Bildung - Unterricht für Viertklässler in Mannheim wieder gestartet /Über die jeweiligen Unterrichtszeiten wird ganz nach Situation entschieden Endlich wieder Schule

Von 
Julia Brinkmann
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Lehrerin Alexandra Blum heißt die Kinder der Keplerschule willkommen. Die Themen des ersten Unterrichtstags: Hygiene – und wie es den Schülern in der Zeit ohne Präsenzunterricht ergangen ist. © Julia Brinkmann

Rote Striche zieren den Schulhof der Keplerschule in den Mannheimer Quadraten. Auf jedem Strich steht um 8.45 Uhr am Montagmorgen ein Kind der 4b – und wartet darauf, von Lehrerin Alexandra Blum abgeholt und ins Klassenzimmer gebracht zu werden. Dort waschen sich alle die Hände und setzen dann ihre Schutzmasken ab. „Ganz wichtig, am Bändel nehmen!“, erklärt Blum den Kindern. Den Abstand zwischen ihnen, 1,50 Meter, misst sie mit dem Zollstock extra nach. „Es ist sicher gemacht, ihr braucht keine Angst haben“, beruhigt sie die Kinder.

Neustart an Grundschulen

  • Rund 2000 von 4900 Mannheimer Grundschülern gehen seit Montag wieder in den Unterricht.
  • Die Klassen werden aufgeteilt, damit in den Räumlichkeiten der Schule die Abstandsvorgaben eingehalten werden können.
  • Ab dem 15. Juni sollen alle Grundschüler wieder zur Schule gehen. Präsenz- und Fernunterricht sollen sich abwechseln.
  • Welche Zeiträume die Schulen für ihren Präsenzunterricht festlegen, entscheiden sie selbst, je nach ihren Vorbedingungen. 

Organisation genau überlegt

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Der Grundschulunterricht soll in der Zeit bis zu den Sommerferien vor allem die Kernfächer abdecken: Mathe sowie Deutsch und Sachkunde in Kombination stehen auf dem neuen Stundenplan. Am ersten Tag geht es jedoch vor allem um die aktuelle Situation und darum, wie es den Schülern damit geht: „Ich glaube, ich werde heute keinen Matheunterricht geben“, sagt Angela Speicher, Schulleiterin der Keplerschule. An ihrer Schule gehen 68 von insgesamt 230 Kindern nun wieder in den Unterricht. „Die organisatorischen Feinheiten haben wir uns im Vorfeld genau überlegt“, erzählt sie. Die ersten Gruppen der Vierten Klassen starten morgens zeitversetzt, um 8.15 Uhr, 8.30 Uhr und 8.45 Uhr. Um 10.45 Uhr geht es dann mit dem zweiten Teil der Klassen weiter. Die Wallstadtschule geht ähnlich vor. 63 von 276 Kindern werden dort wieder im Schulgebäude unterrichtet. „Sie kommen nach und nach an, damit die Zusammentreffen im Hof minimiert werden“, erläutert Schulleiter Rainer Hamann das Prinzip.

In der Fernunterrichtszeit haben die Lehrerinnen an beiden Grundschulen viel getan, um ihre Schüler zu erreichen. An der Wallstadtschule gab es Arbeitspakete per Email und Diktate zum Hören. Die Vierten Klassen haben mit einer digitalen Plattform gearbeitet. Die Lehrer der Keplerschule haben Lernvideos gedreht und mit ihren Schützlingen telefoniert. Speicher erzählt: „Die Hälfte unserer Familien hat keinen Drucker. Ein paar Lehrerinnen der Zweiten Klasse sind also mit Bollerwagen herumgefahren und haben Arbeitsmaterialien ausgeteilt.“ Die jungen Schüler haben im Fernunterricht unterschiedliche Erfahrungen gemacht: „Ich hab nicht alles erklärt bekommen“, beschreibt Berra (10). Mattis (10) erzählt: „Ich konnte in meinem Tempo arbeiten, aber mich zuhause nicht so konzentrieren wie in der Schule.“ Aiman (10) hat es gefallen, für die Schule mit der Tastatur zu schreiben.

Nach den Pfingstferien sollen alle Grundschüler wieder zeitweise in die Schule gehen. Wie genau sie dies organisierten, sei den Schulen selbst überlassen, so Sabine Hamann, Sprecherin des Mannheimer Schulamts. „Die Voraussetzungen an den Schulen sind unterschiedlich. Es muss zum Beispiel bedacht werden, wie viele Lehrer zur Risikogruppe gehören und wie gut die Kinder im Fernunterricht erreicht worden sind.“ Die Keplerschule setzt auf das Prinzip des wochenweisen Unterrichts für die verschiedenen Jahrgangsstufen. Die Wallstadtschule wird laut Schulleiter Hamann anders vorgehen: „Im Hinblick auf lernschwächere Kinder ist es günstig, sie jeden zweiten Tag zu sehen“, sagt er. Er will nach Pfingsten jede Klasse drei Stunden pro Tag unterrichten. Dabei sollen die Schüler auch Pausen machen, die Lehrer bleiben jedoch dabei. Speicher wird, solange die Abstandsregelungen gelten, vorerst von Hofpausen absehen. Zwei Zeitstunden pro Tag soll jedes Kind unterrichtet werden. Wallstadt-Schülerin Marie (9) freut sich jedenfalls, auch wenn Schule jetzt anders ist als vorher: „Es ist toll, dass wir endlich wieder Schule haben, auch mit Abstand. Hauptsache, ich kann meine Freunde wieder sehen.“

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