Grüne - Aus den Ortsvereinen und vom Kreisvorstand kommt viel Lob / Stimmen zum Rückzug von Felicitas Kubala „Es ist eben ein Amt auf Zeit“

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Thorsten Langscheid
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Felicitas Kubala hört zum Jahresende auf (v. links): Im Bild ist sie mit Parteifreunden Gerhard Fontagnier und Angela Wendt (rechts) sowie dem Stadtpark-Geschäftsführer Joachim Költzsch zu sehen. © Thomas Tröster

Felicitas Kubala macht keinen Hehl daraus, dass sie gerne für eine zweite Amtszeit als Umweltbürgermeisterin angetreten wäre. „Der Klimaschutzfonds, die Sanierung des Rheindamms, der klimagerechte Umbau der Stadtwälder, die Bundesgartenschau und die Sanierung der Stadtparks – „das sind Projekte, die ich sehr gerne auch in Zukunft begleitet hätte“, sagt die 64 Jahre alte Politikerin im Gespräch mit dieser Redaktion. Doch die seit der Kommunalwahl im vergangenen Jahr deutlich gewachsene Gemeinderatsfraktion hat sich anders entschieden, will nun als stärkste Kraft in der Bürgervertretung die Stelle an der Rathausspitze anders besetzen und so „wichtige Impulse für den Umwelt-, Natur- und Klimaschutz“ geben.

Felicitas Kubala

  • Felictas Kubala, Jahrgang 1956, stammt aus Berlin, hat eine Tochter, vier Enkelkinder.
  • Sie ist Absolventin einer katholischen Privatschule, gelernte Erzieherin und studierte später Volks- und Betriebswirtschaftslehre.
  • Nach Tätigkeiten beim DJK-Verband für Leistungs- und Breitensport sowie in der Berliner Senatsverwaltung im Bereich Stadtentwicklung und Umweltschutz übernahm sie 1984 die Leitung des Umweltamts im Berliner Bezirk Steglitz (bis 2000).
  • 1984 trat Kubala den Grünen bei und zog 2001 erstmals ins Berliner Abgeordnetenhaus ein, wo sie sich bis 2012 maßgeblich um Stadtentwicklung, Umwelt- und Sportpolitik kümmerte.
  • In Mannheim baute sie als erste Grüne in der Stadtspitze das Umweltdezernat auf und organisierte die Integration mehrerer Fachbereiche zum „Stadtraumservice“.
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„Wir haben vor allem beim Umwelt- und Naturschutz genau das an ihr vermisst“, sagt Altstadtrat René Leicht, Gründungsmitglied der Grünen in Mannheim und nach längerer Politik-Pause nun wieder im Bezirksbeirat und als Sprecher des Grünen-Ortsverbands Feudenheim aktiv, über seine scheidende Parteifreundin. Beim grünen Kernthema Umweltschutz sei die Bürgermeisterin „nicht gerade an vorderster Front sichtbar“, so sein Urteil. Das zeigte sich auch an anderer Stelle – etwa bei Bürger-Protesten gegen Baumfällungen, ob in der Offizierssiedlung, in den Quadraten oder am Rheindamm. Ein Urteil, das Leichts Kollegin Regina Jutz, Sprecherin des Ortsverbands Mitte, so nicht fällen will: „Das Umweltdezernat im Rathaus ist stark von Felicitas Kubala geprägt, bei Themen wie der Dach- und Fassadenbegrünung in der Innenstadt und der Schwetzingerstadt beispielsweise habe man „gut zusammengearbeitet“.

Susanne Aschhoff, Sprecherin des Ortsverbands Nord, lobt die Arbeit der Bürgermeisterin und kann die Gründe für die Trennung „zunächst einmal nicht nachvollziehen“. Als Mitglied im Kreisvorstand war sie 2012 an der Kandidatinnensuche beteiligt und habe von Anfang an mit der Parteifreundin „sehr gut, vertrauensvoll und eng zusammenarbeiten können“, beispielsweise bei der Aufklärung der PFC-Belastung im Mannheimer Norden oder bei der Bekämpfung des klimabedingten Baumsterbens im Käfertaler Wald. Vor allem der Einsatz Kubalas nach den Baumfällungen auf dem Luzenberg vor wenigen Monaten sei für die Grünen im Mannheimer Norden ein wichtiger Beitrag gewesen.

„Guter Austausch, gute Arbeit“ – auf diesen kurzen Nenner bringt Kreisvorsitzende Sophia Dittes ihr Verhältnis zur Bürgermeisterin. Für die Nachfolge sei es jetzt wichtig, dass die Suche als „offener, transparenter Prozess gestaltet“ und dass eine Frau als Kandidatin gefunden werde. Die gute Aufbauarbeit Kubalas als erste und lange Zeit einzige Grüne in der Rathausspitze würdigte der Sprecher des Grünen-Ortsverbands Neckarau, Harald Knecht. Die Grundlagen für die künftige Arbeit seien damit gelegt, die Verwaltung sei gut aufgestellt. Vor Ort im Mannheimer Süden habe man stets gute Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit dem Umweltdezernat im Rathaus gemacht, so Knecht. Johannes Schuler, Sprecher des Ortsverbands Neckarstadt, hat ebenfalls immer „super“ mit Felicitas Kubala zusammengearbeitet und lobt ihr Engagement bei der Sanierung der Stadtparks und bei der Lösung von Problemen mit dem Alten Messplatz, als dort gepflanzte Bäume nicht richtig anwachsen wollten.

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Dass der Abschied von Felicitas Kubala keine Trennung im Streit ist, daran lässt die Vorsitzende der Gemeinderatsfraktion, Melis Sekmen, keinen Zweifel. Die Grünen, so Sekmen, haben nach der erfolgreichen Gemeinderatswahl nun „einen viel stärkeren Auftrag der Wähler“, man wolle jetzt auch liefern und neue Impulse setzen. Nach der im Konsens erfolgten Entscheidung der Fraktion gegen sie will die Amtsinhaberin nun begonnene Projekte noch bis zum Jahresende weiterführen.

Da bei ihrem Antritt 2013 klar gewesen sei, dass aus Altersgründen keine Wiederwahl möglich ist, scheide sie nun auch ohne Groll, so Kubala. Eine zwischenzeitliche Änderung der baden-württembergischen Gemeindeordnung hätte nun eine Wiederwahl bis zum Alter von 68 Jahren erlaubt. „Deswegen hätte ich gerne noch weiter gearbeitet.“ Die Fraktion habe anders entschieden – Kubala: „Es ist eben ein Amt auf Zeit“.

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