Protestaktion: Auch in Mannheim schließen heute viele Praxen Fachärzte beklagen niedrige Pauschale

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"Geschlossen - wir fahren zur Protestversammlung nach Stuttgart!" Plakate mit solchem oder ähnlichem Text dürften heute auch in Mannheim an vielen Praxistüren prangen. Der "MM" befragte zwei niedergelassene Fachärzte, warum sie sich an der Aktion beteiligen.

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"Wenn ich nicht an der Hedwigsklinik Neugeborene betreuen würde und einige Privatpatienten hätte, dann müsste ich meine Praxis schließen", erklärt Dr. Rainer Bleß. Denn mit dem Regelleistungsvolumen könnte er eine angemessene medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen nicht finanzieren. "31 Euro und einige Zerquetschte" bekomme er pro Sprössling und Quartal als Pauschale, die - bis auf Vorsorgenuntersuchungen - alles abdecken soll, Laborkosten und Hausbesuche inklusive. Das könne nicht funktionieren, zumal viele Mädchen und Buben mehrfach vorgestellt werden. Bleß: "Im Januar hatte ich während der Grippewelle 850 Patienten in meiner Praxis - im Schnitt kam jedes Kind drei Mal."

Es gehe aber nicht nur um Diagnose und Therapie. "Wir Kinderärzte beraten auch - Ernährung spielt eine große Rolle". Solche bislang selbstverständlichen Leistungen seien gefährdet. "Bislang hatte ich für einen Patienten ein Quartalbudget von knapp 50 Euro, das jetzige Regelleistungsvolumen sieht 24 Euro vor - da kann ich mir ausrechnen, dass ich bald pleite bin", kommentiert Orthopäde Dr. Matthias Spengler-Fabian. Kritisch sieht er die Situation für chronisch kranke Patienten mit häufigen Arztbesuchen - denn die könne sich eine Praxis eigentlich gar nicht mehr leisten. Auch ambulantes Operieren lohne sich nicht mehr.

Angesichts zahlreicher Praxisschließungen beginnt der übliche Mittwoch-Notfalldienst statt mittags heute bereits um 7 Uhr. wam