie. „Den habe ich mal zu Weihnachten geschenkt bekommen und mir seitdem nie einen Neuen besorgt. Der Schal ist über 15 Jahre alt.“

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Mit gleich drei Generationen sind der achtjährige Ben, Nadine, Saskia und Marcus sowie Bens Opa Wolfgang Siebert aus Neckarau und Rheinau angereist. Die Derbyerfahrung nimmt Ben gerne mit nach Hause – das kann man dem strahlenden Nachwuchsfußballer ansehen. Wolfgang Siebert war durch seine Dauerkarte an mehrere der schnell ausverkauften Tickets gekommen. „Das Beste an so einem Spiel ist, dass wirklich um jeden Ball gekämpft wird“, erläutert Siebert.

Stimmung: „Wahnsinn“

Das Hinspiel hatten Tina Zivojnovec und Jesse Hesselschwerdt noch in einer Kneipe in Kaiserslautern verfolgt. Die beiden kommen aus der Pfalz und einige ihrer Freunde sind Kaiserslautern-Fans. Diesmal waren die zwei Buwe-Anhänger live dabei. Zur Stimmung meint Hesselschwerdt: „Wahnsinn, nicht zu übertreffen.“ Der Hass unter den Fans hingegen sei nach wie vor so stark, dass im Stadion Pyrotechnik und Böller gezündet wurden. „Allerdings sind viele Fans vernünftiger geworden, das war früher schonmal anders“, so Hesselschwerdt.

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Dass es nach dem Spiel nicht zu großen Auseinandersetzungen zwischen den Fangruppen kam, lag am taktischen Konzept der Polizei, wie Pressesprecher Christoph Kunkel vom Mannheimer Polizeipräsidium betont. Die Beamten waren mit etwa 1000 Einsatzkräften präsent und sorgten für eine strikte Trennung der Fans beider Vereine.