Fasnacht - Karnevalskommission sagt wegen des Coronavirus die Kampagne 2020/21 ab – Lob von der Stadt Es gibt kein neues Prinzenpaar

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Peter W. Ragge
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Die Neckarauer „Pilwe“ hätten, wie hier 2015 Nadine I., im November wieder festlich die Stadtprinzessin inthronisiert – doch das fällt jetzt alles aus. © Markus Prosswitz

Längst hätten die Vereine Orden bestellen, Säle mieten, Musikgruppen verpflichten müssen – denn im Juni ist die Fasnacht normalerweise fertig geplant. Doch sie fällt, erstmals nach dem Golfkrieg 1991, aus. Nach Mitteilung der Karnevalskommission haben die federführenden Vereine beschlossen, „die Saalfasnacht in der Kampagne 2020/21 aufgrund der derzeit gültigen Hygienevorschriften abzusagen“. Es wird auch kein Prinzenpaar inthronisiert.

Karnevalskommission

  • Die Karnevalskommission (KKM) ist die Dachorganisation von 23 Vereinen. Ihre Gründung geht auf das Jahr 1951 zurück. Ihre Hauptaufgabe ist die – rein ehrenamtlich geleistete – Organisation des Fasnachtszugs in Mannheim, wobei sie selbst „Kleppergarde“, Prinzenpaarwagen und „Schwellköpp“ stellt.
  • Zudem kümmert sie sich um die Straßenfasnacht und die Koordination von Aktivitäten über Vereinsgrenzen hinweg.
  • Präsident ist seit 2014 der 60-jährige Speditionskaufmann Thomas Dörner. Zuvor war er 2002 Prinz und dann Technikminister des Feuerio.
  • Entschieden haben nun zunächst nur die sogenannten „federführenden Vereine“. Da sind der Feuerio, der stets seit 1899 den Prinzen stellt, sowie die Stadtteilvereine, die abwechselnd die Stadtprinzessin stellen: Dies sind „Fröhlich Pfalz“, „Lallehaag“, „Löwenjäger“, „Pilwe“, „Sandhase“ und „Grokageli“. 
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Damit bleiben Prinz Naro I. und Prinzessin Maren-Michelle I. im Amt. „Aber es hat letztlich keine Bedeutung, weil es ja keine Veranstaltungen gibt“, erklärt Thomas Dörner, der Präsident der Karnevalskommission. Die Entscheidung zur Absage sei einstimmig gefallen, verpflichte zunächst aber nur die sieben federführenden Vereine. „Den anderen haben wir empfohlen, so zu verfahren – und die weit überwiegende Zahl der Vereine wird sich daran halten“, so Dörner.

„Wir sind uns unserer Verantwortung für die Gesellschaft bewusst“, betonte Dörner. Zwar sei es nach seinem Empfinden „eigentlich noch zu früh“, so der Präsident: „Keiner kann jetzt schon seriös sagen, was in sechs Monaten ist!“ Aber man habe sich „aus Gründen der Planungssicherheit“ zu der Absage entschlossen. Nach den Hygieneregeln sei es nicht möglich, eine Prunksitzung kostendeckend durchzuführen. „Mit Abstand kommt in einem Saal keine Stimmung auf, das muss man realistisch sehen“, so Dörner. Ob vielleicht Veranstaltungen im Freien – wie Straßenfasnacht und Umzüge – möglich seien, könne man jetzt noch nicht sagen. „Darüber reden wir im Herbst oder zum Jahresende mit der Stadt“, kündigte der Präsident an.

„Sehr weise Entscheidung“

Bürgermeister Michael Grötsch beglückwünschte die Fasnachter zu ihrer „sehr, sehr weisen Entscheidung, die von hohem Verantwortungsbewusstsein zeugt“. Natürlich sei der Ausfall „sehr, sehr schade und total bedauerlich“ für die Aktiven wie das Publikum, und ihm sei klar, „dass das den Vereinen wahnsinnig schwerfällt“. Man müsse aber „der Wahrheit ins Auge sehen“.

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„Wir sind schon traurig, aber unter den Umständen macht es keinen Sinn“, so Rolf Braun, der Präsident der Neckarauer „Pilwe“. Sie hätten 2020/21 die Stadtprinzessin gestellt. Ihr Orden ist bereits produziert, denn die Inthronisation wäre schon November gewesen. „Wir haben aber zur Sicherheit die Jahreszahl weggelassen und werden halt alles um ein Jahr verschieben“, kündigt Braun an. Die auserwählte junge Frau sei dazu auch sofort bereit gewesen. Die „Löwenjäger“, die 2021/22 mit der Stadtprinzessin an der Reihe gewesen wären, stellen dann die Regentin 2022/23. Für die Vereine sei der Ausfall der Kampagne auch deshalb besser, weil ihnen Einnahmen durch Sommerfeste fehlten, „bei uns geht da ein fünfstelliger Betrag flöten“, so Braun.

„Man kann unter den jetzigen Bedingungen keine Fasnacht feiern, da darf man nichts riskieren“, steht auch für Bodo Tschierschke, den Präsidenten des Feuerio und damit der größten Mannheimer Karnevalsgesellschaft fest. Es sei aus Gründen des Infektionsschutzes „nicht zu verantworten, aber auch wirtschaftlich nicht machbar“. Ein „Weißer Ball“ mit höchstens einem Drittel des Publikums lasse sich nicht finanzieren, „ich wüsste auch nicht: Wen lädt man ein, wen lädt man aus?“ Der Feuerio habe aber genug eigene Aktive, um zumindest intern „etwas für Spaß und Zusammenhalt zu tun“.

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Beim Carneval Club Waldhof (CCW) ist bisher offen, wie es weitergeht. „Wir werden noch ein bisschen warten und dann zeitnah entscheiden“, so Präsident Rolf Remmele.

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„Ich sehe keine Möglichkeit, Fasnachtsveranstaltungen mit Beschränkungen durchzuführen. Wir haben ja auch eine gewisse Verantwortung Mitgliedern, Helfern, Aktiven und Gästen gegenüber“, sagt dagegen Alexander Boppel, Präsident der „Spargelstecher“, gibt aber zu: „Es schmerzt“. „Schweren Herzens“ verzichten auch die „Gowe“, so Vorsitzender Thorsten Herrscher: „Wir möchten unsere Mitglieder und unser Publikum keinen Situationen aussetzen, in denen wir sie nicht hundertprozentig schützen können“. Aber wenn man überraschenderweise kurzfristig doch feiern dürfe, „dann werden wir bereit sein“, verspricht Herrscher.

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